Air 90
Flughafen Grenchen feiert seinen 90. mit einer Flugshow

Air 90 – Unter diesem Titel feierte der Regionalflughafen Grenchen gestern sein Jubiläum. Über 800 Personen sahen bei herrlichem Wetter eine Vielzahl an Oldtimern, Klassikern aber auch modernsten Flugzeugen in der Luft. Die Schweizer Luftwaffe mit dem PC-7 Team feierte mit.

Oliver Menge
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Geburtstagsformation mit der Classic Formation und dem PC-7 Team.

Geburtstagsformation mit der Classic Formation und dem PC-7 Team.

Oliver Menge

Um 7.30 Uhr herrschte bereits Grossbetrieb auf dem Flughafen Grenchen. Die Maschinen, die heute zum Einsatz kommen sollten, wurden vorbereitet, bereitgemacht, aufgetankt. Der Flughafen war bereit fürs Jubiläum.

Die Flugzeuge waren zum Teil schon an ihren Plätzen, wo sie später vom Publikum ganz aus der Nähe betrachtet werden konnten. Einige wurden erst jetzt bereitgestellt, Sicherheitsabschrankungen aufgestellt. Hinter dem Flughafengebäude vor den Hangars wurden diverse Stände aufgebaut: Die diversen Flugschulen informierten über ihre Ausbildungsmöglichkeiten, an einem Stand gab es Schlüsselanhänger, Manchettenknöpfe, Buttons, Flugzeugmodelle und vieles mehr zu erstehen, Verpflegungsstände von Fotra wurden in Betrieb genommen.

Gegen halb Neun hatte sich vor dem Eingang bereits eine Schlange gebildet: Pünktlich um 8.45 wurden Eingang und Tageskasse eröffnet und das Publikum strömte herein, durch die Sicherheitskontrollen, wo Covid-Zertifikat und Ausweise geprüft wurden. Über den ganzen Tag verteilt sollten es schliesslich über 800 Personen werden, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten.

Ein Paradies für «Spotter» von Oldtimern

Viele, ja eigentlich die Meisten, waren mit Kameras unterwegs, manche mit schweren Teleobjektiven, viele «nur» mit dem Handy, aber fotografiert wurde an diesem Tag so viel, wie wohl selten zuvor. Wer Lust dazu hatte, konnte bei den Mountain Flyers einen Helikopter-Rundflug buchen, um sich die Gegend rund um Grenchen mal aus der Luft zu Gemüte zu führen.

Eine DC3.

Eine DC3.

Oliver Menge

Den Blick aus der Nähe riskieren: Gelegenheit für Aviaticfans

Bis um 11 Uhr konnte man die Maschinen aus der Nähe betrachten, bei einigen auch einen Blick ins Cockpit oder die Kabine werfen, wie zum Beispiel bei der wunderbar restaurierten Aeronca, einem amerikanischen Reiseflugzeug aus den 40-Jahren, das Jahrzehnte lang einem Farmer gehört hatte, dort verunfallte, aufwendig und liebevoll restauriert wurde und jetzt in Grenchen stationiert ist. Oder die Antonov An-2, der grosse, blaue Doppeldecker, der in Grenchen steht ist, in dessen Sitzen längere Reisen nicht unbedingt bequem sein dürften – jedenfalls sehen sie so aus.

Oldtimer der ganz besonderen Art sind in Grenchen zu Hause

Besonders anziehend wirkte die «Classic Formation», die prominent vor dem Tower aufgestellt wurde: Eine DC3 und drei Twin Beech 18, alles historische Flugzeuge aus den 30er und 40er-Jahren, die in Grenchen stationiert sind und dem Bettlacher Hugo Mathys gehören. Er liess es sich auch nicht nehmen, eine der Beech später selber zu pilotieren. Diese Flugzeuge durfte man nicht ganz aus der Nähe betrachten, denn sie sollten die eigentliche Flugshow eröffnen, die pünktlich um 11 Uhr losging.

Publikum und vorne die Gibsy Moth.

Publikum und vorne die Gibsy Moth.

Oliver Menge

Rund 10 Minuten vor dem Start wurde das Publikum hinter die Abschrankungen geschickt und die Piloten liessen die Maschinen der Oldtimer warmlaufen. Dann starteten nacheinander die DC 3, gefolgt von den drei Beech. Die Classic Formation, alles Flugzeuge mit Sternmotoren, zeigten ein schönes Display, wie man die einstudierten und oftmals geübten Flugmanöver nennt und die Motoren gaben ihren typischen Sound von sich, wie er für diese Art Propellerflugzeuge charakteristisch ist.

Ein dichtes Programm mit vielen sehenswerten Höhepunkten

Es folgte ein Höhepunkt auf den anderen: Vom russischen Trainingsjäger Jak 52, der noch heute in Rumänien gebaut wird und auf einem Acker landen kann, über die Pipistrel Velis, dem ersten, vollzertifizierten Elektroflugzeug und dem klaren Statement der Flughafenleitung, in welche Richtung – ökologisch und CO2-neutral – es in die Zukunft gehen soll, zwei Piper L40 – wie sie die Landungstruppen der Amis verwendet und angemalt hatte der Eine, der Andere seit 70 Jahren ununterbrochen in Grenchen stationiert.

Akro-Pilot Jérôme Cusin verlangte seiner Extra 330 LX alles ab, malte Figuren an den Himmel und schien etliche Male, beinahe abzustürzen. Pilot Marc Rollier führte in seiner Turbine Legend vor, was Geschwindigkeit tatsächlich heisst – die Maschine sei die Schnellste, die in Grenchen stationiert ist und erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 600 km/h. Speaker Peter Brotschi, Aviatic-Journalist und selber Pilot etlicher der gezeigten Maschinen, führte kompetent durch die Show.

Ab und zu musste das Publikum «den Hals gegen den Himmel recken», weil Fallschirmspringer aus der Pak, dem Absetzflugzeug in Grenchen sprangen und nach ihrem Flug am Schirm auf der Graspiste landeten. Dann führte Isidor von Arx seine Nieuport vor, ein Flugzeug, originalgetreu innerhalb von 20 Jahren nachgebaut und letztes Jahr erstmals geflogen. Dasselbe Modell flog im 1. Weltkrieg für die Schweizer Armee.

Original nachgebaute Nieuport.

Original nachgebaute Nieuport.

Oliver Menge

Als die Classic Formation zum zweiten Mal startete, gings auf den Höhepunkt des Tages zu: Von Dübendorf her kam die PC-7 Staffel der Schweizer Armee angeflogen. Bevor diese ihr Display zeigte, formierten sich die 13 Flugzeuge zu einer Geburtstagsformation und überflogen den Flughafen Grenchen in mehreren Runden. Flughafendirektor Ernest Oggier war rundum zufrieden, wie er sagte. Da konnte man sogar die fehlende F/A-18 absolut verschmerzen.

Das PC-7 Team wurde diesmal von einem eigenen Speaker begleitet, der auch die passende Musik abspielte. Sinnigerweise wurde die Show mit der Nationalhymne begonnen und Cédric Spörri dirigierte jeweils den Blick des Publikums an die richtige Stelle. Derweil Kommandant Daniel Stämpfli «Stampa» über Funk die Piloten für ihre Präzision lobte. Nach 30 Minuten verabschiedete sich das Team mit dem obligaten Auseinanderstieben der Maschinen.

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