Der rund 12 Meter hohe Steinsockel der Burg Halten aus dem Jahr 1200 bildete den geographischen Rahmen, innerhalb dessen sich Polit-, Verbands- und Militärprominenz zum Festakt des 36. Solothurner Kantonalschützenfests begegnete. Mit dabei auch die Präsidentin des nationalen Verbandes SSV, Dora Andres. Die frühere Berner Polizei- und Militärdirektorin ist original eine Solothurnerin und in Messen aufgewachsen. «Mir wollte man damals, als ich 16 war und am Jungschützenkurs mitmachen wollte, noch kein Gewehr geben», erinnert sich Andres. Mädchen seien seinerzeit in Schützenkreisen eher weniger genehm gewesen. Heute steht die Nachwuchsförderung «an absolut erster Stelle für mich», betont Kantonalpräsident Heinz Hammer. Und dabei, so der Egerkinger, spiele weder das Geschlecht noch das Alter eine Rolle. «Der Nachwuchs kann 10 oder 40-jährig sein, sagt Hammer. «Wichtig ist, dass er in den Vereinen ist.»

Regierung vollzählig dabei

Dora Andres legt grossen Wert darauf, «dass wir den unter anderem durch die verkürzte Armeezeit hervorgerufenen Mitgliederschwund in den Vereinen und den Teilnehmerrückgang an Schützenfesten nicht hinnehmen, sondern aktiv dagegen angehen.» Solothurn zählt in diesem Sinn zu den Hochburgen. Mit knapp 5000 mitwirkenden Frauen und Männern klassierte man sich im Kantone-Ranking am Feldschiessen 2016 auf Rang 7. Das beweist den nach wie vor bedeutungsvollen Stellenwert des Sports im Stande. Insofern liess es sich die Kantonsregierung nicht nehmen, «in corpore» am Festakt teilzunehmen. Landammann Roland Fürst strich die wertvolle Verbundenheit unter den Schützen heraus, «die nicht einfach gegeben ist, sondern über lange Zeit aufgebaut werden muss». Ausserdem hielt der CVP-Mann explizit fest, dass er es nicht politisch meine, wenn er festhalte, dass das Resultat beim Schiessen «desto schlechter ausfällt, je weiter man vom Schwarzen entfernt ist und er darum Allen wünsche, möglichst ins Schwarze zu treffen.

Weniger als erwartet

Dass am Solothurner neben den Stichen mit den Ordonnanz-Waffen auch solche für die sportliche 50-m-Kleinkaliber-Distanz angeboten werden, freut nicht nur Dora Andres. Diese Distanz «kommt überdurchschnittlich gut an», bestätigt auch Fritz Ryser, Präsident des Schiesskomitees im OK. Trotzdem: Die rund 6000 Aktiven, die sich im Wasseramt in die Feuerlinie legen, sind weniger, als erwartet. Mit 7000 rechnete man, 9000 kamen 2011 ins Gäu. Finanziell werden wir es verkraften», hält Ryser fest. Dies primär dank dem extrem erfreulichen Sponsoringbeitrag von rund 170'000 Franken. Nebst dem generellen Kampf gegen den Aktivenschwund stehen die Solothurner mit ihrem alle fünf Jahre stattfindenden Kantonalen heuer in «Konkurrenz» mit drei anderen, nicht turnusmässig ausgetragenen Kantonalen. Das Tessiner geht nur alle 10 bis 15 Jahre über die Bühne, das Appenzell-Innerrhodische und Nidwaldische alle acht bis zwölf Jahre. Da es Anreiz vieler, ambitionierter Schützen ist, von möglichst allen 26 Kantonalen einen Kranz daheim in der Vitrine hängen zu haben, gehen den Solothurnern heuer so einige davon verloren.

Munition nicht vergessen

Nichtsdestotrotz ist das Fest erfolgreich auf Kurs. «Wir waren sehr froh, als sich mit dem ersten Schuss eine deutlich spürbare Anspannung entlud und sich inzwischen gezeigt hat, dass alles rund läuft», hält OK-Präsident Heinz Muralt fest. Heute könne er darüber lachen, aber als da einer kurz vom Fest noch gefragt habe, ob man überhaupt Munition bestellt habe, sei ihm schon leicht mulmig geworden. Nun, man hat es nicht vergessen und muss nun nachbestellen ...