«Uns weht ein rauer Wind entgegen», so Iris Schelbert-Widmer in Solothurn an ihrer letzten Generalversammlung als Präsidentin. Insbesondere das Verhältnis zur SP hat sich abgekühlt. So kam für die Nationalratswahlen letzten Oktober die Listenverbindung mit den Sozialdemokraten nur unter «erpresserischen Umständen» zustande, wie Schelbert in ihrem Jahresbericht offenbart. Die SP machte nur unter der Bedingung mit, «dass wir uns nicht an den Ständeratswahlen beteiligen». Und auch das Ende März im Kantonsrat beschlossene Verbot überparteilicher Listenverbindungen kam dank einer unheiligen Allianz von SVP, FDP und SP zustande. Ein Problem der Grünen ist auch: Die SP «grast» in der Energiedebatte nach Fukushima erfolgreich in einem «grünen» Thema.

Bei Regierungsratswahlen dabei ...

Was tun, wenn die «Partnerpartei» die Zähne zeigt? Schelberts Antwort: «Zurücklächeln und auch die Zähne zeigen.» Die Versammlung hat einstimmig beschlossen, bei den Erneuerungswahlen des Regierungsrates kommenden März anzutreten. Dabei nehmen die Grünen auf allfällige «diplomatische Zwischenfälle» mit der SP keine Rücksicht mehr. Mit wem sie antreten oder ob gar mit zwei Kandidaten, ist offen. Da aber eine ernst zu nehmende Kandidatur vom gesamtkantonalen Bekanntheitsgrad eines Kandidaten abhängt, ist die ehemalige Nationalrätin und Bundesratskandidatin Brigit Wyss (1962, Solothurn) grüne Kronfavoritin.

Wyss wird sich auch künftig mit Kantonsrat Felix Wettstein (1958, Olten) und Christof Schauwecker (1986 Solothurn), Geschäftsleitungsmitglied Junge Grüne Schweiz, das Präsidium teilen. Weshalb ein Trio? Die Belastung soll auf mehrere Schultern verteilt und die Achse Solothurn-Olten gestärkt werden. Wettstein «beackert» primär die kantonale Politik und die Region Olten, Schauwecker die Region Solothurn und Wyss die nationale Politik. Brigit Wyss ist zudem Ansprechperson gegen innen und aussen. Mit dem einstimmig gewählten Dreierpräsidium besteht der Vorstand aus elf Mitgliedern.

Für Wahlen brauchts auch Geld. Die Rechnung 2011 schliesst trotz Wahljahr zwar 2751 Franken im Plus. Das vorgelegte Budget 2012 sieht aber bei Ausgaben von 42500 Franken und trotz Reduktion der Sekretariatsstelle von 50 auf 30 Prozent einen Verlust von 11500 Franken vor.

...und beim Oltner Stadtpräsidium?

Mit Applaus wurde Iris Schelbert, die nach fünfeinhalb Jahren als Präsidentin zurückgetreten ist, verabschiedet. Als Präsent erhielt sie einen Korb mit Produkten aus Bio-Produktion, darunter auch verschiedene Salze. Ob die 56-jährige Oltner Stadträtin im nächsten Jahr bei den Stadtpräsidiums-Wahlen ein Salz in der Suppe sein wird? Auf Nachfrage deutet sie ein «eher nicht» an. Je nach im Raum stehenden Kandidaturen müsse sie sich das aber schon noch überlegen.