Bühne
«Als Schauspieler spreche ich für mich selber. Jetzt spricht ein Abend für mich.»

Schauspieler Jan-Philip Heinzel wechselt die Rolle und inszeniert als Regisseur im Hoftheater Erlach «Bunbury».

sILVIA rIETZ
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Jan-Philipp Heinzel (r.) agiert diesen Sommer für einmal als Regisseur. I. mess

Jan-Philipp Heinzel (r.) agiert diesen Sommer für einmal als Regisseur. I. mess

Herauszufinden, wie Menschen ticken, sie zusammenführen und ein gutes Team formen, das fasziniert mich», erklärt Jan-Philip Heinzel. Dies motiviere ihn, während der Sommerpause mit Laienschauspielern zu arbeiten. Der Profi gehört zum Ensemble des Theaters Biel Solothurn. Ein begabter Vollblutschauspieler, dessen Credo, sich in der Partner- und Berufswahl mutig und kompromisslos zu geben, viel über die innere Unabhängigkeit und Charakterstärke preisgibt. Trotz aller Bodenhaftigkeit sei er ein Romantiker geblieben, einer, der an die Liebe glaube und im Hier und Jetzt lebe. Einer, der mit seiner Frau Nina (sie schuf das Bühnenbild und die Kostüme für das Hoftheater) das grosse Los gezogen habe und der seinen Kindern nicht nur Gute-Nacht-Geschichten vorliest, sondern regelmässig die Windeln wechselt.

Gesegnet mit einem Urvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die Gunst des Schicksals. «Auch wenn ein junger Familienvater und Künstler auf die Finanzplanung bezogen einem Seiltänzer gleicht», räumt er ein. Jan-Philip Heinzel hat bereits einige Stücke inszeniert und gleichzeitig aktiv mitgespielt. In Erlach ist er nun erstmals «nur» als Regisseur tätig. Nicht einfach für einen Mann, der doch sehr «auf Schauspieler» getrimmt sei, wie er selbst sagt. Heinzel: «Als Schauspieler fiebert man der Premiere entgegen und weiss, jetzt gehst du auf die Bühne und «schmeisst» die Sache. Als Regisseur musst du in dem Moment loslassen und dir bewusst sein, dass die Schauspieler das Herz der Vorstellung sind. Nun ist es ihr Stück.» Das Kribbeln bleibe trotzdem. «Als Schauspieler spreche ich für mich selber. Jetzt spricht ein Abend für mich.» Jetzt verstehe er die Regisseure besser, unter denen er arbeitet.

Hauptsache, sie teilen seine Leidenschaft für die Kunst, die er auf der Bühne als ein «Suchen nach der Wahrheit» definiert. «Egal, ob die Darsteller chinesisch, französisch oder deutsch parlieren, es geht immer um diese einzigartige Faszination, die verbindet und Grosses entstehen lässt.» Jan-Philip Heinzel weiss genau, was er will. Er schätzt eine Atmosphäre, in der sich das Ensemble traut, mutig und angstfrei verschiedene Schattierungen einer Figur auszuprobieren. «Das Team in Erlach steht teilweise seit drei Jahrzehnten auf der Bühne und verfügt über viel Erfahrung. Wir proben freudvoll zusammen und kommunizieren schonungslos offen. Die Schauspieler haben mich mit ihrem Niveau positiv überrascht», lobt er das Ensemble und fügt an: «Immer, wenn ich sie forderte, einen Schritt weiterzugehen, vertrauten sie mir und probierten Neues aus. Die Crew nahm auch den von mir rekrutierten 20-jährigen Fabian Vogt und die 14-jährige Lara Baumgartner mit offenen Armen auf.»

Jan-Philip Heinzel lernte die Mitspieler lange vor den eigentlichen Proben kennen, arrangierte Sprachtrainings, schulte sie für die szenische Körperarbeit. So machte er sie fit für die Herausforderung, ein Stück von Oscar Wilde zu spielen. Mit «Bunbury oder Ernst sein ist alles» wählte Heinzel eine Screwball-Comedy mit genretypischer Sprachakrobatik. «Ich traute es ihnen zu und wurde mit einer tollen Leistung belohnt.»

«Bunbury oder Ernst sein ist wichtig» –
im Schlosshof Erlach jeweils um 20.15 Uhr, Abendkasse und Bar ab 19.15 Uhr geöffnet. Infos: www.hoftheater-erlach.ch.