US-Cars

«Ami-Schlitten» sind seine grosse Leidenschaft

Wenn der Recherswiler Thomy Baur morgen am 30. «American Live» in Oensingen vorfährt, dann tut er das mit besonderem Stolz. Zum ersten mal präsentiert er nämlich sein rotes 1947er-Plymouth-Cabriolet, das er in jahrelanger Arbeit restauriert hat.

Die anerkennenden Blicke der zahlreichen US-Car Fans werden ihm auch diesmal gewiss sein. Denn Baur ist in der Szene kein Unbekannter. So genannte Vintage Cars hat er schon einige auf Vordermann gebracht, sei es für die eigene Sammlung oder, um sie danach an Liebhaber weiterzuverkaufen.

So wie den pinkfarbenen 58er Ford Edsel, den er soeben an ein Mitglied der «Friday Night Cruisers» veräussert hat. Ein Auto, das wegen seines damals gewöhnungsbedürftigen Designs und gewissen Kinderkrankheiten nur in kleinen Stückzahlen gebaut wurde, und deshalb heute umso rarer ist.

Vernetzte US-Car Szene

«US-Cars habens mir angetan seit ich als 18-jähriger einen Plymouth Valiant Jahrgang 1974 fuhr», erklärt Baur. Schritt für Schritt haben die Autos einen grösseren Teil seines Lebens erobert. Heute verbringt er fast seine ganze Freizeit in seiner Garage im Untergeschoss einer Gewerbeliegenschaft in Recherswil. Dort schraubt er an alten US-Cars, meist an mehreren gleichzeitig, und pflegt seine Kontakte zu Autofans in aller Welt. Mit den Jahren entwickelte sich auch ein Ersatzteilhandel für die relativ grosse Schweizer US-Car Szene. Dank dem Internet ist man gut vernetzt.

Was macht für Baur den Charme der alten Amerikanerwagen aus? - Es seien die schönen, grosszügigen Formen, gepaart mit robuster Technik. Kein Plastik, keine Elektronik. «Das erlaubt, dass man relativ viel selber machen kann», erklärt er. Auch viele Ersatzteile seien in den USA noch erhältlich.

Sehenswerte Werkstatt

Nur schon Baurs Werkstatt ist sehenswert: Die Wände sind dekoriert mit allerlei Auto-Zierrat aus Chrom, auf regalen Reihen sich Benzinpumpen, elegante Rückleuchten und Autoradios; dazwischen Vitrinen mit Automodellen und eine Wand mit Original-Werbung aus amerikanischen Magazinen. Alles wirkt sauber und aufgeräumt. Immer wieder kommt es vor, dass Teile selber angefertigt werden müssen. Doch auch da hat Baur seine Kontakte; zu Sattler Hans-Ruedi Nafzger in Roggwil beispielsweise, der die Polsterung des jetzt fertigen 47er-Plymouth rekonstruiert hat.

«Das Auto habe ich in Bananenschachteln verpackt in Genf gekauft», beginnt Baur die Geschichte des Cabrios zu erzählen und greift zu einem Fotoalbum. Als er den Der Plymouth kaufte war er ein verrostetes Wrack. Heute ist er ein glänzendes Bijou. Schritt für Schritt wird die Restaurierung auf Bildern festgehalten.

Motor aus dem Zeughaus

«Den Motor habe ich aus dem Zeughaus», lacht Baur. Denn der 3,6-Liter-Sechzylinder ist zum Glück nicht rar. Er wurde häufig verbaut, beispielsweise in die Schweizer Zivilschutz-Spritzen. Doch das muss man zuerst wissen. Auf die Frage, wie viele Stunden er für die Restaurierung aufgewendet hat, zuckt Baur die Schultern. «Ich habe sie nicht gezählt. Aber es waren viele.»

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