Wie viel verdienen Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz? Und: Wie viel sollen sie verdienen dürfen? Die Frage ist angesichts der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen zunehmend ein Thema. Und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) leistet nach Ansicht der kantonalen Ärztegesellschaft keine sachdienlichen Hinweise. Jedenfalls spricht sie offen von einer «politischen Motivation», dass sich das BAG «gegen die eigenen Leistungserbringer stellt». Dies auf dem Weg zur nächsten Revision des Krankenversicherungsgesetzes bzw. zur «beabsichtigten Staatsmedizin». Was die Ärztegesellschaft vor allem stört, ist dies: Sowohl das Bundesamt für Statistik (BFS) als auch die Verbindung Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) haben Erhebungen durchgeführt, die das Praxiseinkommen übereinstimmend auf 155'000 Franken beziffern, das BAG dagegen geht von rund 100'000 Franken mehr aus. Und zwar mit Daten, die älter sind als jene von BFS und FMH – und zudem vor dem zweiten Tarifeingriff des Bundesrats erhoben wurden. Das sei erstens realitätsfremd und zweitens methodisch fragwürdig. So sei die Qualität und deren Messung schlicht und ergreifend kein Thema.

Der Co-Präsident der Gesellschaft der Ärztinnen und Ärzte des Kantons Solothurn (GAeSO), Florian Leupold, weiss als Hausarzt und Grundversorger, wovon er spricht. Er legt seine Zahlen auf den Tisch. Und die sehen so aus: «In meiner Praxis wurde im Jahr 2017 mit einem 60-Prozent-Pensum ein Reingewinn von 60'525 Franken erwirtschaftet», zeigt Leupold auf. «Um mit zwei studierenden Söhnen und einem Haus über die Runden zu kommen, arbeite ich ausserhalb der Praxis (und ohne die Krankenkassen zu belasten), noch extern für den Kanton, in zwei Verwaltungsräten und führe zudem zwei Berufsverbände.» Das führt Leupold aus, weil die BAG-Zahlen unter anderem eben auch deshalb fehlerbehaftet seien, weil sie sich auf die AHV-pflichtigen Einkommen stützten und die Zusatzeinkünfte fälschlicherweise in die BAG-Studie einflössen. «Auf diese Art und Weise wird ein hoher Arztlohn vorgegaukelt, den der Bund dann für die Begründung der Prämienerhöhungen braucht», moniert Leupold an die Adresse von Gesundheitsdirektor Berset.

Für die GAeSO ist deshalb klar: Wenn wir den Dienst am Patienten auch weiterhin einer hohen Qualität und möglichst kostengünstig anbieten wollen, benötigen wir die Unterstützung der Patienten selber. Zudem sei für die Ärztegesellschaft klar, dass der Kampf für gleiche Löhne für Ärztinnen und Ärzte weitergeführt werden müsse – daran habe auch das BAG mit seinen neuen Zahlen nichts geändert, «auch wenn es die Arbeit der Leistungserbringer einmal mehr erschwert hat», wie die  GAeSO festhält.