Landwirtschaft
Alt-Regierungsrat Wanner verteidigt Anbindehaltung von Kühen

Sind Anbindeställe noch zeitgemäss? Christian Wanner, Mitglied der IG Anbindestall, betont die Vorteile dieser Haltungsart. Tierschützer hingegen betrachten Anbindeställe als «Vergewaltigung der Tiere».

Nora Wernli
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Christian Wanner und seine Kühe

Christian Wanner und seine Kühe

Tele M1

An Ort und Stelle angebunden und nicht in der Lage, sich um die eigene Achse zu drehen - auf diese Weise werden Kühe in Anbindeställen gehalten. Tierschützer bezeichnen dies als eindeutige Tierquälerei und wollen, dass es keine solchen Ställe mehr gibt.

60 Prozent der Schweizer Milchbauern haben einen Anbindestall. Deshalb kann die Interessensgemeinschaft Anbindestall einen stetigen Zuwachs von Mitgliedern verzeichnen.

«Beide Haltungsarten haben ihre Vor- und Nachteile»

Der Solothurner Alt-Regierungsrat und Landwirt Christian Wanner bewirtschaftet einen Anbindestall. Als eines von zirka 500 Mitglieder der IG sieht er in Anbindungsställen Vorteile. Er findet es «absurd, dass man zwei Systeme, die beide ihre Vor- und Nachteile haben, gegeneinander ausspielen will», wie er gegenüber Tele M1 sagt. Die IG Anbindestall setze sich dafür ein, dass der Anbinde- und der Laufstall in allen Bezügen gleichberechtigt sein sollen.

Anbindeställe werden mit weniger oder gar keinen finanziellen Bauhilfen und Subventionen unterstützt. Wanner findet diese Haltungsweise aber vor allem bei kleinen Betrieben ideal, da es eine geringe Verletzungsgefahr unter den Kühen gebe und eine bessere Beobachtung der einzelnen Tiere möglich sei.

«Das ist Vergewaltigung der Tiere»

Tierschützer Erwin Kessler findet diese Form der Tierhaltung nicht mehr zeitgemäss und äussert dies mit deutlichen Worten: «Die Tiere sind gezwungen, am selben Ort zu fressen, zu scheissen und zu schlafen. Das ist einfach Vergewaltigung der Tiere.»

Diese Kritik stösst bei Wanner auf Unverständnis. An der Zutraulichkeit seiner Tiere sähe man, dass ihnen wohl sei, und sie dürten auch regelmässig auf die Weide. «Ob Laufstall oder Anbindestall, mir ist es viel wichtiger, dass die Tiere korrekt gehalten sind», erklärt er gegenüber Tele M1.

Die IG Anbindestall will nun die Öffentlichkeit sensibilisieren. Ebenfalls seien verschiedene Gespräche mit Behörden geplant. Dadurch hofft man, eine Gleichberechtigung von Anbinde- und Laufställen zu erreichen.