Poststellenabbau
Agenturlösungen in Kritik: «Das Dorfladenpersonal ist gestresst»

Postagenturen in Dorfläden sind mancherorts umstritten – was ist dran an der Kritik?

Lara Enggist
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Bei Dorfläden mit Postagenturen kümmern sich die Verkäuferinnen und Verkäufer um die Post. (Symbolbild)

Bei Dorfläden mit Postagenturen kümmern sich die Verkäuferinnen und Verkäufer um die Post. (Symbolbild)

KEYSTONE/SIGGI BUCHER

Das Thema ist seit Wochen in aller Munde: Im Kanton Solothurn werden 23 der 44 bestehenden Poststellen «überprüft», wie es die Post nennt. Dies bedeutet in den meisten Fällen die Schliessung oder die Umwandlung in eine Postagentur, die zum Beispiel in einen Dorfladen integriert wird.

Die Meinungen zu dieser Lösung gehen auseinander. Einige Bewohner der betroffenen Gemeinden sind empört und sprechen von einem Abbau der Grundversorgung. Einzahlungen könne man in den Agenturen keine mehr tätigen und Diskretion sei an einer Dorfladenkasse auch nicht vorhanden.

Eine Luterbacherin berichtete in einem Leserbrief kürzlich vom Dorfladenpersonal, welches durch die Zusatzleistungen gestresst und schlecht gelaunt sei.

Doch was sagen die Konsumwarengeschäfte zu solchen Aussagen? Wer in den betroffenen Dorfläden nachfragt, wird kurzerhand abgewimmelt: Man solle sich doch bitte an die zuständigen Medienstellen wenden. Dort scheint man aber nichts vom Unmut der Bewohner mitbekommen zu haben. «Von unseren Kunden in Neuendorf und Oberdorf haben wir keine negativen Rückmeldungen erhalten», sagt Tamara Scheibli, Kommunikationschefin bei Volg.

Beim Start des Agenturmodells habe es zwar skeptische Reaktionen aus der Bevölkerung gegeben, doch mittlerweile sei die Akzeptanz sehr gross. Umfragen der Post hätten sogar gezeigt, dass die Kundenzufriedenheit in den Agenturen ausgesprochen gut sei, so Scheibli. Zudem entscheide die Post, auf welche Art sie ihre Dienstleistungen in den Gemeinden erbringen wolle.

Vorteile nicht bezifferbar

«Wir bieten der Post in denjenigen Ortschaften Hand zu einer Lösung, in welchen wir mit einer Filiale vertreten sind», sagt Scheibli. Lukrativ ist das Agenturmodell für die Volg AG angeblich nicht. «Auf die Kundenfrequenz im Laden wirken sich die Agenturen zwar positiv aus, umsatzseitig lässt sich der Nutzen jedoch nicht beziffern», sagt Scheibli. Sie unterstreicht aber: Dank der Alternative zu herkömmlichen Poststellen sei gewährleistet, dass Postgeschäfte weiterhin im Dorf erledigt werden können. «Zudem können Dorfläden so mittel- oder langfristig vor der Schliessung bewahrt werden.»

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