Die AEK nimmt nächstes Jahr Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken komplett aus ihrem Grundversorgungs-Portfolio und beliefert ihre rund 40'000 Kunden nur noch mit CO2-freiem Strom. Das ist gut für die Umwelt, hat aber seinen Preis: Die Kosten für die Privat- und Gewerbekunden werden um durchschnittlich rund 7,6 Prozent steigen, obwohl die AEK ihre Netznutzungstarife wegen tieferer Kosten für das Höchstspannungsnetz und für die Systemdienstleistungen (Netzstabilisierung) senken konnte.

Das Standardprodukt heisst ab 2018 «Energy Blue». Es besteht zu 90 Prozent aus Wasserkraft mit dem Gütesiegel naturemade basic, maximal 7,5 Prozent Wasserkraft mit dem Gütesiegel naturemade star und mindestens 2,5 Prozent Strom aus den neuen erneuerbaren Energiequellen (Sonne, Wind, Biomasse), ebenfalls mit dem Zertifikat naturemade star.
Naturemade ist das Schweizer Gütesiegel für Energie aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen. Es gibt es in zwei Qualitätsstufen.

Mit dem Kauf von naturmade basic wird der Zubau von Solar-, Windkraft- und Biomasseanlagen gefördert. Naturemade star zeichnet besonders umweltschonend produzierte Energie aus und bürgt für die Einhaltung strenger ökologischer Anforderungen. Pro Kilowattstunde Strom wandert ein Rappen in einen Fonds, aus dem Naturschutz- und Renaturierungsprojekte unterstützt werden.

Wer ganz besonderen Wert auf neue erneuerbare Energiequellen legt, kann sich auch für «Energy Green» entscheiden: Mindestens 50 Prozent Solarstrom (möglichst aus der Region) und maximal 50 Prozent regionale Wasserkraft.

Wem der Geldbeutel wichtiger ist als Öko-Zertifikate, kann sich mit «Energy Grey» begnügen: Rund 70 Prozent Kernenergie, 20 Prozent Wasserkraft und 5 Prozent aus Anlagen, die mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) des Bundes gefördert werden.

Bei der AEK betont man natürlich, dass man mit der ökologisch höherwertigen, zertifizierten Produktepalette einen weiteren Schritt hin zu einer noch nachhaltigeren Stromversorgung mache. «Wir leisten mit dem neuen Angebot einen Beitrag zur Umsetzung der Energiestrategie», sagt AEK-Chef Walter Wirth. Er verschweigt aber auch keineswegs, dass es auch darum geht, so den Absatz der eigenen Wasserkraftwerke des Mutterkonzerns BKW zu fördern. Dies zwar mit der Konsequenz, dass die AEK-Kunden tiefer in die Tasche greifen müssen.

Aber dafür seien sie gegen steigende Marktpreise abgesichert, da die AEK-Tarife auf den Gestehungskosten der einheimischen Kraftwerke basieren, so Wirth. Er geht davon aus, dass mit dem Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie, der Abschaltung alter fossiler Kraftwerke, der Klimapolitik der EU und einer gleichzeitig wieder ansteigenden Nachfrage auch die Strompreise auf dem internationalen Markt wieder ansteigen werden, während die Gestehungskosten mit dem BKW-Kraftwerkpark stabil bis tendenziell sinkend seien. Das heisst im Klartext: Mittelfristig, schätzungsweise ab 2020 oder 2021, sollte man im AEK-Versorgungsgebiet wieder einen Stromtarif haben, der nicht über dem Markpreis liegt oder sogar davon profitieren können, dass der grösste Versorger im Kanton bei der Tarifgestaltung nicht den Marktpreisschwankungen unterliegt.

«Die Kunden legen vor allem Wert auf planbare Preise», gibt sich Wirth davon überzeugt, dass der leichte Anstieg im nächsten Jahr auf breite Akzeptanz stossen wird. Die Produktpalette ist schon heute in die Linien «Blue», «Green» und «Grey» unterteilt, 90 Prozent der Kunden setzen auf das Standartangebot «Blue», nur ein Prozent auf «Green». Man geht bei der AEK davon aus, dass es hier zu keinen grossen Verschiebungen kommen wird. Beim Standardtarif steigt der Preis von heute 21,36 auf 22,99 Rappen pro Kilowattstunde.

Für den Durchschnittshaushalt (Fünfzimmerwohnung mit Elektroherd und Tumbler) bedeutet dies Mehrkosten von rund 73 Franken im Jahr oder 6 Franken im Monat. Die Rechnung basiert allerdings auf der aktuellen Förderabgabe für erneuerbare Energien von 1,5 Rappen pro Kilowattsunde, die der Bundesrat mit dem neuen Energiegesetz bis auf 2,3 Rappen erhöhen kann.