Vogelschutzverband

Alle paar Jahre kommt es zu einer Meiseninvasion

Am 2. Oktober verfing sich diese Tannenmeise im Netz. Sie trug bereits einen Ring einer litauischen Beringungsstation.zvg

Am 2. Oktober verfing sich diese Tannenmeise im Netz. Sie trug bereits einen Ring einer litauischen Beringungsstation.zvg

Über 40 freiwillige Helfer beteiligten sich in den letzten vier Wochen an der alljährlichen Beringungsaktion auf dem Subigerberg. Geprägt war die diesjährige Vogelzugsaison von einem invasionsartigen Auftreten von Blau- und Kohlmeisen.

«Alle paar Jahre kommt es zu einer solchen Meiseninvasion», schreibt der Solothurner Vogelschutzverband in einer Mitteilung. Grosse Mengen von Meisen aus nördlichen und nordöstlichen Brutgebieten wandern dann über grosse Distanzen nach Mittel- und Südeuropa.

2809 Vögel und 42 Arten

Die Auslöser für solche Massenbewegungen seien nicht restlos geklärt. Aktuelle Forschungen deuten darauf hin, dass sehr guter Bruterfolg, allenfalls gekoppelt mit geringem Nahrungsangebot zu diesem Exodus führt. Die aussergewöhnlich hohen Fangzahlen führten zu einem Rekordergebnis bei den beringten Vögeln auf dem Subigerberg. Mit 2809 Vögeln und 42 Arten steht das Jahr 2012 an zweiter Stelle in der 45-jährigen Rangliste der Vogelberingungsaktion. Nur im Jahre 1993, ebenfalls einem Meiseninvasionsjahr, wurden mit 2883 mehr Vögel auf der Beringungsstation Subigerberg beringt.

Nicht nur die Menge an Zugvögeln begeisterte die Helfer des Vogelschutzverbandes des Kantons Solothurn VVS, auch Spezialitäten wie der Raufusskauz, ein Kleinspecht und diverse Ringdrosseln aus dem skandinavischen Brutgebiet konnten beringt werden.

Interessant wird ausserdem die Auswertung von drei speziellen Fängen sein. Zusammen mit einer Gruppe Blaumeisen wurde eine Tannenmeise gefangen, welche bereits einen Ring einer litauischen Beringungsstation trug. Auch zwei weitere Kontrollfänge von Kohlmeisen mit einem Ring einer anderen Schweizer Station werden spannende Ergebnisse liefern.

Vogelbeobachtung: Täglich online

Neben der Beringung steht auf dem Subigerberg auch die Beobachtung des Vogelzuges im Mittelpunkt. Während über 250 Stunden wurde dieses Jahr nach Zugvögeln Ausschau gehalten. Erstmals wurden diese Daten täglich online erfasst und so einer breiten Öffentlichkeit quasi in Echtzeit zur Verfügung gestellt (siehe www.vvso.ch).

Bei den rund 110000 erfassten Vögeln aus 82 Arten stachen einige Beobachtungen besonders hervor. Zwei erwachsene Steinadler am 17. Oktober und ein Jungvogel am 18. Oktober nähren die Hoffnung der lokalen Ornithologen, dass der Steinadler im Jura noch Brutvogel sein könnte. Neben den jeweils in mehreren hundert Exemplaren auftretenden Mäusebussarden, Sperbern und Turmfalken sticht der Durchzug eines Merlins ins Auge. Diese kleine nördliche Falkenart ist in unseren Breiten ein relativ seltener Gast.

Die Möglichkeit, das Naturwunder Vogelzug hautnah zu erleben, lockte sehr viele Familien, Wanderer und Gruppenausflüge nach Gänsbrunnen. Über 500 Gäste besuchten die Beringungsstation und nutzten die Chance, einen Vogel hautnah zu sehen. Dank dem Neubau, welcher ein Gemeinschaftswerk mit dem Naturpark Thal ist, steht dafür nun eine ausgezeichnete Infrastruktur zur Verfügung.

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