Solothurner Industrietag

Adrian Flury: «Wir sind kein Land für Massenprodukte»

Adrian Flury erklärte auf dem Betriebsrundgang, warum er die Spezialisierung weiter vorantreibt.

Adrian Flury erklärte auf dem Betriebsrundgang, warum er die Spezialisierung weiter vorantreibt.

Adrian Flury präsentierte am Anlass des Industrieverbandes seine in dritter Generation geführte Firma. Er wollte in den Bereichen Frankenstärke, Strukturwandel und die drohende Deindustrialisierung «ein wenig Licht ins Dunkle» bringen.

«2015 ist das verrückteste Jahr, welches ich in meiner 20-jährigen Unternehmerkarriere erlebt habe.» So eröffnete Josef Maushart, Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung (Inveso), den Industrietag 2015.

Als Stichworte nannte er im Konferenzraum der diesjährigen Gastgeberin, der Arthur Flury AG in Deitingen, die Frankenstärke, den Strukturwandel und die drohende Deindustrialisierung.

Es gelte, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen; ihn beschleiche nämlich das schlechte Gefühl, dass die realen Folgen der Krise nicht zu den Statistiken passten und deshalb ein trügerisches Bild über die Auswirkungen vorherrsche.

Auch Dienstleistungssektor

Also legte er los. In zwei Jahren würden zwar immer noch 95 Prozent der im Industrieverband angeschlossenen Firmen existieren. Vielleicht würde deren Gesamtumsatz von rund drei Milliarden Franken etwas tiefer ausfallen.

Aber die Firmen würden 10 bis 15 Prozent weniger Personal beschäftigen. Maushart rechnet damit, dass in der Maschinen-, Metall- und Elektroindustrie (MEM) landesweit jährlich fünf bis acht Prozent der Belegschaft abgebaut werden. Aber die MEM-Branche beschäftige nur acht Prozent aller Beschäftigten. «Deshalb gibt es keine Explosion in der Arbeitslosenstatistik.»

Die meisten Firmen würden es allerdings schaffen – dank innovativer Produkte, weiter erhöhter Automation und mit Kooperationen mit ausländischen Firmen. Also wo liegt das Problem?

Maushart gab die Antwort selbst: Es gehe Wertschöpfung in der produzierenden Industrie für immer verloren, die Ertragskrise bleibe, denn der Franken bleibe stark und der Kostendruck treffe auch die Dienstleistungsbranche mit viel mehr Beschäftigten. Er erinnerte an die Credit Suisse, die jüngst bekannt gab, in der Schweiz Hunderte von Stellen zu streichen.

Es gelte also – Unternehmen und Kanton vereint – neue Arbeitsplätze zu schaffen sowohl in der Industrie wie im Dienstleistungsbereich. Neuansiedlungen und Ausbauten bestehender Firmen seien mit allen Mitteln zu fördern.

Zudem müsse sichergestellt werden, dass das Personal den technologischen Wandel mitmacht. «Ungelernte Arbeitskräfte braucht es künftig nicht mehr», sagte Maushart und lobte in diesem Zusammenhang den Kanton.

«Im Bereich Nachholbildung für Erwachsene ist Solothurn schweizweit Spitze.» Inzwischen könnten Ungelernte in neun Berufen die erforderlichen Qualifikationen nachholen. «Wir müssen die Belegschaften beweglich machen, damit sie neuen Anforderungen erfüllen können.»

Landammann Roland Heim versprach am Anlass, dass der Kanton «effizient und unbürokratisch Hilfe leistet, immer im engen Korsett der Gesetze». Er verwies auf die Ansiedlung von Biogen, die in einer Rekordzeit realisiert worden sei.

Er wisse aus Kontakten mit Unternehmern: «Die Lage ist nicht rosig, aber auch nicht katastrophal.» Es gebe viele Industrie-Perlen, zum Beispiel die Arthur Flury AG.

Bekenntnis zum Werkplatz

Dessen Patron, Adrian Flury, nahm den Ball auf und präsentierte sein in dritter Generation geführtes Familienunternehmen auf einem Betriebsrundgang. Der in der Bahntechnik tätige Betrieb – er rüstet Bahnen weltweit mit Fahrleitungstechnik aus – wurde vor 95 Jahren gegründet, beschäftigt rund 100 Angestellte und erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 44 Millionen Franken.

Bei einem Exportanteil von gegen 60 Prozent ist das Unternehmen voll dem Kostendruck ausgesetzt. Trotzdem habe man den Betrieb dieses Jahr mit einem Neubau ergänzt, um mehr Platz zu gewinnen. «Es ist ein Bekenntnis zum Werkplatz Schweiz», sagte Flury.

Sein Ziel sei es, die Fertigungstiefe hochzuhalten. «Wir machen alles selber, von der Entwicklung, Tests, Teile- und Werkzeugherstellung, bis hin zum Marketing und Verkauf.» So könne die zwingende Qualität der Produkte hochgehalten werden.

Darin und in der stetigen Produkte-Innovation sieht er die Schlüssel, um aus der Krise zu kommen. Und: Die Spezialisierung ist weiter voranzutreiben. Wir sind kein Land für Massenprodukte.»

Meistgesehen

Artboard 1