Grenzwacht

Achtung Kontrolle: Auch Kriminelle fahren gerne mit dem Zug

Nicht nur die Grenze: Auch auf Bahnlinien im Mittelland kontrollieren die Grenzwächter.Symbolbild/Grenzwacht

Nicht nur die Grenze: Auch auf Bahnlinien im Mittelland kontrollieren die Grenzwächter.Symbolbild/Grenzwacht

In der grossen Menschenmasse in öffentlichen Verkehrsmitteln versuchen Kriminelle häufig, schnell und unauffällig vom einen zum anderen Ort zu reisen. Die Grenzwacht kontrolliert deshalb Züge und siebt Ausländer.

Erst beim dunkelhäutigen Mann halten die beiden Beamten an. Kurz nach Oensingen haben die zivil gekleideten Mitarbeiter des Grenzwachtkorps den Zugwaggon betreten. Es sieht aus, als ob das Beamtenduo ein freies Abteil sucht, doch sie setzten sich nicht. Sie stoppen nur beim dunkelhäutigen Teenager und lassen sich von diesem den Ausweis zeigen.

Seit dem Wegfall der systematischen Personenkontrollen mit dem Schengen-Abkommen Ende 2008 gehören – punktuelle und sporadische – Kontrollen bei Reisenden in Zügen zu den Aufgaben des Grenzwachtkorps. «Wir haben in den letzten Jahren vermehrt ausländische Kriminaltouristen bei unseren Kontrollen in den Zügen angetroffen», sagt Patrick Gantenbein, Informationsbeauftragter der Grenzwachtregion I, zu der auch der Kanton Solothurn gehört.

«Der Bahnverkehr hat gerade bei den grenzüberschreitenden Kriminellen an Bedeutung gewonnen. Man ist schnell unterwegs, man ist anonym und kann leicht in der Masse untergehen.» Eine geladene Pistole, die im Abfallkübel versteckt wurde, fanden die Polizisten bisher ebenso wie Betäubungsmittel. «Die Kontrollen haben sich bewährt, wenn man die Erfolge betrachtet», sagt Gantenbein.

Auf frischer Tat ertappt

Vom Ausland über Basel führt die Route Schmuggler, Osteuropäer mit Einbrechwerkzeugen oder Personen ohne gültige Aufenthaltspapiere ins Mittelland – auch auf die Linie Olten–Solothurn–Biel. Vorletzte Woche konnten die Grenzwächter auf der Höhe von Pieterlen zwei Rumänen im Zug festhalten, die einem anderen Passagier zuvor Ausweis und Bankkarten gestohlen hatten. Beide führten zudem Einbruchwerkzeuge mit sich, einer der Rumänen hatte gar eine Einreisesperre wegen diverser Delikte.

Pro Woche hält die Grenzwache beider Basel, des Aargaus und Solothurns an der Grenze, am Flughafen oder im Zug im Schnitt 80 ausgeschriebene oder tatverdächtige Personen an, griff 27 rechtswidrige Aufenthalter auf und stellte 9 Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz fest. Und fand 97 Private, die in Autos Waren schmuggelten.

Immer wieder Drogen im Zug

«Regelmässig finden wir bei unseren Kontrollen auch Drogen», sagt Patrick Gantenbein. Angehalten werden dabei «Personen, welche die Betäubungsmittel (Heroin, Kokain oder Marihuana im Kilogrammbereich) auf sich tragen oder in den Gepäckstücken verstecken». Und auch Diebesgut ist zwischen den Sitzen oder in Kleidern versteckt.

Wie oft Kontrollen in den Zügen nötig seien, hänge auch von den Orten ab, die die Züge passieren. «Wenn es Umschlagplätze entlang der Bahnlinie gibt, hat dies einen Einfluss», so Gantenbein. Sprich: Olten ist eine dieser kantonalen Drehscheiben, wie die Solothurner Staatsanwaltschaft in ihrem Jahresbericht festgehalten hatte.

Stimmt also das Gerücht, dass in den Zügen auch Drogen transportiert oder gehandelt werden? Laut Grenzwache offenbar ja – wenig ist bei der Solothurner Kantonspolizei zu erfahren. «Zu Gerüchten, beziehungsweise zu möglichen Drogen-Handelsplätzen können wir uns aus taktischen Gründen nicht äussern», sagt Mediensprecher Andreas Mock. Generell führe die Kantonspolizei nur selten Kontrollen in Zügen durch.

Die Rassismusfalle

Ist es nicht heikel, Personen bei Kontrollen nach ihrem Aussehen herauszupicken? «Wir führen keine gezielten Kontrollen nur nach dem Aussehen von Menschen durch. Kriminelle und Schmuggler gibt es unabhängig von der Nationalität», sagt Patrick Gantenbein. Den Vorwurf des Rassismus habe es von Betroffenen aber schon gegeben – und er sei auch bewusst als «Karte» gegen Beamte ausgespielt worden.

Für die Mitarbeiter seien solche Kontrollen ein Dilemma: Einerseits könne es sich immer um Durchreisende oder gar Schweizer handeln, andererseits benötigten gerade Personen aus afrikanischen und asiatischen Ländern im Gegensatz Visa.

Offenbar stehen die kontrollierenden Beamten im Zug selbst auch unter Beobachtung – gerade in Bezug auf das Thema Rassismus. «Bei Kontrollen im Zug sind die Beamten nie allein. Sie handeln im öffentlichen Raum – wie auf einer Bühne», sagt Patrick Gantenbein. Die soziale Kontrolle der Kontrolleure sollte also durch die anderen Passagiere funktionieren.

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