Recycling-Projekt

Am Zuchwiler Emmenspitz soll eine Art «Phosphor-Mine» gebaut werden

Derzeit im Bau: Die Kebag Enova: Links davon könnte die Phosphor-Anlage zu stehen kommen.

Derzeit im Bau: Die Kebag Enova: Links davon könnte die Phosphor-Anlage zu stehen kommen.

Verwerten statt deponieren: Ab 2026 muss der wertvolle Pflanzennährstoff Phosphor aus dem Klärschlamm von Kläranlagen rezykliert werden. Sieben Partnerbetriebe sind interessiert, eine solche Anlage neben dem Neubau der Kebag zu installieren.

Im Zuchwiler Emmenspitz wird derzeit mit der Kebag Enova nicht nur die modernste Kehrichtverwertungsanlage der Schweiz gebaut. Darüber hinaus könnte dort auch eine Anlage zu stehen kommen, in der in naher Zukunft aus Klärschlamm-Asche wertvolle Phosphorsäure gewonnen werden kann.

Die örtlichen Gegebenheiten wären dafür optimal: Die unmittelbare Nachbarschaft der Kehrichtverbrennungsanlage Kebag (Lieferant von Prozessdampf und Strom) und der regionalen Abwasserreinigungsanlage Zase (Lieferantin von Klärschlamm) würde optimale Abläufe ermöglichen.

Markus Juchli, Kebag-Direktor und Zase-Geschäftsleiter in Personalunion, bestätigt auf Anfrage, dass der Zweckverband Abwasserregion Solothurn-Emme Zase sich an einem entsprechenden Vorprojekt beteiligt und dass die räumliche Machbarkeit neben der Kebag im Rahmen einer Standortentwicklung nachgewiesen worden ist.

Gemeinschaftsprojekt von sieben Partnern

Derzeit werden europaweit verschiedene technische Verfahren entwickelt und erprobt – alle mit dem gleichen Ziel: Den Nährstoff Phosphor aus der Klärschlamm-Asche zu gewinnen. In der Erkenntnis, dass sich für eine möglichst rationelle Produktion von Phosphorsäure am besten mehrere Partner zusammen schliessen, treten beim Zuchwiler Vorprojekt sieben Partner als Träger und Finanzierer auf, die in ihren jeweiligen Regionen für die Abfall/Abwasser-Entsorgung zuständig sind. Es sind dies neben der Zase Zuchwil die SIG Genf, Epura Lausanne, Saidef Fribourg, ERZO Oftringen, Real Emmenbrücke und ERZ Zürich, Letztere als Vertreter der Abwasserreinigungsanlagen im Kanton Zürich.

Im Auftrag der Initianten hat die Stiftung Zentrum für nachhaltige Abfall- und Ressourcennutzung (ZAR) – in Zusammenarbeit mit dem spanischen Industriepartner Técnicas Reunidas – das Verfahren Phos4Life entwickelt. Mit diesem kann Phosphor aus der Klärschlammasche zurückgewonnen und in Form von Phosphorsäure wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden.

Bereits seien in einem Pilotverfahren im Klärwerk Werdhölzli (Zürich) die positiven Resultate aus einer vorangegangenen Laborphase bestätigt worden, wie die Beteiligten erklären: «Phosphor konnte dabei mit einer Ausbeute von über 95 Prozent in technisch reine Phosphorsäure überführt werden», ist in einem Zwischenbericht nachzulesen. Mit der vorgesehenen Kapazität von bis zu 40000 Tonnen Klärschlamm-Asche könnte rund ein Drittel des nationalen Phosphor-Rückgewinnungspotenzials ausgeschöpft werden, heisst es zum Projekt.

Produktionsbeginn «frühestens im Jahr 2029»

Und wie ist der aktuelle Stand der Dinge? «Wir befinden uns nach wie vor in der Vorprojektphase. Diese sollte gemäss Planung Ende 2021 abgeschlossen werden», lässt Markus Juchli verlauten. Erst dieses Vorprojekt werde den Projektpartnern bezüglich Investitions- und Betriebskosten, Umweltverträglichkeit, logistischer Machbarkeit usw. die Grundlagen für den Realisierungsentscheid liefern. Fällt dieser positiv aus, dann soll in einem ersten Schritt eine Trägerschaft in Form einer Aktiengesellschaft gebildet und die Finanzierung sichergestellt werden.

Allerdings: Wegen der erst am Anfang stehenden Realisierung der Kebag Enova und des anschliessenden Rückbaus der alten Verbrennungsanlagen wird das Standortareal für die allfällige Realisierung des «Phos4Life»-Projektes gemäss Juchli «erst ab 2026 zur Verfügung stehen». Und: «Bis zur Inbetriebnahme einer solchen Anlage muss mit einer Zeitspanne von drei bis vier Jahren, also frühestens im Jahr 2029 gerechnet werden.»

Apropos Kebag-Enova-Neubau: Die Tiefbauarbeiten für die neue Kehrichtverwertungsanlage – auf der mit einem Kostenrahmen von 500 Mio. Franken kantonsweit grössten Baustelle – kommen gemäss Direktor Markus Juchli gut voran: «Der Hochbau wird gemäss Programm am 1. Februar 2021 starten. Aktuell läuft das Projekt technisch und finanziell nach Plan.»

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Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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