Stellen Sie sich vor, Sie schauen gerade fern und plötzlich, von der einen Sekunde auf die andere, wird der Bildschirm schwarz. Sie klicken sich durch die Sender, Sie überprüfen das Stromkabel, das Fernsehkabel. Alles in Ordnung. Doch der Bildschirm bleibt schwarz. Dieses Szenario könnte am 20. Januar Realität werden – zumindest für die Kunden der GA Weissenstein und der GA Grenchen, welche noch analog fernsehen.

Am 20. Januar geht nämlich eine 40-jährige Erfolgsgeschichte zu Ende: die des analogen Fernsehens. GAW und GAG schalten ab. Diese Meldung ist nicht überraschend, denn bereits seit 2009 verringerten die Kabelnetzbetreiber im Zweijahresrhythmus die Senderzahl. 2013 ging die GAW runter auf 27, letztes Jahr die GAG auf 10 Sender (bei ursprünglich 42 Programmen). Nun soll am 20. Januar definitiv Schluss sein. Erst am 27. Oktober wird die Gemeinschaftsantenne Schwängimatt (GGS) ihre analogen Sender vom Netz nehmen.

Von der Umstellung sind allerdings die wenigsten betroffen, denn das digitale Zeitalter hat in den meisten Schweizer Wohnzimmern bereits Einzug gefunden. Die Solothurner Zeitung/Grenchner Tagblatt erklärt trotzdem die wichtigsten Fragen und sagt, was man machen muss, damit der Bildschirm nächste Woche nicht schwarz bleibt:

1. Was passiert am Dienstag, 20. Januar?

In den frühen Morgenstunden schalten GAW und GAG das analoge Fernsehprogramm ab. Laut Marcel Eheim, Geschäftsführer der GA Weissenstein, sollte dieser Vorgang gegen sieben oder acht Uhr morgens erledigt sein. Die Sender werden vom Netz genommen und die Kabelnetzanbieter schalten einen entsprechenden Hinweis auf, um ihre Kunden über die Abschaltung zu informieren. «Dieser bleibt, bis die Kanäle für die digitalen Dienste gebraucht werden.» Das geschehe nach entsprechenden Umbauarbeiten. «Davon bemerkt der Kunde aber nichts», so Eheim.

2. Wer genau ist von der Abschaltung betroffen?

Es betrifft bei der GAW und GAG rund 60 000 Signalbezüger (GAW 40 000; GAG 20 000). Allerdings hat in den vergangenen Jahren bereits ein Grossteil von diesen auf digitalen Empfang umgestellt. Wie viele Personen genau noch analog fernsehen, ist nicht messbar. Marcel Eheim schätzt, dass im Gebiet der GAW rund 1000 bis 2000 Haushalte direkt betroffen sind.

3. Wie weiss ich, ob ich persönlich betroffen bin?

Sie schauen noch analog, wenn ihr Senderangebot nur 27 Sender umfasst und Sie keinen Sender in HD-Qualität empfangen (das SRF-Logo hat bei Digital-TV den Zusatz HD). Wenn Sie zu Hause einen alten Röhrenfernseher anstatt eines Flachbildschirms besitzen und keinen separaten Signalumwandler (Set-Top-Box oder DVB-C-Tuner) installiert haben, sehen Sie ebenfalls noch analog fern. Dies ist auch der Fall, wenn sie einen älteren Flachbildschirm ohne Umwandler nutzen, der keinen integrierten DVB-C-Tuner hat. Ob Ihr Gerät einen solchen integrierten Tuner hat, überprüfen Sie am besten in der TV-Anleitung. Nicht betroffen sind Sie, wenn Sie entweder für Ihr altes Gerät einen Umwandler installiert haben oder einen neuen Flachbildschirm besitzen, in den der DVB-C-Tuner integriert ist. Das sollte sicher bei allen Geräten der letzten drei bis vier Jahre der Fall sein.

4. Was muss ich tun, um auf Digital zu wechseln?

Wenn sie einen Flachbildschirm mit einem integrierten DVB-C-Tuner besitzen, dann machen sie einen digitalen Sendersuchlauf (GAW: Frequenz 530 000; Netzwerk ID: 550). Ist Ihr TV-Gerät älter als fünf Jahre, benötigen Sie entweder einen neuen Flachbild-Fernseher oder einen Umwandler, der das analoge in ein digitales Signal umwandelt. Eine sogenannte Set-Top-Box kostet für GAW- und GAG-Kunden 140 Franken. Kunden, welche bereits digital fernsehen, müssen nichts mehr unternehmen.

5. Wo kann ich mich melden, falls ich am 20. Januar Probleme mit meinem Fernseher habe?

Kunden der GAW und GAG können sich am 20. Januar per Telefon oder auch im Shop an die Spezialisten wenden. Man habe sich auf den Tag vorbereitet, sagt GAW-Geschäftsführer Marcel Eheim. Zudem werden die Anrufzeiten die ganze Woche hindurch bis um 21 Uhr verlängert. Auch beim Homeservice – ein Mitarbeiter kommt für 70 Franken zu Kunden nach Hause – ist mehr Personal im Einsatz als üblich. «Ein reduzierter Preis für diesen Tag», wirbt Eheim. Zwar könnte es am 20. Januar zu Wartezeiten kommen, «alles in allem sind wir aber bereit und können einen möglichen Ansturm bewältigen», so Marcel Eheim.

6. Muss ich für das digitale Fernsehen mehr bezahlen?

Nein. Die Signalgrundgebühr bleibt gleich. «Der Vorteil ist aber, dass man nun über 130 Sender empfängt, davon 55 in HD-Qualität», wirbt Marcel Eheim.

7. Darf die GAW überhaupt das komplette Analogangebot streichen?

Ja, sie darf. Der Bundesrat hat den schrittweisen Analog-Ausstieg Mitte 2012 beschlossen. Die bisherige Pflicht, gewisse Sender analog und digital zu verbreiten («Must-Carry-Programme), wird gelockert. Seit Juni 2013 dürfen die Anbieter bereits die entsprechenden ausländischen Sender (u.a. ARD, ORF1, ARTE, 3sat) analog streichen. Ab Anfang 2015 gilt dies nun auch für die inländischen (u.a. SRF1, SRF2, SRFinfo, Tele M1). Wer damit vor 2015 bereits begonnen hatte, musste pro Haushalt einen Umwandler gratis abgeben.

8. Wie sieht es bei den anderen Kabelnetzanbietern der Region aus?

Die Kabelnetzanbieterin UPC Cablecom hat im letzten Jahr in mehr als 70 Gemeinden in diversen Kantonen das analoge Fernsehprogramm abgeschaltet. Laut Andreas Werz, Cablecom-Mediensprecher, ging diese Aktion «reibungslos über die Bühne». «In diesem Jahr werden wir nun die ganze Schweiz vollständig digitalisieren, sprich das analoge Fernsehprogramm komplett abschalten. Dies erfolgt in den verschiedenen Regionen zu unterschiedlichen Zeiten.» Cablecom zählt in der Schweiz insgesamt mehr als 1,4 Millionen Kunden. In den Regionen Herzogenbuchsee, Langenthal und Burgdorf können die Kunden analoges Fernsehen allerdings noch drei Monate länger schauen. Am 28. April erfolge dann aber auch dort die Abschaltung, sagt Beat Bertolosi von der Gemeinschaftsantenne Region Herzogenbuchsee.

9. Warum hat Analog-TV keine Zukunft mehr?

Analoges Fernsehen gibt es in der Schweiz seit 1953. Doch mit der Einführung des digitalen Fernsehens 1999 nahm die Zahl der Sender, die auf derselben Bandbreite Platz haben müssen, stetig zu. Da ein analoger Sender so viel Platz braucht wie zehn einfach digitale oder vier HD-Sender, ist der Abschied vom Analog-Fernsehen ein logisches Zugeständnis an die ständig steigenden Ansprüche der Konsumenten. «Weil wir bereits in den letzten Jahren zunehmend mehr Bandbreite brauchten, sind wir stufenweise mit analog runtergefahren», sagt Geschäftsführer Eheim. «Wir brauchten im letzten Jahr die Bandbreite noch nicht, jetzt aber schon.» Der nächste Schritt für die GAW und die GAG sei es dann, die Bandbreite des Internets auszubauen.