Im Stück des amerikanisch-pakistanischen Autors Ayad Akhtar, «The Who and the What», geht es um die 32-jährige Zarina (Atina Tabé), die sich kritisch mit der Rolle der Frau im Islam auseinandersetzt. Es zeigt, wie eine Familie an unterschiedlichen Weltanschauungen zerbrechen kann. Das Stück ist anrührend und besitzt eine Prise Humor. Die Zuschauer verfolgen bei jeder Aufführung völlig gebannt das Geschehen auf der Bühne.

So auch das Publikum vor wenigen Tagen, welches nach der Theateraufführung – noch immer unter dem starken Eindruck des Stückes – eine gut einstündige Diskussionsrunde zum Thema Frauenstreik und Gleichstellung mitverfolgte. Auf dem Bühnen-Podium trafen sich Susanne Schaffner, Regierungsrätin Kanton Solothurn, Anita Panzer, Unternehmerin und Gemeindepräsidentin, Feldbrunnen, Katharina Rupp, Regisseurin Tobs, und Corinne Schärer, Initiantin Frauenstreik und Unia-Frauenverantwortliche. Die Gesprächsleitung lag bei Fränzi Zwahlen-Saner, Redaktorin dieser Zeitung.

Trotz Gleichstellungsgesetz

Auch wenn die Frauen in Europa in der Regel nicht unter religiösen Moralvorstellungen leiden – noch immer gibt es markante Unterschiede zwischen Männern und Frauen im wirtschaftlich-gesellschaftlichen Kontext. Trotz Gleichstellungsgesetz verdienen Frauen weniger, arbeiten mehr – auch in der Freiwilligenarbeit –, haben weniger gute Aufstiegschancen als Männer. Die vier Frauen auf dem Podium erzählten, wie sie es ganz persönlich schafften, erfolgreich im Beruf zu werden. Katharina Rupp meinte zudem: «Ich musste bei meinem beruflichen Weiterkommen auch lernen, mit Absagen oder einem Nein umzugehen. Frauen geben bei einem Nein oft schnell auf. Ich meine, das ‹Spiel› geht weiter. Das müssen wir gleich machen wie die Männer.»

Den Frauenstreik von 1991 hat Susanne Schaffner als Studentin miterlebt. «Wir waren alle heftig dabei und haben sogar unsere Kantinen-Frauen dazu gebracht, zu streiken. Ich finde, es hat sich im Verlauf der Jahre vieles verbessert, auch wenn wir noch immer nicht dort sind, wo wir hinkommen sollten. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ein besseres Kinderbetreuungsangebot sind Themen, die noch immer nicht zufriedenstellend gelöst sind.»

Frauen-Forderungen

Das bestätigte Corinne Schärer. Sie formulierte ein paar Forderungen des Frauenstreiks: «Anheben der Mindestlöhne; keine Einbussen im Pensionsalter wegen Teilzeitarbeit; längerer Mutter- und Vaterschaftsurlaub; Nulltoleranz bei Gewalt an Frauen.» Anita Panzer sieht es etwas anders: «Ich bin der Meinung, dass Frauen heute die Möglichkeit haben, sich selbst eine materielle Grundlage zu schaffen. Warum studieren nicht mehr Frauen in technischen Berufen?» Der Staat könne nicht alles regeln, auch nicht eine umfassende Kinderbetreuung.

Das würde höhere Steuern bedeuten. Aus dem Publikum kamen Reaktionen. «Ich würde mehr Steuern bezahlen, die einer verbesserten Kinderbetreuung zu Gute kämen». Eine andere Zuhörerin sagte: «Wir leben in dieser Beziehung immer noch in Strukturen, wie sie vor 50 Jahren richtig waren». Am Schluss der Diskussion stand fest: Frauen, solidarisiert euch am Frauenstreik. (frb)