«Ein Kampf für ein besseres Angebot an die Kleinaktionäre der AEK Energie AG ist nicht mehr zielführend.» Dies sagt Franz Gyger von der Finanzberatungsfirma Toff AG in Solothurn nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen der BKW AG. Er vertritt die Interessen unzufriedener Kleinaktionäre.

Diesen hat die BKW im Dezember ein Übernahmeangebot für 30'000 Franken je Aktie unterbreitet. Im Gegensatz dazu haben die AEK-Grossaktionäre zuvor 37'350 Franken je Titel erhalten. Ein besseres Angebot sei von den BKW im Gespräch klar abgelehnt worden, hält Gyger fest.

BKW: Wahl, nicht Zwang

Vielmehr hätten die Berner dargelegt, dass ihnen die lokale Verankerung der AEK äusserst wichtig sei. Die Minderheitsaktionäre seien ein wichtiger Bestandteil dieser lokalen Verankerung. «Es ist keineswegs das Ansinnen der BKW, diese zu einem günstigeren Preis auszukaufen», zitiert Gyger aus der Rückmeldung der BKW an ihn. Vielmehr seien Minderheitsaktionäre willkommen und passten in die Strategie.

Der Entscheid, die AEK Energie AG als eigenständiges Unternehmen weiterzuführen, unterstreiche dieses Anliegen. Für jene AEK-Aktionäre, die mit einer Hauptaktionärin BKW nicht leben könnten, sei das erwähnte Angebot von 30 000 Franken eine Möglichkeit, «ihre Beteiligung zu einem fairen Preis zu verkaufen respektive sich direkt an der BKW zu beteiligen». BKW-Sprecher Tobias Fässler bestätigt diese Aussagen. Hinter dem Übernahmeangebot stecke in der Tat kein Zwang an die Kleinaktionäre, dass diese ihre AEK-Titel verkaufen müssten.

«Attraktiver Titel»

Aufgrund dieser Sachlage empfiehlt Gyger jenen Kleinaktionären, die «auf der sicheren Seite stehen wollen, das Angebot anzunehmen». Denn es bestehe die Gefahr, dass nach Ablauf des Übernahmeangebotes Ende Januar der Kurs plötzlich deutlich unter die Marke von 30 000 Franken fallen könnte. Andererseits könne der Titel interessant bleiben, so Gyger. Denn beim erwähnten Gespräch sei ihm seitens der BKW versichert worden, dass alle Gewinne ausgeschüttet und nichts thesaurierend zurückbehalten werde. Dadurch könnte die Aktie aus Dividendensicht interessant bleiben.

Darauf angesprochen erklärt BKW-Sprecher Fässler, dass der Gewinn weiterhin bei der AEK Energie AG anfallen werde; daraus entsprechend ergebe sich der den Aktionären anrechenbare Gewinn. Die AEK werde weiterhin eine wenn immer möglich konstante Ausschüttungsquote anstreben und dem erzielten Gewinn entsprechende Dividenden auszahlen, so Fässler. «Die AEK-Aktie bleibt damit ein attraktiver Titel für die Minderheitsaktionäre.»

Gemeinden: Kaufen und Behalten

Wie berichtet hat die AEK-Grossaktionärin BKW AG im Sommer ein Paket von 53,7 Prozent übernommen. Seither besitzen die Berner 93,2 Prozent. Die restlichen Aktionäre, die eben ein Übernahmegebot von 30 000 Franken erhalten haben, besitzen noch 6,8 Prozent oder 408 AEK-Aktien.

Nebst Privaten sind auch zahlreiche Gemeinden darunter. Einige haben bereits entschieden: Recherswil (4 Aktien) und Luterbach (3) behalten die Titel. Dagegen wird Riedholz vier von fünf Titeln und Zuchwil fünf von sechs Aktien verkaufen. Gerlafingen will seine drei Anteile ebenfalls verkaufen. Obergerlafingen (3) und Günsberg (2) tauschen die Anteile in BKW-Aktien um.

Die letztlich verbliebenen AEK-Aktionäre werden sich an der Generalversammlung am 28. April 2017 im Turbensaal in Bellach treffen.