Der Weg der Zeitung
Am liebsten druckt er die Zeitung

Ralph Rusoci aus Biberist sorgt dafür, dass das Geschriebene aufs Papier kommt. Der 56-Jährige arbeitet als Schichtleiter bei der Solprint in Subingen.

Renate Bigler-Nägeli
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Ralph Rusoci kontrolliert an der Kommandozentrale der Druckmaschine alle paar Minuten ein Exemplar der Zeitung.

Ralph Rusoci kontrolliert an der Kommandozentrale der Druckmaschine alle paar Minuten ein Exemplar der Zeitung.

Hansjörg Sahli

Die Zylinder drehen sich, das Band läuft und die Transportkette rattert. Zeitung um Zeitung spuckt die Druckmaschine MAN 35 aus. Immer wieder schnappt sich Ralph Rusoci eine, blättert sie rasch durch und wirft sie in einen Container. Noch ist der Druck der Seiten nicht perfekt. Hier fehlt noch etwas Farbe, dort ist ein Falz im Papier. Die Wasserbalance stimmt auch noch nicht ganz. Der Drucker steht am Bildschirm und nimmt Einstellungen vor, kontrolliert wieder eine der Zeitungen, die unaufhörlich vorbeirattern, rennt die Treppe hinauf zur Maschine, wieder hinunter an den Bildschirm. Was für Zuschauer verwirrend und hektisch aussieht, ist für Rusoci normaler Alltag. «Das ist mein Tagesablauf», sagt er in einer kleinen Pause.

Belichten, kopieren, einspannen

Bevor die riesige Druckmaschine in Betrieb gesetzt werden konnte, musste er die Druckplatten einspannen. Mit dem Computer-System «MPS Plate Workflow» schicken die Redaktionen die fertigen Zeitungsseiten an die Solprint in Subingen. Dort werden sie belichtet und kopiert. So entstehen Alu-Druckplatten, die man von Hand auf die einzelnen Zylinder der Druckwerke spannt. Manchmal fehlt noch eine Seite, dann heisst es warten, bis der erlösende Ruf ertönt: «Jetzt ist sie gekommen.»

Der Drucker muss die Grundeinstellung vornehmen, das Farbwerk einfärben und die Wasserbalance einstellen – alles läuft elektronisch ab. Rusoci sieht am Bildschirm, wie die Papierbahnen laufen, und kann die Spannung des Papiers kontrollieren. Probleme entstehen, wenn Platten fehlen oder falsch eingespannt worden sind, schwerwiegender sind elektronische Probleme an der Maschine. «Reisst das Papier, sind mehrere Leute nötig, um die Rolle frisch einzuziehen.»

Intensive Nachtschicht

Ralph Rusoci, 56 Jahre alt, wohnhaft in Biberist, Vater zweier erwachsener Kinder und Schichtleiter der Solprint, ist mit dem aktuellen Druckergebnis immer noch nicht zufrieden. Der Container ist mit Ausschusszeitungen schon fast gefüllt. Das sei normal, erklärt er. Bis zu 1500 Exemplare Makulatur sind möglich, bis alle Seiten, «Schöndruck» und «Widerdruck» (Vorder- und Rückseite einer Zeitungsseite) von guter Qualität sind und der Druckauftrag definitiv läuft. Rusocis Arbeitsplatz ist gut beleuchtet, hell und klar wie bei Tageslicht. Das ist nötig, damit er die Farben der Bilder kontrollieren kann. Die MAN 35 ist eine alte Druckmaschine, deshalb ist noch recht viel Handarbeit nötig. «Ich brauche das», betont Rusoci. «Die Zeit vergeht schneller, wenn ich wirklich etwas zu tun habe.» Bei neuen Maschinen würde viel mehr automatisch ablaufen, sie benötigten aber auch weniger Personal.

Beim Anzeiger-Druck tagsüber arbeitet Rusoci mit einem zusätzlichen Drucker und zwei Mitarbeitern. In der Nacht, beim Druck der Tageszeitung, sind drei Drucker nötig. «Da ist man toujour dran.» Die Nachtschicht ist intensiv. Alles muss schnell gehen, die Zeitungen sollten pünktlich auf die Post oder zu den Verträgern. Zweimal in seinen vielen Jahren bei der Solprint hat er einen Totalausfall der Druckmaschine erlebt, die Zeitung musste bei einer anderen Druckerei gedruckt werden. «Dann kommt alles zu spät.»

Das Schönste am Druckerberuf sei schon die Zeitungsproduktion, sagt Ralph Rusoci, der durch das ständige Hin und Her, Auf und Ab sein Fitnessprogramm schon fast erfüllt hat. Trotzdem geht er regelmässig walken, oder im Herbst in den Wald auf Pilzsuche. Auch Haus und Garten sind ein Ausgleich für ihn. Und natürlich kommt das Zeitunglesen nicht zu kurz, denn er will wissen, was läuft.