Ja, sie hofften förmlich darauf, dass er sie zum Teufel jagt, ihr Chef. Eben hatten Peter Jäggi und Stefan Cartier ihm eröffnet, dass sie künden und selbst anfangen, Feuerwehrautos zu bauen. Jäggi, damals 33-jährig, und Cartier, 27, arbeiteten 1988 bei Fahrzeugbau Hauser in Wiedlisbach. Jäggi als gelernter Mechaniker im Aussendienst, Cartier im Büro. Sie sahen, was gut lief und was nicht. Sie wussten, dass es besser geht.

«Wer mit der öffentlichen Hand geschäftet, bei dem muss gelten, was er sagt», sagt Cartier. Eine seriöse Arbeit, Zuverlässigkeit ist wichtig, Qualität genauso, Pünktlichkeit. Da wären sie besser als ihr Arbeitgeber, davon waren sie überzeugt. Also hinschmeissen und die Karten auf den Tisch legen. Aber ihr Boss lässt sie ihre Verträge aussitzen.

Bis aufs Podest trotz Feuerwehrsterben

Es hält Jäggi und Cartier nicht auf, es verzögert ihr Vorhaben lediglich. Am 1. Februar 1989 gründen sie die Feumotech AG. Sie beginnen im Untergrund. 200 Quadratmeter im Keller des Roth-Gebäudes in Recherswil, direkt neben der Autobahn. Das Rauschen der vorbeibrausenden Blechlawine wird zum Hintergrundgeräusch einer Erfolgsgeschichte. Hauser, ihr einstiger Arbeitgeber, ist vom Markt verschwunden. Die Restbestände gingen nach Recherswil. Zu Feumotech.

Die Feumotech-Gründer Peter Jäggi (l.) und Stefan Cartier.

Die Feumotech-Gründer Peter Jäggi (l.) und Stefan Cartier.

Drei Mitarbeiter plus die zwei Gründer sind sie zu Beginn – heute beschäftigt die Feumotech 48 Mitarbeiter. löschfahrzeug, ein Jahr später verkaufen sie es an Recherswil. «Man muss da beginnen, wo man die Leute kennt», sagt Jäggi, der noch heute in der Wasserämter Gemeinde an der Grenze zum Kanton Bern lebt. Heute kennt man die Feumotech im ganzen Kanton und weit darüber hinaus. Als sie anfingen, bauten sie fünf bis sieben Autos pro Jahr, heute sind es 55 bis 60. Das ist rund ein Viertel aller Feuerwehrautos, die jährlich in der Schweiz gekauft werden. Damit gehört Feumotech zu den drei wichtigsten Herstellern neben Vogt aus Oberdiessbach und Brändle aus Wängi. Sie handeln unterdessen zum Beispiel auch mit Drehleitern, Amphibienfahrzeugen oder Schaummitteln. Seit einigen Jahren bauen sie zudem Polizeifahrzeuge aus und um. Und so wuchs der Umsatz von ein paar hunderttausend auf zwischen 14 und 17 Millionen Franken an.

Das alles erstaunt. Denn die Motorisierung der Feuerwehren im Land ist längst abgeschlossen. «99 Prozent der Käufe bei uns sind Ersatzbeschaffungen», sagt Cartier. Viele Feuerwehren in der Schweiz haben fusioniert. «Der Versand an alle Feuerwehren des Landes umfasste vor 30 Jahren 4500 Stück, heute sind es noch 1300», sagt Jäggi. Die Zahl der Feuerwehrleute ist von 280 000 auf knapp einen Drittel (86'000) geschrumpft. Stichwort Professionalisierung. Und so hat sich die Nachfrage verändert. «Früher verkauften wir vor allem kleine Feuerwehrautos, aber die Nachfrage nach grossen stieg in den letzten Jahren», sagt Cartier.

Mit dem Rückgang der Feuerwehren und der Feuerwehrmänner gingen andere Entwicklungen einher. Es brannte immer seltener. Und auch auf der Strasse gab es weniger zu tun. Dank besseren Fahrgestellen, Sicherheitsgurten, Airbags. Die Zahl der Strassentoten sank von 1700 (Anfang der 70er-Jahre) auf 233 (2018). Die Arbeit ging den Feuerwehren nicht aus. Immer häufiger kommen sie bei Naturkatastrophen zum Einsatz.

Als plötzlich alles an einem seidenen Faden hing

Alarm, es brennt! – hiess es 1995 bei Feumotech. Nicht im wörtlichen Sinn. Auch wenn Cartier sagt: «Ja, da haben wir geschwitzt.» Die Schweiz führte damals eine neue Abgasnorm ein, wie die Länder ringsum. Aber im Gegensatz zu diesen gewährte sie keine Übergangsfrist, sondern setzte sofort um. «Wir konnten während fünf Monaten keine Autos bestellen», erinnert sich Jäggi. Die Hersteller hätten die Normen nicht erfüllen können.

Man suchte nach Ersatzarbeiten für die Mitarbeiter. Bei Zulieferern in der Umgebung. Schleifen, schweissen, schlossern. Aber sie fanden zurück zu ihrem Wachstumskurs, sobald sie wieder Fahrzeuge bestellen konnten. Aus dem Keller gings ins Parterre und 2001 ins eigene Gebäude an der Gerlafingenstrasse 31 wenige Meter nebenan. Am Samstag laden die Gründer dort zum Tag der offenen Tür, zur Feier von 30 Jahren Feumotech AG.