Das Jahr neigt sich dem Ende zu, ein Jahr mit Freuden und Leiden. Einer, dem 2016 sicher unvergesslich bleiben wird, ist Albert Studer, Unternehmer, Gemeindepräsident von Hägendorf und noch bis Ende Jahr Kantonsratspräsident.

Berufliche, politische, aber auch private Erdbeben hat der Mann in diesem Jahr bewältigen müssen. Wir sitzen im Aufenthaltsraum «seiner» Gemeindekanzlei in Hägendorf und trinken Kaffee. Vor wenigen Tagen hielt Studer seine Abschiedsrede im Solothurner Kantonsrat, weniger politisch, aber menschlich und offen.

Der Unternehmer

Als Junger machte er eine Lehre als Maschinenmechaniker bei Ammann in Langenthal. Patron Ueli Ammann, der Schwiegervater des Bundesrates, habe ihn damals eingestellt. Studer erzählt, wie er in diesem Sommer als Kantonsratspräsident bei einer Baustellen-Begehung Bundesrat Johann Schneider-Ammann getroffen habe und sie beide sich über den «Ueli» unterhalten hätten.

«Eine schöne Begegnung. Der Bundesrat wollte gar nicht mehr aufhören, mit mir über alte Zeiten und gemeinsame Bekannte zu plaudern.» Als Berufsmann machte sich Studer 1995 zusammen mit seinem Schwager und seiner Schwägerin selbstständig. «Studer und Krähenbühl» in Härkingen ist in den Bereichen Industrie-, Landmaschinen und Recyclingtechnik tätig.

Nach dem Start als Zwei-Mann-Unternehmen ist der Betrieb heute Arbeitgeber von 15 Angestellten. «Bei mir finden Sie keine Zertifikate und Diplome an den Wänden. Hingegen gehe ich mit viel Intuition auf die Menschen zu und verlasse mich darauf», sagt Studer. «Damit bin ich auch weiter gekommen.»

Nach seiner Lehre war Studer lange im Betrieb von Reinhold Dörfliger, Egerkingen, tätig. «Mädchen für alles», sei er gewesen, lacht Studer. Dörfliger bezeichnet er als seinen eigentlichen Ziehvater. Dennoch habe er sich entschieden, SVP-Mitglied und nicht wie Dörfliger Freisinniger zu werden.

«Ich bin ein Unternehmer, ein Macher. Diese Partei passt mir. Aber ich bin nicht immer der gleichen Meinung wie der Zürcher Flügel», setzt er hinzu. Erst 2001 war der heute 55-jährige Albert Studer zur Politik gekommen, seit 2009 sitzt er im Kantonsrat.

«Vorher war ich ein richtiger ‹Vereinsmeier›, sagt er über sich. Zwei Hägendörfer, Willi Rötheli und Peter Grepper, hätten ihn einst zur Politik gebracht, erinnert er sich gerne. So sei also nicht das Elternhaus an seiner Politisierung schuld gewesen, sondern Kollegen und Freunde. «Das Politgeschäft war mir damals neu und doch war ich ein halbes Jahr später schon Vize-Amteipräsident der SVP.»

Der Gemeindepräsident

«Ich bin ein Arbeiter, ein Schrübeler, ein Problemlöser.» Und insbesondere als Problemlöser musste er diesen Sommer als Hägendörfer Gemeindepräsident tätig werden, als nach einiger Unruhe im Dorf dem Schulleiter nahegelegt wurde, sein Amt aufzugeben. «Manche unterstellten mir damals Sturheit.

Doch ich hatte als Gemeindepräsident und damit Arbeitgeber auch die Pflicht, alles zu tun, um eine gütliche Einigung zu ermöglichen.» Seit acht Jahren ist Studer Gemeindepräsident der 5007-Seelen-Gemeinde Hägendorf. Im kommenden Sommer will er dieses Amt abgeben.

Der Kantonsrat

Vor Ende der regulären Legislatur, bereits auf Ende dieses Jahres hört er im Solothurner Kantonsrat auf. «Ich bin seit 37 Jahren in der Öffentlichkeit tätig, sei es in Vereinen oder der Politik. Es ist Zeit, neue Prioritäten zu setzen.» Dass Studer diesen Schritt macht, hat weniger mit seinem Fast-Herzinfarkt vor zwei Jahren zu tun als mehr mit dem tragischen Suizid seiner Frau im vergangenen August.

«Das war eine brutale Zeit», sagt er. «Meine Frau war schon eineinhalb Jahre lang stark depressiv. Es war wahnsinnig schwer, damit zu leben – für die Familie, für alle», gibt er zu. Die viele Arbeit habe ihn auch abgelenkt. Studer bekennt, dass ihr Tod auch als Erlösung kam, obwohl alles so unfassbar war. 36 Jahre lang sei er mit seiner Ehe-Frau zusammen gewesen.

«Doch niemand konnte ihr noch helfen», und er erzählt, dass er die Wochen nach ihrem Tod selbst in Zweifel geraten sei, ob das Leben so noch möglich ist. «Glücklicherweise konnte ich nach den allerschwierigsten Tagen eine Auszeit bei Freunden in der Dominikanischen Republik nehmen» – eine Auszeit, die ursprünglich zusammen mit seiner Ehefrau geplant gewesen sei.

Der Neustarter

Kurz danach habe er eine neue Liebe gefunden. «Ich habe nie gedacht, dass ich mich in meinem Alter noch so verlieben kann. Und die Liebe ist eine sehr starke Kraft.» Er lacht. Diese Kraft habe ihn gerettet und ihn bewogen, sein Leben neu zu ordnen. «Sicher werde ich nicht auf der faulen Haut liegen. Ich habe noch einiges vor, habe neue Ideen, auch Unternehmerische.»