Olten
Aktionstage Psychische Gesundheit: Einladung zum Musterwechsel

Die Aktionstage zur Psychischen Gesundheit widmeten sich am Freitagabend in Olten dem Konzept der Inklusion und Teilhabe, das ein radikales Umdenken erfordert: «Oft staunt man, was man den Menschen mit einer Behinderung zutrauen kann, wenn man ihnen etwas zutraut», Claudia Oberholzer, Moderatorin.

Urs Amacher
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Das Verlassen der bisherigen Muster, die Hinwendung auf ein Bild, wonach Menschen mit einer Behinderung selbstbestimmt leben wollen, wie alle andern auch, ist ein langer und herausfordernder Prozess.

Das Verlassen der bisherigen Muster, die Hinwendung auf ein Bild, wonach Menschen mit einer Behinderung selbstbestimmt leben wollen, wie alle andern auch, ist ein langer und herausfordernder Prozess.

Keystone

Rebecca Leuenberger möchte eine eigene Wohnung. Allerdings ist sie behindert, auf Unterstützung angewiesen und lebt bisher in einem Wohnheim. Anhand dieser fiktiven Frau Leuenberger erläuterte die Referentin Therese Zbinden den Weg, den ein Mensch mit einer Behinderung im Kanton Bern zu beschreiten hat, um möglichst selbstständig wohnen zu können.

Therese Zbinden hielt ihr Kurzreferat anlässlich des Vortragsabends über das Konzept der Inklusion, der gleichberechtigten und selbstbestimmten Teilhabe am alltäglichen Leben. Diese öffentliche Veranstaltung fand statt im Rahmen der 8. Auflage der Aktionstage Psychische Gesundheit im Kanton Solothurn.

Inklusion in die Gesellschaft

Rebecca Leuenbergers Anliegen, das Heim zu verlassen, steht durchaus im Einklang mit dem Konzept der Inklusion, dem gerade auch im Kanton Bern nachgelebt wird. Inklusion heisst, jeder Mensch wird akzeptiert und kann gleichberechtigt und selbstbestimmt an der Gesellschaft teilhaben, unbesehen von körperlichen oder psychischen Einschränkungen. Um Leuenbergers Umzugswunsch zu erfüllen, ist vorgängig genau auszuloten, welche und wie viel Unterstützung sie benötigt.

Hier kommt jene Institution ins Spiel, als deren Geschäftsleiterin die Referentin Therese Zbinden fungiert, die Unabhängige Abklärungsstelle für den individuellen Hilfebedarf von Menschen mit Behinderung im Kanton Bern (kurz Indi-Bern). Bewusst wollte man den Entscheid, welche Leistungen eine Person wie Rebecca Leuenberger benötigt, nicht etwa der Invalidenversicherung (IV) oder den kantonalen Behörden überlassen.

Vielmehr schuf man die Indi-Bern, einen Verein, der vom Dachverband der Leistungserbringer (Heime und andere soziale Institutionen) sowie der in der Behindertenkonferenz Bern (Kbk) zusammengeschlossenen Behindertenorganisationen getragen wird. Nach der vorgenommenen Abklärung erhält Leuenberger ein Leistungsangebot samt Finanzierung. Wie viel sie davon nutzt, bleibt letztlich ihr überlassen.

Inklusion ist ein Prozess

Wie der zweite Referent des Abends, Oliver Koenig von der Universität Wien, aufzeigte, kann das Projekt der Inklusion nicht einfach auf das Gewachsene und Bestehende überstülpt werden. Das Verlassen der bisherigen Muster, die Hinwendung auf ein Bild, wonach Menschen mit einer Behinderung selbstbestimmt leben wollen, wie alle andern auch, ist ein langer und herausfordernder Prozess.

In der abschliessenden Diskussionsrunde brachte es Moderatorin Claudia Oberholzer auf den Punkt: «Oft staunt man, was man den Menschen mit einer Behinderung zutrauen kann, wenn man ihnen etwas zutraut.»

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