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Als Rekrut im Homeoffice: Dieser Fulenbacher findet das gar nicht so schlecht

Am 18. Januar rückte Jan Egloff in die Rekrutenschule ein. Von zu Hause aus. Der 20-jährige Fulenbacher gehört zu denjenigen, die ihre Karriere beim Schweizer Militär vom Homeoffice aus gestartet haben. Ein Einblick.

Noëlle Karpf
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Das Sturmgewehr lernt Rekrut Egloff vorerst online kennen.

Das Sturmgewehr lernt Rekrut Egloff vorerst online kennen.

Bruno Kissling

Die RS: 18 Wochen lang ein Zimmer teilen mit Kameraden, noch bevor es hell ist Tagwache, Essen fassen in der Kantine, kilometerlange Märsche und Theoriestunden bis spät abends, das Zimmer immer schön ordentlich, Kampfstiefel blitzblank halten. Und so weiter.

Dieses Jahr ist alles ein bisschen anders. Auch in der Armee. Rund 40 Prozent der insgesamt 18'000 jungen Frauen und Männer, die 2021 mit der Rekrutenschule beginnen, haben im Homeoffice gestartet. So auch Jan Egloff, 20, gelernter Zimmermann, aus Fulenbach.

Egloff ist zu Hause, hat sein eigenes Zimmer, steht meistens «so um 8 Uhr» auf, isst zu Hause mit der Familie, joggt morgens eine Runde, lernt tagsüber so sechs Stunden am Computer. Ob das Zimmer aufgeräumt ist, interessiert niemanden, die Kampfstiefel stehen neben dem Pult, ab und zu laufe er sie ein bisschen ein.

Die Kampfstiefel hat der 20-Jährige schon einmal abgeholt, um sie zumindest zu Hause etwas einlaufen zu können.

Die Kampfstiefel hat der 20-Jährige schon einmal abgeholt, um sie zumindest zu Hause etwas einlaufen zu können.

Bruno Kissling

Am 18. Januar hat Egloff mit der RS gestartet - im Homeoffice. Auf dem Programm stehen täglich rund sechs Stunden Theorielernen. Es geht um die Benennung von Einzelteilen des Gewehrs und der militärischen Ränge, um Kameraden- und Selbsthilfe – alles in der Theorie. «Viel Lesen» beinhalte das Programm vor allem, erklärt Egloff. Und am Schluss eines Moduls kann das Gelernte in einem kurzen Test geprüft werden.

E-Learning

Armee hatte mit technischen Problemen zu kämpfen

Rund 40 Prozent der Rekrutinnen und Rekruten starteten die RS im Homeoffice – via Distance-Learning. Damit habe die Schweizer Armee «Neuland betreten», heisst es auf deren offizieller Website. So verlief nicht alles ganz reibungslos. In den ersten Tagen hatte man mit technischen Problemen zu kämpfen, teils konnten die Daheimgebliebenen sich gar nicht anmelden und mit der Plattform lernen. «Es wollten sich wohl alle auf einmal einloggen», schätzt der 20-jährige Jan Egloff. «Dann ging gar nichts mehr.» Er sei zu Beginn eine Stunde vor dem PC gesessen und es habe nur geladen. Dann erhielt man den Befehl, eine Woche später mit dem Tool zu beginnen, Reglemente beispielsweise konnte man schon zuvor herunterladen und anschauen. «Jetzt funktioniert es gut», berichtet der Rekrut. Zudem hat er für die erste Woche auch eine Lösung gefunden: «Ich habe meist am Abend gelernt, so von 21 bis 24 Uhr, weil viele andere dann nicht online waren.»

Die Schweizer Armee empfiehlt zudem vier Stunden Sport in der Woche. Freiwillig ist etwa eine App, in der Rekrutinnen und Rekruten angeben können, ob sie eher Kraft oder Ausdauer trainieren möchten. Darauf ist der 20-Jährige, der lange für den FC Fulenbach gespielt hat, nicht angewiesen.

Um den sportlichen Teil mache ich mir die wenigsten Sorgen. Das macht mir auch am meisten Spass»,

erzählt er. Einen Sport- und einen Wissenstest wird Egloff am 8. Februar ablegen müssen. Danach ist Einrücken angesagt – wer den Test nicht besteht, wird über die Wochenenden fehlendes Wissen oder Sportübungen nachholen müssen.

Am 8. Februar werden die Rekruten getestet

Als Panzergrenadier wird Egloff dann in Thun stationiert sein.

Wenn schon Militär, dann doch gleich richtig»,

erklärt er seine Motivation, sich als «Greni» zu melden – das sind dann die, die an vorderster Front, zwischen Feind und Panzer tätig sind. Er habe etwas Sportliches machen wollen, mit anderen, die ähnlich motiviert seien. Einige künftige Panzergrenadiere kennt er schon, mit ihnen führt er einen Whatsapp-Gruppenchat, um sich ab und zu auszutauschen.

Ansonsten ist die RS im Homeoffice eine recht einsame Angelegenheit. «Gerade am Anfang wäre ich viel lieber richtig eingerückt», sagt der Fulenbacher.

«Mittlerweile gefällt es mir nicht schlecht – ich verbringe drei Wochen mehr zu Hause, habe mehr Zeit mit Familie und meinen Liebsten, kann nachts im eigenen Bett schlafen.»

Dennoch freue er sich auf die 15 restlichen Wochen die er, Stand jetzt zumindest, vor Ort in der Kaserne verbringen wird. Zudem ist derzeit noch vorgesehen, dass die Rekrutinnen und Rekruten die ersten drei oder vier Wochen dort bleiben; also nicht nach Hause dürfen über das Wochenende.

Dafür bekommt Egloff dann doch (fast) das volle RS-Programm: 15 Wochen lang ein Zimmer teilen mit Kameraden, noch bevor es hell ist Tagwache, Essen fassen in der Kantine, kilometerlange Märsche und Theoriestunden bis spät abends, das Zimmer immer schön ordentlich, Kampfstiefel blitzblank halten. Und so weiter.