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Amag-Geschäftsführer zu Abgas-Skandal: «Wir waren alle geschockt»

Amag-Niederlassungsleiter Andreas Iseli hat das Lachen nicht verlernt.

Amag-Niederlassungsleiter Andreas Iseli hat das Lachen nicht verlernt.

Die Amag-Betriebe haben ein schwieriges Jahr hinter sich. Andreas Iseli ist Amag-Niederlassungsleiter und somit Geschäftsführer der Betriebe in Solothurn und Grenchen.Er äussert sich zu verbesserten Abgaswerten, zum Autogeschäft und zu seinem Neubau.

Doch, doch, das gibt es noch: Der Direktor schreitet durch seinen Betrieb und grüsst alle Mitarbeiter per Handschlag. Selbst ölverschmierte Automechaniker-Finger halten ihn nicht davon ab:

«Ha, dann wasche ich eben danach die Hände, aber diese persönliche Geste ist mir wichtig. Als ich vor drei Jahren die Leitung übernahm und dieses Ritual einführte, wichen mir der eine oder andere anfangs noch aus. Heute sind sie irritiert oder befürchten, in Ungnade gefallenzusein, wenn ich es einmal nicht tue», schmunzelt Andreas Iseli.

Er ist Geschäftsführer der Amag-Betriebe Solothurn und Grenchen mit insgesamt 130 Angestellten. Dazu gehört auch eine Carrosserieabteilung. Seit 14 Jahren ist er für diesen Automobilimporteur tätig. Seine Tour de Suisse hat ihn dabei von Zürich über Schinznach-Bad und Fribourg wieder zurück ins heimatliche Wasseramt gebracht.

Rekordwert bei den Autoverkäufen 2015: Insgesamt wurden im abgelaufenen Jahr in der Schweiz über 320 000 neue Autos zugelassen, so die Erfolgsmeldung des Branchenverbandes diese Woche.

Ob bei der Amag die Korken wohl auch geknallt haben, angesichts der Manipulation von Abgaswerten bei mehreren Marken des Volkswagenkonzerns? Die Suche nach Antworten führt uns nach Zuchwil. Dort hat die Importgesellschaft einen zweistelligen Millionenbetrag in eine neue Niederlassung investiert.

Der Umzug der Marken VW und Skoda von Solothurn in den eleganten Neubau auf dem Areal des ehemaligen Felix-Hediger-Betriebs hat bereits stattgefunden, derweil Handwerker letzte Hand anlegen, damit die bevorstehende offizielle Eröffnung in vollem Glanz über die Bühne gehen kann.

«Schönreden hilft nicht weiter»

Hausherr Andreas Iseli macht einen entspannten Eindruck, obwohl er ein knüppelhartes Jahr hinter sich hat. Der erste Hammer kam Anfang 2015 mit der Abkehr vom Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro. Damit waren die Fahrzeuge im benachbarten Ausland auf einen Schlag wesentlich billiger zu haben.

Also musste sofort Gegensteuer gegeben werden, zumal auch der Occasionsmarkt in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Kunden freuts. Die Situation habe man inzwischen im Griff. Rabatte und Preisanpassungen führten dazu, dass die Direktimporte zurückgegangen sind.

Nicht zuletzt auch deshalb, weil Einkäufe im Ausland mit einem Mehraufwand verbunden und Eintauschgeschäfte vor Ort leichter zu handhaben seien. Geschäftsführer Iseli: «Unsere Kunden sind uns erfreulicherweise treu geblieben und selbst in schwierigen Phasen, wie zuletzt beim Abgasskandal, haben sie sich als loyal erwiesen.»

Damit spricht der 59-Jährige die zweite grosse Herausforderung an, die ihm und seinen Leuten zu schaffen machen sollte. Den 18. September 2015 werde man nicht so schnell vergessen. Iseli verwendet gar den Begriff Tsunami.

Die schlechten Nachrichten in Zusammenhang mit den elektronisch aufgebesserten Abgaswerten seien völlig unvorbereitet über ihn und seine Mitarbeiter hereingebrochen. Man sei richtiggehend schockiert gewesen. Doch das Krisenmanagement habe danach gut funktioniert.

Er verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Amag, obwohl keine Werkniederlassung, Negativschlagzeilen am Markt direkt zu spüren bekomme. Eine besondere Herausforderung war, dass der Skandal unmittelbar vor der umsatzträchtigen Herbstausstellung publik wurde.

«Wir haben intern wie extern versucht, möglichst schnell und offen zu kommunizieren. In solchen Fällen bringt Beschönigen nichts. Man muss sich den Fakten stellen und das Beste aus der misslichen Situation machen.»

Konkret heisst das, dass nun die betroffenen Fahrzeuge in drei Etappen (Frühling, Sommer und Herbst) zurück in die Garage kommen und entsprechend umgerüstet werden.

«Das hat zusammengeschweisst»

Betroffen sich bekanntlich einzelne Dieselmotoren, die zu rund fünfzig Prozent in VWs eingebaut wurden. Weniger schlimm erwischt hat es Audi- und Skoda-Fahrzeuge. Die anfallende Mehrarbeit will man mit einem Zweischichtenbetrieb bewältigen.

Die neuen, grosszügigeren Räumlichkeiten kommen dabei wie gerufen. Der Neubau und der Umzug – ebenfalls ein happiger Brocken, den es bei allen Unwägbarkeiten zu bewältigen galt. «Das alles hat zwar etwas Schlaf gekostet, doch letztlich hat es uns zusammengeschweisst», zieht der zweifache Familienvater Bilanz.

Übrigens, die neuste Statistik zeigt, dass VW trotz Abgas-Skandal die beliebteste Automarke der Schweiz bleibt und das Modell Golf zum 40. Mal Spitzenreiter ist. Und dies notabene bei einem deutlichen Einbruch der Verkäufe im vergangenen Oktober, wie Andreas Iseli mit einem anfänglichen Stirnrunzeln und einem abschliessenden zufrieden-optimistischen Lächeln festhält.

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