«Ich erzähle gerne Geschichten und höre gern welche», sagt die 25-jährige Musikerin, die in Dänemark zur Welt kam und in Langendorf aufwuchs. Die Geschichte, die sie mit dem neuen Album «The Eye of the Clown behind the Spyglass» erzählt, entführt ins Unterholz nordischer Wälder und führt eisigen Klippen entlang – oder in die scheinbar heile Welt der Zirkusmanege.

Hier trifft Jazz auf Klänge, die an Filmmusik erinnern, nordische Folklore auf Pop und skandinavische Singer-Songwriter-Tradition auf Klezmer. Zeitweise genügt es der Musik auch einfach, sich von allen Zuordnungen zu lösen, um pure Stimmung zu sein, die Bilder entstehen lässt. Über allem schwebt eine luftig-leichte Melancholie.

Doch auch wenn Adina Friis den Hörer einlädt, auf seine eigene Weise in die Musik einzutauchen, steckt doch auch ihre persönliche Geschichte in der Musik drin. «Es sind Sachen, die ich erlebt habe, Fragen, die ich mir stelle, Projekte, die ich anpacke, oder Menschen, die ich treffe.» Und es steckt manche Reise drin, die sie vor allem in den Norden unternahm.

«Es ist dort oben unglaublich still», erinnert sie sich. Eben gerade diese Stille war es, die sie beim Komponieren inspirierte. «Zum Schreiben brauche ich die Natur, das Pure, das Nichts, losgelöst von materiellen Einflüssen.» So entstanden Fundamente ihrer Musik sowie Elemente, die sich bald zu fertigen Kompositionen zusammenfügten.

«Eigentlich bin ich eine Realistin», analysiert Adina Friis, «und doch habe ich eine kindliche Freude daran, surreale Welten, Illusionen und Märchen zu erschaffen». Bisweilen begegnet man aber auch der Ironie, die im Albumtitel zum Ausdruck kommt: «Das Clown-Auge hinter dem Fernglas». Der Clown, der nur vor der Kulisse spielt, als sei er glücklich, und doch alles distanziert betrachtet. Und so mischt sich auch Weltschmerz und Gesellschaftskritik in Adina Friis’ Motive: «Ich frage mich dann, was auf dieser Welt abgeht. So wie wir Menschen leben, kann es nicht weitergehen. Es braucht eine Notbremse: In Fragen der Umwelt, der Gesellschaft und auch in Bezug auf uns persönlich.»

«Luumu» ist finnisch, bedeutet «Pflaume» und ist der Bandname, unter dem Adina Friis ihre Musikerschar im Jahre 2010 versammelt hat. «Eine tiefere Bedeutung hinter der Namensgebung gibt es nicht», meint sie schmunzelnd. Dafür sei sie umso wählerischer, was die Musiker angeht: «Das muss passen, musikalisch wie zwischenmenschlich.» Und die Musik ist wie aus einem Guss: Die Kompositionen sind so geschrieben, dass genügend Platz für Improvisationen bleibt: mit Klavier und Kontrabass, Schlagzeug, Saxofon, Klarinette und Flöte. Möglich wurde das Album durch den kantonalen Kulturpreis, den Adina Friis 2013 erhalten hat.

Neben dem Ehrgeiz und Elan, den die junge Frau in ihre Projekte steckt, haben ihr auch ihre selbst musikalischen Eltern nie Steine in den Weg gelegt. «Ich musste nie hören: ‹Lerne zuerst was Anständiges›. Ich wuchs mit dem Gedanken auf, irgendwann davon leben zu können.» Von der Klassik in der Kindheit kam sie im Teenageralter zu Punkbands, «weil das in Solothurn irgendwie dazugehörte, um in einer Band spielen zu können».

Bald war es die natürlichste Sache der Welt: eine Band gründen, komponieren und auftreten. «Ich war nie eine Alleinunterhalterin», stellt sie fest, und doch ist «Luumu» ihr persönliches Projekt. Heute steht Adina Friis vor dem Schlussspurt zum Bachelor an der Jazzschule in Luzern im Hauptfach Klavier. «Ich bin ja eigentlich keine Sängerin», meint sie nebenbei und allzu bescheiden. Greifen doch Stimme und Stimmung der Musik passend ineinander. «Beim Singen kann ich mich nicht verstellen. Es ist etwas Alltägliches, das nicht perfekt klingen muss. Es ist – wie erzählen.»