Serie Treffpunkte

Alle lieben den Balmberg: Der Pass mit 1078 Meter Höhe ist einen Ausflug wert

Ob zum Fahrvergnügen oder zum Kletterspass: Der Balmberg zieht Jung und Alt an.

In den letzten Kurven der Passstrasse zum Balmberg kämpft sich die Sonne tapfer durch die Wolken. Kurz keimt die Hoffnung auf, dass man der Nebelsuppe doch entrinnen kann. Beim Aussteigen aus dem Auto zerrinnt diese Hoffnung aber in der feuchten Luft – es ist kalt und neblig an diesem Nachmittag im Frühherbst auf dem Balmberg. Ein einsamer Biker rast vom Pass in die Nebelsuppe, sonst sind keine Menschen zu sehen, so weit das Auge reicht.

Die Alpakas beäugen einen komisch, wenn man sich neben ihrer Weide einen Weg zum Tannenheim bahnt, ganz, als ob sie sagen möchten: «Nanu, was macht ihr denn hier in dieser Kälte?» In der Stube im Tannenheim brennt Licht, und jemand schliesst eilig die Tür, als Schritte hörbar werden. Auch nach doppeltem Klingeln öffnet niemand die Tür – es ist wohl zu kalt und neblig, um draussen ein Schwätzchen zu halten. Im Seminarraum neben dem grossen Haus üben ein paar Buben Kampfsport, ganz ausgestorben ist es also trotzdem nicht hier auf dem Berg. Die Rosen an der Hauswand stehen noch in voller Blüte und verraten, dass der Sommer noch nicht ganz vorbei ist, und auch die Glocken der Kühe hinter der Baumreihe bimmeln so vergnügt, dass man denken könnte, es sei ein wunderschöner Sommermorgen.

Kurzzeitig eine Heimat für Flüchtlinge

Weniger vergnügt wirken die drei jungen Menschen, die auf dem Parkplatz vor dem Asylheim aus dem Auto steigen. Hozan Issa, ein junger Syrer, bringt zusammen mit seinem Kollegen Ismat seine Frau Nazha das erste Mal ins Heim. Mit akzentfreiem Deutsch erklären sie, dass Nazha bisher in Zürich gelebt, jetzt aber einen neuen Asylentscheid bekommen hat und deshalb in den Kanton Solothurn zieht. Bis Hozan eine grössere Wohnung findet, muss sie im Heim leben. Nervös klammert sie sich an den grossen Rollkoffer und streicht sich die langen Haare aus dem Gesicht. Ihr Ehemann beruhigt sie, es sei ja nicht für lange, bald könne sie zu ihm in die Wohnung ziehen.

Der Postchauffeur pflückt Hagebutten

Am anderen Ende des Parkplatzes steht das Postauto, darin sitzt ein älterer Herr und liest konzentriert eine Gratiszeitung. Auf das Klopfen an der Fensterscheibe reagiert er zunächst nicht, erst nach mehrfachen Versuchen gibt er zu verstehen, dass er die Bustür nicht öffnen könne. Durch die Windschutzscheibe ruft er, dass er nicht der Chauffeur sei, sondern nur hier im Postauto auf die Abfahrt warte, die Türen könne er nicht öffnen. «Ich bin aus dem Baselbiet und wollte eigentlich an die HESO, bin aber im Postauto eingeschlafen.» Wenigstens hat er das Lachen nicht verloren. Mit schwer verständlichen Handzeichen deutet er hinter die Baumreihe auf die Passstrasse. Dort steht der Buschauffeur im dünnen gelben Kurzarmhemd mit dicken Gartenhandschuhen und pflückt konzentriert Hagebutte vom Strauch. «Ich will keine Auskunft geben, sondern jetzt einfach meine Hagebutte pflücken», brummt er, ohne vom Strauch aufzuschauen. Seiner schlechten Laune zum Trotz reisst aber langsam die Nebeldecke auf und gewährt eine wunderschöne Aussicht auf die Alpen.

Im Seilpark wird eifrig geklettert

Zwei Wanderer mit ihrem Hund halten einen kurzen Moment inne, um die Aussicht zu geniessen, bevor sie in ihren Wagen steigen. «Wir sind vom Balmberg auf den Weissenstein gewandert, haben da schlecht zu Mittag gegessen und sind jetzt zurückspaziert», erklärt Sven Düscher. Der Biberister hat diesen Ausflug seiner Freundin Ursi Trachsel letztes Jahr im Adventskalender geschenkt, jetzt hat sie ihn eingelöst, da beide Ferien haben und sie nicht nur daheim faul rumsitzen wollten. Die beiden steigen ein und fahren Richtung Tal – der perfekte Zeitpunkt, denn es beginnt zu regnen.

Trotz des Regens verstummen die munteren Kinderstimmen aus der Richtung des Seilparkes nicht. Der achtzehnjährige Reto Schüpbach aus Gerlafingen ist gerade dabei, einem kleinen Jungen von der einen Plattform zur nächsten zu helfen. Er ist Instruktor, «Gstältlianzieher», und wenn wenig läuft, hilft er auch beim Putzen und Ausbessern der Anlagen mit. «Ein super Job ist das hier», findet er. Der Kletterpark ist zwar nicht überfüllt, jedoch auch alles andere als leer: Die Berner und Langenthaler haben bereits Herbstferien, darum sind auch an diesem kalten Dienstagnachmittag Familien am Klettern und die Crew eines anderen Kletterparks turnt ebenfalls durch die Baumkronen. Dick in Regenjacken und Gilets eingepackt, isst eine Familie frisch gebrätelte Würste. Der fünfjährige Paul ist das erste Mal in einem Seilpark. «Anstrengend ist das nicht», meint er, «ich könnte das dreizehn Stunden lang machen!» Dann zieht er sich aber die Kapuze tiefer ins Gesicht und sagt zu seiner Mama «Aber morgen gehen wir ins Hallenbad.»

«Wer hier fahren kann, der kann überall fahren»

Direkt neben dem Seilpark hält Toni Niederberger seinen Hof instand. «Ihr hättet heute Morgen kommen müssen, da hatten wir eine wunderschöne Aussicht», grinst er. Der Bauer ist rundum vergnügt, schwärmt vom guten Verhältnis mit den Seilpark-Betreibern und erzählt vom Leben auf dem Balmberg. «Wir haben Glück hier oben; wir haben eine Passstrasse, die immer offen ist, nicht so wie auf dem Weissenstein. Was aber weniger gut ist, ist dass es zwischen 16.40 und 19.40 Uhr keine Busverbindungen nach Solothurn gibt, da bleiben viele Wanderer manchmal stecken.»

Dieses Postautoproblem kennen die Töfffahrer, die auf dem Parkplatz gerade eine Verschnaufpause machen, nicht. «Wir lieben diese Strecke wegen der schönen Kurven», sagt Fahrlehrer Patrick Straubhaar. Er ist zweimal wöchentlich auf dem Balmberg, um mit seinen Fahrschülern auf der Strecke zu üben. «Ich sage immer: Wer hier fahren kann, der kann überall fahren. Die Strecke auf der anderen Seite des Passes ist aber viel schwieriger, die Schüler wissen noch gar nicht, was sie da erwartet», grinst er.

Nachgefragt bei Toni Niederberger

Toni Niederberger: Biobauer

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