Aktionsplan Pflanzenschutzmittel
Zu viele Pestizide im Wasser im ganzen Kanton Solothurn – aber auch erste Verbesserungen wurden erreicht

Mit dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel will der Kanton Solothurn den Gewässerschutz verbessern. 2020 wurden zwar flächendeckend zu viele Pestizide im Wasser nachgewiesen – das Amt für Umwelt stellte aber auch schon erste Verbesserungen fest.

Raphael Karpf
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Die Belastung durch Pestizide soll möglichst eingedämmt werden, beschloss der Kanton Solothurn 2018. Dazu wurde der sogenannten Aktionsplan Pflanzenschutzmittel ins Leben gerufen. Er enthielt über 30 Massnahmen, welche die Gewässerqualität verbessern sollten.

Um herauszufinden, was sie tatsächlich bringen, liess der Kanton vergangenes Jahr bei insgesamt vier Flüssen und Bächen und bei einer Grundwasserquelle im Kanton Messstationen installieren.

Erste Resultate musste der Kanton bereits im Mai herausrücken, nachdem die GLP die Veröffentlichung der Daten kurz vor den Abstimmungen über die beiden Pestizid-Initiativen verlangt hatte.

Diesen Dienstag hat der Kanton nun noch offiziell die Messergebnisse für 2020 bekannt gegeben. Die Ergebnisse haben sowohl positive wie auch negative Aspekte.

Im Limpach bei Messen wurden zu viele Pestizide gemessen.

Im Limpach bei Messen wurden zu viele Pestizide gemessen.

Rahel Meier

Zum einen wurden bei sämtlichen Messstationen Überschreitungen der zulässigen Grenzwerte festgestellt. Im Limpach überschritten 12 der 78 gemessenen Stoffe den gesetzlichen Grenzwert, mehrheitlich Pestizide. Allerdings nicht im ganzen Jahr, sondern vor allem im Frühling und Sommer.

Bei anderen Messstationen waren noch 6 der 78 gemessenen Stoffe mit zu hoher Konzentration im Wasser. «Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass insbesondere kleinere und mittlere Gewässer belastet sind», sagte Philipp Staufer, Leiter der Abteilung Wasser beim Amt für Umwelt (AfU). Die Spuren menschlichen Handelns seien überall erkennbar.

Philipp Staufer, Leiter Abteilung Wasser.

Philipp Staufer, Leiter Abteilung Wasser.

Tom Ulrich

Gleichzeitig konnte er aber auch erste Erfolge vermelden. So habe sich das Risiko für Gewässerlebewesen seit 2019 leicht verringert. «Das ist eine erste, positive Entwicklung. Wir sind aber noch nicht am Ziel», so Staufer.

Auch Private und Werkhöfe sind in der Pflicht

Weitere Massnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität sind deshalb bereits angedacht. So wird das AfU in den nächsten Tagen den Dialog mit Bäuerinnen und Bauern suchen, um die Messresultate bekannt zu geben. Gleichzeitig wird aber auch der Rest der Bevölkerung in die Pflicht genommen.

Denn sind Landwirte zwar mehrheitlich für die Pestizidbelastung verantwortlich, so sind sie nicht die einzigen. Auch aus Dörfern und Privatgärten landeten Pestizide im Wasser, und sogar Arzneimittel konnten nachgewiesen werden. Eine Umfrage bei Werkhöfen zeigte zudem: Jeder fünfte Werkhof hatte die benötigte Fachbewilligung für den Umgang mit Pestiziden nicht.

Darum sollen ab 2022 auch Private, Gartenbauunternehmen, Baufirmen und eben Werkhöfe für den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln sensibilisiert werden. Mitte 2022 ist dann ein Zwischenbericht geplant, dann sollen allfällige weitere Massnahmen diskutiert werden.

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