Pilzsaison

Achtung Vergiftungs-Gefahr! Der Experte gibt Tipps und zeigt die häufigsten Pilz-Verwechslungen

Urs Widmer hat derzeit jeden Tag eine Menge Pilze zu begutachten.

Derzeit spriessen die Pilze aus unseren Böden. Ob im Wald oder im Garten, die Freude an einem unerwarteten Pilzfund kann ganz schnell zum Drama werden. Es sei denn, jeder Pilzsammler beachtet ein paar einfache Regeln und lässt sich nicht zu unvernünftigem Handeln hinreissen.

Vergangene Woche hatte der Oensinger Pilzkontrolleur Urs Widmer wieder mal so einen Fall: «Eine junge Frau rief mich eines Abends ganz aufgeregt an, sie habe einen weissen Pilz roh gegessen, der in ihrem Garten wuchs. Jetzt seien ihr Bedenken gekommen, dass es sich dabei um einen giftigen Pilz, gar einen Knollenblätter handeln könnte. Sie hatte wirklich Angst.»

Sofort habe er die Frau gebeten, ihm weitere dieser Pilze zu zeigen. Gottseidank konnte der Oensinger Pilzkontrolleur Entwarnung geben. «Es handelte sich um einen Rosablättrigen Egerlingsschirmling, der leicht giftig ist. Allerdings reagieren nicht alle Leute mit Bauchweh und Durchfall. Doch man sollte besser die Finger von diesem Pilz lassen», so Widmer.

Pilzkontrolleur Urs Widmer zeigt die Unterschiede bei Lamellenpilzen

Pilzkontrolleur Urs Widmer zeigt die Unterschiede bei Lamellenpilzen

Vorsicht vor weissen Pilzen

Derzeit wachsen vor allem viele weisse Lamellenpilze, die wie Champignons aussehen in Gärten oder im Wald, weiss der Pilzfachmann. «Und die meisten sind für ungeübte Pilzsammler nur schwer von einem geniessbaren Wiesenchampignon zu unterscheiden. Deshalb gilt die einfachste Regel: Finger weg von diesen Pilzen». Oder seinen Fund auf jeden Fall der Pilzkontrolle zeigen. «Erst gestern kam ein Mann mit einem Korb voller giftigenKarbol-Champignon . Auch diese sind mit dem Wiesenchampignon leicht zu verwechseln, aber giftig.

«Momentan haben mein Kollege Markus Flück und ich als Pilzkontrolleure in Oensingen und Umgebung sehr viel zu tun», erzählt Widmer. «Die Pilze spriessen aus dem Boden». Das Pilzaufkommen wird immer vom Wetter bestimmt. «Letzes Jahr hatten wir sehr viele der hochgiftigen weissen Knollenblätterpilze, dieses Jahr sind es Steinpilze.» Die Pilzwelt ist dynamisch und einem steten Wandel unterworfen. «Ganz bestimmt spüren wir auch die Klimaerwärmung, denn Pilze, die bisher eher in südlichen Gefilden anzutreffen waren, sind heute auch bei uns zu finden.» Auch gebe es invasive Sorten bei den Pilzen. Zum Beispiel der Tintenfischpilz mit seinem starken Aasgeruch. Man sagt, dass er mit Schiffen von anderen Kontinenten eingeschleppt wurde.

Wichtig sei, dass jeder, der gerne Pilze sammelt, sich aber nicht so gut auskennt, mit seinem Fund zur Pilzkontrolle geht. «In vielen Gemeinden – leider nicht mehr in allen – wird dieser Service angeboten.» Ein anderer Tipp ist: Man soll nur jene Pilze mitnehmen, die man auch ganz sicher kennt. «Und wer Champignons essen will, kauft sich besser eine Packung beim Grossverteiler.»

Generell solle man Pilze nicht roh essen, weiss Widmer. «Mindestens zehn Minuten kochen ist ratsam, bei manchen Pilzen sogar 20 Minuten, damit allfällige unverträgliche Stoffe sich verflüchtigen.»

Neue Beurteilungen der Gifte

«Heute würden Pilze für giftig erklärt, die man vor Jahren noch zu den Essbaren zählte», sagt Widmer. «Man weiss inzwischen mehr über die Gifte, dass sich einige davon beispielsweise im Körper kumulieren und eine Pilzart erst nach mehrmaliger Einnahme giftig ist. Zudem hat man heute auch viel exaktere Messmethoden für die Gifte.»

Wer Pilze bestimmen will, muss sich auf sein Auge, seinen Tastsinn und auf seinen Geruchssinn verlassen, weiss der Pilzfachmann. «Jeder Pilzexperte wird vom Kanton Solothurn alle zwei Jahre zu einer Prüfung aufgeboten. So bleibt unser Wissen aktuell und die Leute können sich auf uns verlassen.»

Widmer weiss, dass derzeit viele Leute in den Wäldern zum Pilzsuchen unterwegs sind, dennoch führt das Sammeln nur selten zu dramatischen Vergiftungen. Und noch einen Tipp gibt der Experte: «Es ist verboten, im Dunkeln mit der Taschenlampe im Wald nach Pilzen zu suchen.»

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