Es geht um Geld, um sehr viel Geld. Die stets (berechenbar) etwas andere Wochenzeitschrift «Weltwoche» zeigt mit dem Finger auf das Solothurner Stadtpräsidium und schreibt in ihrer jüngsten Ausgabe von Abzockerei.

Nun schaut die Schweiz verwundert ins nette Ambassadoren-Städtchen und fragt sich, ob am Jurasüdfuss der Goldrausch ausgebrochen sei. Nein, liebe Schweizerinnen und Schweizer, ist er nicht. Zumindest kein goldener. Was den Rausch anbelangt, halten wir mit Nüchternheit dagegen.

Diese präsentiert sich wie folgt: Auf dem Lohnausweis 2011 von Stadtpräsident Kurt Fluri findet man in der Spalte Bruttolohn die Summe 259'273 Franken. Verwaltungsrat Kurt Fluri kommt zusätzlich in den Genuss von mindestens 77'000 Franken an Honoraren (ohne Sitzungsgelder). Nationalrat Kurt Fluri erhält für seine Tätigkeit im nationalen Parlament 134'000 Franken (ein Durchschnittswert gemäss Parlamentsdienste).

Mehr Lohn als ein Bundesrat

Wir zählen zusammen und stellen nüchtern fest: Es ist mehr als ein Bundesrat verdient. Bevor sich Ernüchterung breitmacht, soviel: Die von Kurt Fluri deklarierten
77'000 Franken Honorare liefert er der Stadt ab, da diese Summe aus Mandaten stammt, die mit seinem Amt zusammenhängen.

Nochmals 20'000 Franken dürfen wir ihm für die nationalrätlichen Sekretariatsdienste abziehen (nur so nebenbei: das ist keine fürstliche Bezahlung. Zumal bekannt ist, dass die Nutzung elektronischer Hilfsmittel nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen Fluris zählt).

Was entnehmen wir dem ganzen Zahlensalat: Der aktuelle Solothurner Stadtpräsident kommt in der Tat auf ein Einkommen von rund 380'000 Franken. Dabei nehmen wir zur Kenntnis, dass Kurt Fluri keine Stadträte zur Hand gehen, er quasi einen Teil seines Stadtlohnes refinanziere und jede Stadt eben ihre Eigenheiten habe - Argumentation des angeprangerten Politikers.

Stattliche Zahlen, keine Frage. Die Bezüge sind jedoch alle legal und von Gremien abgesegnet. Doch sie sind - das ist nicht unbedeutend - auch nicht in Stein gemeisselt. So hat zum Beispiel die Stadt Bern beschlossen, dass für den Stapi 200'000 Franken genug seien.

Doppelmandate

Und dass Nationalräte mit Doppelmandat den grösseren Teil ihres Bezugs abzuliefern haben. FDP-Mann Kurt Fluri bewegt sich also nicht im luftleeren Raum. Wir haben es hier bei allem Stirnrunzeln in erster Linie mit einer hochpolitischen Angelegenheit zu tun. Die bisher von einer Mehrheit nicht gross hinterfragt wurde.

Das liebe Geld, sicherlich der Aspekt mit dem medienträchtigsten Reizstoffpotenzial. Geht es aber eigentlich nicht um mehr? Um eine Gesamtschau und damit auch um den Menschen Kurt Fluri. Den fünffachen Familienvater mit Drei- bis Vierfachbelastung.

Ist es richtig, wenn zwar hüben wie drüben anerkennend genickt wird, wenn sich ein engagiertes Mitglied der Gesellschaft überdurchschnittlich ins Zeug legt, jedoch alle wegschauen, wenn sich dessen Belastbarkeitsgrenzen zu verwischen drohen? Das Modell Fluri ehrt die Person, aber es hat keine Zukunft. Die Zeiten sind zu hektisch, zu anspruchsvoll geworden.

Wir sprechen hier von Geld, von politischen Entscheiden - letztlich geht es aber auch um die gesellschaftliche Einflussnahme, sprich Mitverantwortung von uns allen. Beides sollte in einem Kanton wie Solothurn eigentlich noch spielen.