Simon Berger
Als «Zivi» nach Jeffreys Bay: Ein Langendörfer leistet Zivildienst in Südafrika

Wie kommt es, dass ein 21-jähriger Langendörfer seinen Zivildienst in Südafrika absolviert? Was motiviert ihn? Was erwartet ihn? Was sind seine Erwartungen? Bevor er am Sonntag aufbricht, stellt er hier sich und sein Einjahres-Projekt gleich selber vor.

Simon Berger
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Hanspeter Bärtschi

«Im neunten Schuljahr hatte ich genug von der Schule. Genug vom Sitzen. Ich wollte arbeiten. Etwas herstellen. Energie rauslassen. Wie in der Schulpause, wo ich nach Hause eilte, um Holz zu spalten. Am Abend um ein Werkstück herumlaufen können, welches ich im Verlauf des Tages hergestellt habe, das war mein Traum. Ich wurde Schreiner. Und nach der Schreinerlehre absolvierte ich die technische Berufsmatura, welche ich im Sommer 2017 erfolgreich abschloss.

Jetzt bin ich in dem Lebensabschnitt angelangt, welcher jeden jungen Schweizer ereilt: Die Wehrpflicht ruft! Während meine gleichaltrigen Kolleginnen sich ihrer zivilen Karriere und Zukunftsplänen widmen können, muss ich mir als junger Mann Gedanken machen, wie ich diesen Lebensabschnitt für mich möglichst gewinnbringend gestalten kann. Auf welche Weise auch immer.

Aus Gewissensgründen entschied ich mich – so quasi als Alternative zum Infanteriepanzerfahrer – für den Zivildienst. Nun gilt es sich zu entscheiden. Die Tätigkeitsbereiche für Zivis sind vielfältig. Gesundheits-, Sozial- oder Schulwesen, Landwirtschaft, Umwelt und Naturschutz, Entwicklungszusammenarbeit im Ausland. Ausland?

Ein Jahr lang in Jeffreys Bay

Ich bin gerne im Ausland. Neue Orte entdecken und Menschen begegnen, unterwegs sein, spontan sein. Schon als 16-Jähriger bin ich mit meinem besten Kollegen für einen Monat nach Griechenland gereist. Später folgten zwei Reisen mit dem Zug durch Europa. Den Zivildienst mit dem Ausland zu verbinden würde mir also gut ins Konzept passen. Nicht nur um meinem Interesse am Reisen gerecht zu werden, sondern auch, um mein Handwerk anderweitig sinnvoll einzusetzen. Also bewarb ich mich bei allen Betrieben, die einen Schreiner als Zivi im Ausland suchen. Georgien, Indien, Äthiopien und Südafrika. Letzteres wurde Wirklichkeit.

Als «Zivi» in Südafrika

Der «Bürgerpflicht» nachkommen, die Welt kennenlernen und dabei erst noch etwas Gutes für die Gesellschaft tun: Dies alles bringt Simon Berger in diesem Jahr unter einen Hut.

Der gelernte Schreiner aus Langendorf absolviert seinen Zivildienst in Südafrika, konkret in Jeffreys Bay (Ostkaap). Dort arbeitet er für einen Betrieb, der Hilfsmittel für körperlich behinderte Kinder in Townships herstellt. Er wird hier sporadisch über seine Erlebnisse und Erfahrungen berichten. (szr)

Ich werde also ein Jahr in Jeffreys Bay verbringen, einer kleinen Stadt an der südlichen Küste. Ich zögerte nicht lange. Sonne, Strand, Surfen – ein angenehmer Einsatzort für den Zivildienst. Auch die Arbeit hat viel zu bieten. Timion ist eine Non-Profit-Organisation, welche ihre Arbeit behinderten Kindern in Townships widmet. Als Schreiner werde ich Hilfsmittel aus Holz herstellen, welche das Leben dieser Kinder erleichtern sollen. Gehhilfen, Stehrahmen, Tische und Bänke werden von angelernten, einheimischen Hilfskräften hergestellt, die zusätzlich von meinem Fachwissen profitieren werden. Mit Hausbesuchen werden die Familien zusätzlich unterstützt.

Nun zum Anlass dieses Textes: Nach meinem Zivildiensteinsatz werde auch ich mich meinen Zukunftsplänen widmen können. Da ich während der Berufsmatura Gefallen am Schreiben gefunden habe und interessiert bin am Geschehen dieser Welt, ist Journalismus eine interessante Option geworden.

Die politische Lage in Südafrika ist angespannt, die sozialen Unterschiede gross. Die Folgen des Apartheid-Regimes sind noch deutlich spürbar. Diese Umstände werde ich ein Jahr lang miterleben und ich freue mich, für Sie sporadisch aus meinem Alltag, von meinen Erlebnissen und Erfahrungen berichten zu dürfen.»

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