Höhenklink

«Allerheiligenberg» könnte Notspital für betagte Coronapatienten werden

Der Kanton hätte die einstige Höhenklinik auf dem Allerheiligenberg längst verkaufen wollen. Doch jetzt werden hier Spital-Kapazitäten für den Fall ausgebaut, dass Alters- und Pflegeheime wegen der Coronakrise an Kapazitätsgrenzen stossen.

Auf neues Leben in der alten Höhenklinik Allerheiligenberg (AHB) ob Hägendorf warten viele schon lange. Vor allem der Kanton als Liegenschaftsbesitzer. Dass es nun ausgerechnet ein Virus namens Corona ist, das dort für eine neue Nutzung sorgen könnte, hat sich aber zweifellos niemand gewünscht. Wie Recherchen dieser Zeitung zeigen, bezieht der Kanton tatsächlich die ehemalige Höhenklinik in seine Strategie mit ein.

Kapazitäten für den Fall der Fälle schaffen

«Im Sinne einer vorausschauenden Planung und zur Sicherstellung möglichst grosser Kapazitäten im Bereich Pflege hat der Sonderstab Corona die Höhenklinik in seine Strategie aufgenommen», bestätigt Andrea Affolter. Laut der Medienbeauftragten des Regierungsrates ist die bestehende Infrastruktur vor Ort entsprechend unter die Lupe genommen worden.

Mit dem Fazit, dass grössere bauliche Massnahmen nicht notwendig seien. Affolter: «Die Arbeiten beschränkten sich auf die Haustechnik, bei den Sanitäranlagen wurden gewisse Apparate und Armaturen ersetzt bzw. repariert.» Weitere Massnahmen seien aber nicht notwendig gewesen.

Wie Autos von Sanitärfirmen und ausgewechselte Toilettenschüsseln vor den Gebäuden zeigen, sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen.

«Ergänzung zu Alters- und Pflegeheimen»

Wann und wie die ehemalige Höhenklinik in Betreib genommen wird, ist gemäss Andrea Affolter «zurzeit offen und hängt von der Auslastung der Spitäler sowie der Alters- und Pflegeheime ab». Eine Betriebsaufnahme wäre nach Einschätzung der kantonalen Behörden «grundsätzlich per Anfang April realisierbar.»

Und welche Funktion konkret sollen die reaktivierten Klinikräume übernehmen? Affolter: «Denkbar wäre beispielsweise ein erweitertes Behandlungszentrum als Ergänzung zu den bereits bestehenden Angeboten der Alters- und Pflegeheime.» Angesichts beschränkter Kapazitäten zur Isolation Corona-Infizierter in den Heimen dürfte also auf dem AHB bei Zuspitzung der Lage ein spezialisiertes Betagten-Pflegezentrum entstehen.

Schweizer Armee ist nicht involviert

Somit bestätigen sich Gerüchte nicht, wonach das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) im Zuge der Coronakrise Pläne für eine Nutzung der ehemaligen Höhenklinik habe. Die Rede war dabei von einer Einrichtung zur Unterbringung erkrankter Armeeangehöriger. «Uns ist bisher keine solche Absicht bekannt», lautet dazu auf Nachfrage dieser Zeitung die Antwort von VBS-Mediensprecherin Carolina Bohren.

Eine Aussage, die von Seiten des Kantons bestätigt wird: «Das VBS ist in diese Planung nicht involviert», macht Andrea Affolter klar. «Es haben diesbezüglich keine Kontakte zwischen dem Bund und dem Kanton Solothurn stattgefunden.»

Die Höhenklinik wurde 1908 gebaut, mehrere Um- und Ausbauten folgten. Unter Druck der leeren Staatskasse sah sich der Kanton zur Jahrhundertwende zur Überprüfung der Spitalstandorte gezwungen: Die Standorte Grenchen, Breitenbach und die Höhenklinik gingen zu.

Der umstrittene Schliessungsentscheid der Politik wurde 2010 vom Volk bestätigt. Seither sucht der Kanton einen Käufer für die auf 850 Meter Höhe gelegenen Gebäude.

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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