Rockette nennt sich der Blog, und der Name ist Programm. Die Inhalte drehen sich um Rockmusik und um alles, was im Entferntesten damit zu tun hat. Raketengleich wollen die fünf Frauen im Netz durchstarten und, ja, auch das weibliche Suffix ist bewusst gewählt. «Wir wollen die männerlastige Musikberichterstattung etwas aufmischen», sagt Dominique Niklaus.

Seit einigen Monaten füttert die Journalistin aus Solothurn mit den vier Kolleginnen Sarah Pfäffli, Simone Lippuner, Miriam Lenz und Nina Kobelt aus Bern und Biel den Blog mit Analysen, Interviews oder Plaudereien aus den Sparten Pop, Rock, Country, Schlager oder Metal.

Die stilistische Breite soll den im «Musikkritikerfach unausgesprochenen Konsens» aufbrechen, was man gut zu finden habe und was gering zu schätzen sei. Miriam Lenz ist überzeugt, dass Frauen anders über Musik schreiben würden. «Viel weniger analytisch und weniger vergleichend.»

Ist Céline Dion peinlich?

Man müsse nicht jede Platte von jedem Künstler kennen, um kritische Zeilen über Rockmusik zu verfassen. Verrisse werde man von ihr keine lesen, beteuert Lenz. Dafür zum Beispiel einen Bericht über das Befinden, wenn ihr beim Hören des neusten Werkes von Nick Cave «die Trauergefühlsinfusion» läuft, oder dass sie Céline Dion «grundsympathisch» finde und daran nichts Peinliches sieht.

Oder das Interview, das sie und Nina Kobelt mit dem Autor und Musiker Sven Regener backstage im Berner Bierhübeli führten. Die Fragen formulierten sie aus Regeners Liedzeilen. Das Resultat des Gesprächs ist ebenso skurril wie amüsant.

Auch Dominique Niklaus zeichnet mit persönlichem Farbton Erlebnisse in Konzertlokalen quer durchs Land oder im Festival-Matsch nach. Allerlei Würdiges und Merkwürdiges ist zu lesen. Etwa das Gesprächsprotokoll, das sie mit einer niederländischen Punkband im Solothurner Kofmehl führte – auf holländisch, versteht sich.

Erfahrene Journalistinnen

Vom ersten Tag sei Rockette in der Szene als relevantes Medium anerkannt worden. Dies obwohl, oder wohl gerade weil die fünf erfahrenen Schreiberinnen weder Labels noch Promoter bedienen, wie sie festhalten. Der Lohn für ihr Schaffen seien Akkreditierungen für Festivals. «Und natürlich, wenn ein Text ankommt», sagt Lenz.

Das scheint zu klappen. Die Leserschaft nehme stetig zu. «Es dürften zwar noch etwas mehr werden, aber wir haben täglich unsere Klicks», freut sich Niklaus. Zweimal pro Woche wird der Blog mit neuen Inhalten gefüllt.

Wer über Stilgrenzen und eine nicht immer einleuchtende Rubrikenstruktur hinwegsieht, wird mit dem Blog viel Spass haben. Und im Idealfall, wie Lenz in einer Rezension notiert, mehr von jener Musik mitbekommen, die man eigentlich gerne längst kennen würde.

www.rockette.space