Der Solothurner Regierungsrat hat am Montag mit grosser Bestürzung vom Hinschied seines früheren Staatsschreibers Konrad Schwaller Kenntnis nehmen müssen. Schwaller verstarb am Sonntagabend, wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag, in seinem Heim in Solothurn – völlig unerwartet, wie die Staatskanzlei mitteilte.

Der promovierte Jurist Schwaller stand bis zu seiner Pensionierung Ende Juni 2008 während 38 Jahren im Dienste des Kantons. Während 23 Jahren versah er das Amt des Staatsschreibers. Am 19. Mai 1970 nahm er, gut 25-jährig, die Arbeit als juristischer Sekretär im Justizdepartement auf. Im Sommer 1980 wechselte er in der gleichen Funktion in die Staatskanzlei. Im September 1981 wählte ihn der Regierungsrat für die Dauer der Verfassungsrevision zum Sekretär des Verfassungsrates. In dieser Funktion hat Konrad Schwaller die inhaltliche, juristische und auch redaktionelle Qualität der Solothurner Kantonsverfassung vom 8. Juni 1986 massgeblich mitgeprägt.

Wahl zum Staatsschreiber 1985

Im Juni 1985 wählte der Kantonsrat den freisinnigen Stadtsolothurner mit Recherswiler Bürgerrecht als Nachfolger des in den Regierungsrat gewählten Max Egger zum Staatsschreiber. Damit wurde eine Regierungs-Zauberformel gesprengt, die lange Zeit gültig gewesen war. Die Freisinnigen verhalfen der CVP auf Kosten der SP zum zweiten Sitz in der Regierung und erhielten dafür den Staatsschreiberposten, den Konrad Schwaller 23 Jahre lang innehatte.

Beeindruckend in all den Jahren, sagte der damalige Kantonsratspräsident Hansruedi Wüthrich bei Schwallers Verabschiedung im Kantonsrat am 25. Juni 2008, sei dessen stetes Bemühen um die Stärkung und den Zusammenhalt des Kantons und seiner Regionen gewesen. «In diesem Sinne ist Konrad Schwaller ein echter leibhaftiger Solothurner durch und durch, eine Art personifizierter Solothurner Geist.» Wüthrich schilderte den in Pension gehenden Staatsschreiber als treuen Diener des Kantons und als liebenswerten, bescheidenen Menschen.

Konrad Schwaller war das staatsrechtliche Gewissen des Staates Solothurn. Bei Unklarheiten konnte er stets kompetent weiterhelfen. Er selber sah seine Stärken nicht zuletzt im Organisieren und Vorbereiten politischer Geschäfte, aber auch von Grossanlässen.

Die letzte grosse organisatorische Herausforderung, die er als OK-Präsident mit Hingabe bewältigte, war der Auftritt Solothurns als Gastkanton am Zürcher Sechseläuten 2008. Die Würde des Aktes und das formvollendete Zeremoniell waren dem traditionsverhafteten, letztlich konservativen Stabschef der Solothurner Regierung heilig.

Nie ein Regierungsamt angestrebt

16 Regierungsräte sah Konrad Schwaller kommen und gehen. Ihn selber reizte das Regierungsamt – anders als seine beiden Vorgänger Alfred Rötheli und Max Egger – indessen nie. Kurz vor seiner Pensionierung sagte Schwaller in einem Interview mit dieser Zeitung, er habe jahrzehntelang mitbekommen, was es bedeute, Regierungsrat zu sein. «Da gibt es nicht nur Sonnenschein, sondern weit häufiger politische Entscheide, für die man hinstehen muss.» Nicht dass er sich das nicht zugetraut hätte, aber eben: «Mir liegt das Vorbereiten und Organisieren mehr.» Konrad Schwaller war mehr der Jurist, der Kopf der Verwaltung, weniger ein Politiker.

Seiner Meinung nach war es Aufgabe des Staatsschreibers, zu dienen. «Er hat im Hintergrund zu stehen und soll sich nicht in den Vordergrund drängen», sagte er im Interview. «Ganz nach der Devise ‹Servir et disparaître›.» – Dienen und verschwinden. Treu gedient hat Konrad Schwaller dem Staate Solothurn während fast vier Jahrzehnten.

Der zeitlebens aktive Christ war verheiratet und Vater dreier erwachsener Kinder. An ihn erinnert der «Dr.-Konrad-Schwaller-Marsch», den Ruedi Wyss Anfang der Neunzigerjahre für den Ehrenpräsidenten der Stadtmusik Solothurn komponierte.