Mit dem Tod endet zwar das Leben. Doch immer öfter bleiben offene Rechnungen zurück, zum Beispiel fürs Alters- oder Pflegeheim. Können dann keine Erben belangt werden, bleiben die Institutionen auf diesen Posten sitzen.

«Diese Frage beschäftigt im Kanton Solothurn wie im Rest der Schweiz leider immer mehr Institutionen», sagt Rüdiger Niederer. Der Geschäftsleiter der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) betont, besonders problematisch sei die Situation bei den Hotelleriekosten. Denn für mögliche Ausstände in der Pflege kommen in aller Regel die Krankenkassen auf. Daher hat die GAG mit ihren drei Alterszentren in Egerkingen, Niederbuchsiten und Oensingen vor gut einem Jahr gehandelt: Die Hotelleriekosten werden seither bereits Anfang Monat in Rechnung gestellt. Und die Rechnungen für Pflegeleistungen werden jeweils gleich Ende Monat versandt: «Damit, und mit einem professionellen Management der Debitoren, haben wir die Kosten inzwischen im Griff.» Denn andernfalls könne ein Todesfall einem Alterszentrum rasch Ausstände im fünfstelligen Bereich bescheren. Hochgerechnet auf ein Jahr könnten ein paar solcher Ausfälle dann eine Institution sogar vor die Existenzfrage stellen.

Sind Depots die Lösung?

Und was sagen die Bewohnerinnen und Bewohner dazu, dass das Alterszentrum so genau auf die Finanzen schaut? «Dank aktiver und frühzeitiger Information haben unsere Bewohner und deren Angehörige das neue Reglement und die neuen Verträge mit viel Verständnis aufgenommen», ergänzt Rüdiger Niederer. Deren Herzstück: Seit 2014 müssen Bewohnerinnen und Bewohner vor dem Eintritt 3000 Franken hinterlegen. Dieses Depot dient der GAG als Sicherheit für den Fall, dass trotz allem nach einem Hinschied das Geld nicht reichen sollte.

Ebenfalls ein Depot verlangt das Alterszentrum Wengistein in Solothurn. Laut Gesamtleiter Hansruedi Moor sind die beim Eintritt fälligen 4950 Franken aber nur eine Massnahme, die ein professionelles Debitorenmanagement und vor allem das persönliche Gespräch niemals ersetzen können: «Am Ende eines Aufenthalts zahlt es sich nämlich auch aus, wie man mit den Angehörigen während dem ganzen Aufenthalt umgegangen ist.» So suche er beispielsweise vor jeder Mahnung zuerst das Gespräch. Denn es gebe durchaus Situationen, meist zu Beginn eines Aufenthaltes, wo finanzielle Engpässe entstehen könnten. Zum Beispiel weil die Ergänzungsleistungen noch nicht gesprochen wurden oder Liegenschaften nicht rechtzeitig verkauft werden können. Dann brauche es eindeutige Vereinbarungen. «Wir erbringen schliesslich eine qualifizierte Leistung und stellen dafür Rechnung.» Das müssten sich auch soziale Gesundheitsorganisationen immer stärker bewusst werden.

«Tragen nun auch das Risiko»

Depot Ja oder Nein? Obwohl die Gemeinschaft Solothurnischer Alters- und Pflegeheime (GSA) einst eine Anzahlungs-Empfehlung von 9500 Franken diskutierte, sehen diese Frage im Kanton nicht alle Institutionen gleich. Die Stiftung Alterszentrum Grenchen mit den Betrieben Kastels und Weinberg beispielsweise hat die Antrittszahlung vor zwei Jahren wieder abgeschafft: «Wer im Voraus ein Depot zahlen kann, konnte meist auch danach die Rechnungen begleichen», sagt Geschäftsleiterin Sonja Leuenberger. Das habe die Stiftung immer wieder in schwierige Situationen gebracht, denn eigentlich hätte sie Leute ohne Depot konsequenterweise dann ja auch nicht aufnehmen dürfen: «Das wollten wir aber nicht, und tragen nun auch das Risiko.» Entsprechend streng bewirtschaftet auch die Stiftung Alterszentrum Grenchen ihre Ausstände und bittet säumige Bewohner und deren Angehörigen rechtzeitig zum Gespräch. Von einem grossen Problem will Sonja Leuenberger allerdings nicht reden. Allerdings beobachtet auch sie, dass immer öfter Erbschaften ausgeschlagen werden. Und wenn es so weit kommt, schaut für ein Alterszentrum als Drittklassgläubiger am Ende meist nichts mehr heraus.