Amtsgericht
Ambulante Therapie und Bewährungshilfe für Grenchner Messerstecher

Schuldig wegen versuchter vorsätzlicher Tötung: So lautet das Urteil des Amtsgerichts Solothurn-Lebern gegen einen 64-jährigen Türken. Die Freiheitsstrafe von fünf Jahren muss er allerdings nicht antreten.

Merken
Drucken
Teilen
Der Tatort an der Kirchgasse in Grenchen.

Der Tatort an der Kirchgasse in Grenchen.

Oliver Menge

Dieser hatte am 30. Januar 2010 in Grenchen einen 20 Jahre jüngeren Landsmann mit einem Küchenmesser schwer verletzt.

«Zum Treffen mit seinem Opfer hat Onur K.* in vorbestehender Gewaltbereitschaft ein Messer mitgeführt», sagte Gerichtspräsident Rolf von Felten. «Der Angriff ging vom Beschuldigten aus, somit kann er keine Notwehr geltend machen.»

Die Freiheitsstrafe von fünf Jahren muss Onur K. aber nicht antreten. «Der Vollzug könnte zur Folge haben, dass er das Gefängnis nicht mehr lebend verlassen würde», begründete der Gerichtspräsident den aussergewöhnlichen Entscheid. Der depressive, alkoholkranke und unter hohem Blutdruck leidende Mann weise eine extrem hohe Strafempfindlichkeit auf.

Deshalb wird der Vollzug ausnahmsweise unter strengen Auflagen zugunsten einer engmaschig kontrollierten ambulanten Therapie aufgeschoben und Bewährungshilfe angeordnet. Von Felten warnte den Beschuldigten: «Beim geringsten Anzeichen, dass Sie die Medikamente nicht nehmen oder wieder Alkohol trinken, wird die Freiheitsstrafe vollzogen.»

«Das Gesetz sieht diese Ausnahme vor», kommentierte Staatsanwalt Marc Finger das Urteil. Er hatte sich in seinem Plädoyer gegen die Vollzugsaufschiebung ausgesprochen. «Die Begründung des Gerichts ist aber nachvollziehbar. Es handelt sich wirklich um einen ganz speziellen Fall.» (hps)

*Name von der Redaktion geändert.