Das Schönenwerder Aareufer zwischen der Mündung des Gretzenbachs und der Brücke nach Niedergösgen war ursprünglich bewaldetes Schachenland, häufig überschwemmt, mit Inseln und Flussarmen.

Als sich die 1851 gegründete Schuhfabrik gut zu entwickeln begann, suchte der Unternehmer Carl Franz Bally 1867 nach einer Antriebsquelle für seine Webstühle. Nachdem er selbst mit seinen Söhnen das Gefälle der Aare abgeschätzt hatte, entschloss er sich zum Bau eines Fabrikkanals, dessen Wasser eine Turbine mit Transmissionsriemen antreiben sollte.

«Alte» und «Neue Anlagen»

Der Kanal wurde 1868/69 erbaut. Auf dem schmalen Landstück zwischen Kanal, Bahnlinie und Fabrik liess Bally ein romantisches Pärklein erstellen: der Ursprung des Ballyparks. Der grösste Teil des heutigen Parkareals war aber noch Auenwald.

Der Ausbau zum Park in seiner heutigen Form erfolgte 1888/89. Eine stärkere Turbine produzierte nun auch elektrischen Strom. Unter Beizug des Gartenarchitekten Evariste Mertens und des Pflanzenlieferanten Otto Froebel liess Bally das Gebiet zwischen Kanal und Aare in einen Landschaftsgarten verwandeln.

Er erhielt Elemente wie das Arboretum, den chinesischen Pavillon, die (heute nicht mehr stehende) Waldkapelle und das Pfahlbauerdorf. Zu diesem liess sich Bally durch ein Schweizer Gemälde an der Weltausstellung von 1867 in Paris inspirieren.

Wie Philipp Abegg, Präsident der Stiftung Ballyana, schreibt, war damals nicht von einem «Park» die Rede. Vielmehr hiess das Landschafts-Kunstwerk schlicht «die Anlagen». Man unterschied die «Alten Anlagen» von 1869 und die «Neuen Anlagen» von 1889.

Um genügend Wasser von der Aare in den Kanal zu leiten, brauchte es ein Wehr. Das ursprüngliche wurde 1906 durch den heute noch bestehenden Betonriegel in der Aare ersetzt, die Schwelliplatte.

1917 wurden Ballys eigenes Kraftwerk und der Fabrikkanal stillgelegt, als das Wasserkraftwerk Gösgen seinen Betrieb aufnahm. Seither hat das Wehr keine Funktion mehr, und der zuvor rauschende Kanal ist in einen langen, stillen Teich verwandelt.

1918/19 liess Bally durch den Stararchitekten Karl Moser das Kosthaus (Personalrestaurant) erbauen, das heute den Park zum Fabrikareal abgrenzt. Rund ein Drittel des ursprünglichen Parkgeländes wurde im 20. Jahrhundert durch neue Fabrikbauten überbaut. Der Kanal blieb noch bis Ende der 1950er-Jahre bis auf die Höhe des heutigen Fashion Fish ein offener Weiher. (cva)

Quelle: Ballypark Schönenwerd, 52 Seiten, März 2016. Die aus Anlass der Verleihung des Schulthess Gartenpreises 2016 herausgegebene Broschüre mit Beiträgen von Annemarie Bucher und Claudia Moll, Karin Salm, Bernard Staub, Philipp Abegg und Roland Raderschall sowie zahlreichen historischen Bildern ist erhältlich für 10 Franken (plus Porto) beim Schweizer Heimatschutz, Zürich (info@heimatschutz.ch).