«Perlen müssen wir suchen; Stolpersteine liegen einfach so rum». So lautete das Thema von Agroberater Pius Hager an der Wintertagung der Katholischen Bauernvereinigung des Kantons Solothurn (KBVSO).

«Eine Stunde habe ich geredet, mögt ihr mir weiter zuhören?», fragte der Referent seine Zuhörer im Ochsensaal Mümliswil. Die Antwort war ein mehrstimmiges und überzeugtes «Ja!». Stellvertretend für die anderen meinte Josef Flury, Präsident der KBVSO, ihm könnte man stundenlang zuhören. Kein Wunder, denn der Agroberater kann aus einem jahrzehntelangen, reichen Erfahrungsschatz schöpfen. 800 Hofübergaben und über 100 einvernehmliche Scheidungen von Bauernpaaren hat er begleitet. Er erzählte humorvoll und unterhaltsam. Seine Ausführungen wurden gestützt von Zeichnungen einer seiner Töchter. Zudem kann er viele Beispiele aus der Praxis erzählen. Und zwar einfach so, wie in einer angenehmen Plauderei unter Bekannten.

Mehr Kinder als Kühe

Er wuchs auf als jüngstes von zehn Kindern auf einem Bauernhof in Kaltbrunn. «Ihr könnt euch vorstellen, was das bedeutete», blickte er zurück, «wir hatten mehr Kinder als Kühe». Er ist seit 1970 mit der gleichen Frau verheiratet, hat drei Töchter und fünf Enkel. In seiner Beratertätigkeit sei er immer wieder gebeten worden, seine Anleitungen, Empfehlungen und Tipps in einem Buch zusammenzufassen. Jetzt, wo er pensioniert ist, fand er dazu endlich Zeit, und in einem Monat kommt sein Buch «Leben – vom Streit zum Frieden» heraus.

«Perlen muss man suchen, Stolpersteine liegen einfach herum». Zu dieser Wahrheit listete er viele Perlen auf, die jede und jeder im Alltag suchen und finden kann. Er zeigte die Vorzüge auf, die ein Leben in einer Partnerschaft auf einem Bauernhof mit sich bringt. Nicht zu vergessen die Vorteile, die sich bieten, wenn die Grosseltern auf dem Hof leben. «Eine junge Bäuerin kann sich erlauben, länger wegzubleiben, weil die Grosseltern die Kinder ja in Empfang nehmen.» Mit Augenzwinkern fügte er hinzu, dass Kinder oft sowieso lieber vorab zum Grosi gingen, denn dort gebe es erst mal ein Schöggeli …

Danke sagen, Lob aussprechen

Vor allem legte er Zuhörerinnen und Zuhörern ans Herz, hie und da zu danken, ein Lob auszusprechen. Wenn der Vater das Tenn aufgeräumt hat, ihn nicht anzufauchen: «Was hast du jetzt wieder gemacht!?» Gewinnbringender wäre es für beide Seiten, wenn der Sohn sich dafür bedanken würde. Oder der Köchin zwischendurch danken für die feine Mahlzeit. Pius Hager hält gar nichts vom Satz «Wenn ich nichts sage, ist es o. k.» als Antwort auf die Frage, ob das Essen geschmeckt habe.

Das Publikum war begeistert. Viele sagten, natürlich wisse man dieses und jenes, habe es mehrfach gehört. Doch lohne es sich, es immer wieder zu hören. Am Vormittag hatten die rund 100 Personen vom Kleinkind bis zur Urgrossmutter am Wortgottesdienst in der Kirche Mümliswil teilgenommen.