Solothurner Spitäler
Abtretender Präsident Kurt Altermatt: «Die Spitäler AG ist für die Zukunft gerüstet»

Kurt Altermatt, Direktionspräsident der Solothurner Spitäler, geht in Pension. Er zieht Bilanz und spricht über die künftigen Herausforderungen. Dazu zählen auch die Sparmassnahmen der Regierung.

Elisabeth Seifert
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Kurt Altermatt, 62, hat die Solothurner Spitäler AG in seiner Funktion als CEO wesentlich geprägt.

Kurt Altermatt, 62, hat die Solothurner Spitäler AG in seiner Funktion als CEO wesentlich geprägt.

Hanspeter Baertschi

Seit der Gründung der Solothurner Spitäler AG im Jahr 2006 stehen Sie dieser vor. Ende November gehen Sie in Pension. In welchem Gesundheitszustand überlassen Sie die soH Ihrem Nachfolger?

Kurt Altermatt: Die Solothurner Spitäler AG ist ein gesundes Unternehmen, das im regionalen Markt über eine gute Position verfügt. Das Spital ist auch für die künftigen Herausforderungen gerüstet. In den letzten Jahren haben wir die dafür nötigen Anpassungen in der Struktur der Standorte und beim Leistungsangebot vorgenommen. Die soH ist mit diesen neuen Strukturen für die Zukunft gut gerüstet. Zudem verfügt die Spitäler AG mit dem geplanten Neubau des Solothurner Bürgerspitals sowie den anderen bereits realisierten Umbau- und Neubauprojekten über eine moderne Infrastruktur.

Zur Person

Am 30. November beendet Kurt Altermatt seine Berufslaufbahn. Von der Gründung der Solothurner Spitäler AG (soH) am 1. Januar 2006 bis jetzt stand der promovierte Ökonom dieser als Direktionspräsident vor. Von 1986 bis zum Jahr 2000 war er Chef der kantonalen Finanzverwaltung. Danach wirkte er als Verwaltungsratsdirektor der Universität Basel. Kurt Altermatt ist 62 Jahre alt. Er ist geschieden und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin wohnt er in Solothurn. (esf)

2012 musste die soH als Folge der neuen Spitalfinanzierung ein Defizit von 5,3 Mio. Franken hinnehmen. Können Sie eine Prognose für das Geschäftsjahr 2013 abgeben?

Nach sieben positiven Abschlüssen haben wir 2012 erstmals ein Defizit ausweisen müssen. Für 2013 sind unsere Abschlussprognosen positiv. Wie im Budget 2013 vorgesehen, wird sich der Gewinn in der Grössenordnung von zwei bis drei Millionen Franken bewegen. Das hat vor allem damit zu tun, dass wir bei den Fallzahlen deutlich über dem Niveau des Jahres 2012 liegen. Bei den stationären Fällen haben wir einen Zuwachs von rund fünf Prozent und bei den ambulanten Fällen ein Wachstum von sogar sieben bis acht Prozent.

Wie erklären Sie sich diese Verbesserung gegenüber 2012?

Wir haben in den Jahren 2011 und 2012 in den Aufbau von neuen medizinischen Leistungsangeboten investiert, die sich jetzt nach einer Anlaufphase auszahlen. Besonders erfolgreich ist das Herzkatheter-Labor in Solothurn oder auch der Aufbau des Dialyse-Zentrums in Olten. Mehr Fälle bedeuten immer auch mehr Einnahmen. Der Aufbau solcher Leistungsangebote hat aber auch einen höheren Personalbedarf zur Folge und verursacht höhere Kosten, die gedeckt werden müssen.

Der Kostendruck wird mit den Sparmassnahmen der Regierung noch höher. Längerfristig muss die soH mit einem Minus von jährlich 19 Mio. Franken rechnen. Das ist ein rechter Brocken ...

Das ist eine riesige Herausforderung. Mit dem Budget 2014 ist es uns jetzt gelungen, die im nächsten Jahr wirksam werdenden Massnahmen in der Höhe von dreieinhalb bis vier Millionen Franken auszugleichen. Wir rechnen 2014 mit einem positiven Abschluss. Anders sieht es beim Finanzplan für die Jahre 2015 bis 2017 aus. Hier können wir noch nicht aufzeigen, wie wir die Kürzungen auffangen. Deshalb sind wir jetzt auch sehr gespannt auf den Ausgang der Gespräche am runden Tisch und den definitiven Massnahmenplan des Kantons.

Sparmassnahmen in diesem Umfang werden sicher nicht spurlos an der soH vorübergehen ...

Es ist sehr schwierig, über vier Jahre hinweg solche Reduktionen umzusetzen. Gut 70 Prozent unserer Ausgaben betreffen Personalkosten. Deswegen können wir die Massnahmen der Regierung, die sich ab dem Jahr 2018 auf insgesamt 19 Mio. Franken belaufen, nicht auffangen, ohne auch beim Personal zu sparen. Konkret bedeutet das, dass wir bei gleichen oder höheren Leistungen Personal abbauen müssten. Bei der Höhe der Löhne gilt der Gesamtarbeitsvertrag des Staatspersonals und dazu stehen wir.

Ein Personalabbau hätte auch eine Leistungsreduktion zur Folge?

Die Spitäler AG ist ein Grundversorgungsspital. Anders als manche Privatspitäler sind wir als öffentliches Spital keine Rosinenpicker. Das aber bedeutet, dass wir auch Leistungen anbieten, die keinen Gewinn abwerfen oder bei denen sogar ein Verlust resultiert. Unter dem Spardruck müssen wir uns aber zunehmend fragen, ob wir solche Leistungen weiter anbieten können.

Welche Leistungen müssten Sie überdenken?

Ein Beispiel ist die Langzeitpflege. Als Spital können wir Langzeitbetten nicht zu den gleichen Tarifen anbieten wie die Pflegeheime. Die Heime kommen aufgrund der langen Aufenthaltsdauer der Bewohner auf ihre Rechnung. Bei uns halten sich die Patienten kürzer auf und das während einer Zeit, in der die Pflegebedürftigkeit hoch ist. Deshalb hat uns der Kanton bis jetzt einen Zuschlag bezahlt, der aber als Folge der Sparmassnahmen gestrichen wird. Wir sind damit kaum mehr in der Lage, Langzeitbetten wie bisher im Sinne einer Zwischenlösung anzubieten, bis jemand einen Platz im Heim findet oder nach Hause zurückkehren kann. Das bedeutet, dass die Heime verpflichtet werden müssten, die Patienten viel schneller aufzunehmen.

Der stete Kostendruck führt dazu, dass das Spitalpersonal über eine hohe Arbeitsbelastung klagt. Was sagen Sie dazu?

Die deutliche Leistungssteigerung gegenüber dem Vorjahr hat der Pflege und den Ärzten sehr viel abverlangt. Aufgrund des Defizits im Jahr 2012 waren wir sehr zurückhaltend damit, Pensen zu erhöhen oder neues Personal anzustellen. Im Budget 2013 haben wir die Personalkosten bewusst etwas unter dem effektiven Personalbedarf gehalten. Wir haben mit einem Sommerloch gerechnet, das sich dann aber nicht eingestellt hat.

Den prognostizierten Gewinn für das Jahr 2013 erzielen Sie also auch wegen zu tief angesetzter Personalressourcen?

Der Gewinn geht, wie gesagt, in erster Linie auf die höheren Fallzahlen zurück. Aufgrund der Erfahrungen im 2013 entsprechen die Personalkosten im Budget 2014 aber jetzt dem effektiven Personalbedarf. Und wir können trotzdem ein ausgeglichenes Budget präsentieren.

Vor dem Hintergrund des permanenten Sparauftrags machen die hohen Löhne mancher Chefärzte böses Blut. Müsste man diese nicht senken?

Interkantonale Lohnvergleiche zeigen, dass die soH bei den Löhnen der leitenden Ärzte und auch der Chefärzte im Mittel liegt. In kaum einer ärztlichen Fachdisziplin gibt es heute noch Ärzte wie Sand am Meer. Und es gibt zunehmend Disziplinen, in denen es sehr schwierig ist, Ärzte zu finden. Das führt dann auch zu dieser scharfen Ungleichverteilung in den Löhnen der Ärzte, die vielen sauer aufstösst. Es spielen hier aber die Gesetze des Marktes.

Neubau Bürgerspital: «Kostenrahmen wird eingehalten»

Im Juni 2012 hat das Solothurner Stimmvolk dem Neubaukredit für das Solothurner Bürgerspital in der Höhe von 340 Mio. Franken zugestimmt. Die Arbeiten im Hinblick auf den geplanten Baubeginn im Jahr 2015 sind «im Zeitplan», wie Kurt Altermatt, Direktionspräsident der Solothurner Spitäler AG, festhält. In den letzten Monaten hat die soH in einem internen Prozess den Flächenbedarf im Detail bereinigt und das Vorprojekt abgeschlossen. «Als Nutzer des Bürgerspitals haben wir die Pläne unterschrieben.»
Bis Frühling 2014 erarbeiten die Architekten jetzt die Detailplanung und erstellen die Kostenrechnung. «Wir als Nutzer der neuen Spitalinfrastruktur hatten für die Ausführungsplanung einen rigorosen Rahmen, was die benötigte Fläche und die Kosten betrifft», betont Kurt Altermatt. Während der Ausführungsplanung seien Wünsche geäussert worden, «die wir aber alle zurückgestellt oder mit Einsparungen kompensiert haben, um den Kostenrahmen einzuhalten». (esf)

Ihr Nachfolger als CEO der Solothurner Spitäler AG verdient 100 000 Franken pro Jahr mehr als Sie. Waren Sie so schlecht bezahlt?

Ich will mich zu den Anstellungsbedingungen meines Nachfolgers nicht äussern.

Seit knapp zwei Jahren ist die neue Spitalfinanzierung mit dem System der Fallpauschalen in Kraft. Welche Bilanz ziehen Sie?

Die Fallpauschalen, die den Preis für eine Behandlung festlegen, haben viel an Transparenz und Vergleichsmöglichkeiten gebracht. Wir haben unsere Prozesse optimiert und die soH bleibt hier weiterhin dran. Im interkantonalen Vergleich liegen wir heute mit den Kosten im Mittelfeld.

Wird das Gesundheitswesen günstiger durch die neue Spitalfinanzierung?

Da habe ich meine Zweifel. Zwar führt das neue System zu günstigeren Behandlungsprozessen. Auf der anderen Seite aber ist der administrative Aufwand in den Spitälern mit den Fallpauschalen enorm gestiegen. Für jeden einzelnen Patienten müssen die Fallkosten präzis errechnet werden. In komplexen Fällen, wo mehrere Diagnosen zusammenkommen, wird das ganz besonders schwierig und damit auch teuer.

Sie haben als CEO der Spitäler AG den Prozess der Verselbstständigung wesentlich mitgeprägt. Was ist besonders gut gelungen?

Die Bereinigung der Spitalstandorte ist gut gelungen. Diese Aufgabe hat uns bei der Gründung der soH im Jahr 2006 grosse Sorgen gemacht. Wir haben mit einem grossen Widerstand bei der Schliessung der Klinik Allerheiligenberg gerechnet. Auch die Umwandlung des Spitals Grenchen in ein Gesundheitszentrum ging gut über die Bühne. Schwieriger als erwartet ist hingegen die Entwicklung des Bewusstseins der Mitarbeitenden, dass die Spitäler AG ein Spital mit mehreren Standorten ist. Es ist und bleibt eine grosse Herausforderung zu bestimmen, welche Leistungen wir an beiden Standorten in Solothurn und Olten anbieten und welche nur an einem Ort. Zurzeit haben wir noch bei fast allen Behandlungen entsprechende Angebote in Solothurn und in Olten. Unter dem Spardruck müssen wir aber wohl gerade bei diesem wohnortsnahen Service vermehrt Abstriche machen.

Die Politik drängt darauf, dass die Spitalimmobilien in den Besitz der soH übergehen. Und Sie?

Ich habe Mühe damit, dass man sich so auf diese Eigentumsfrage fixiert. In der Wirtschaft generell muss der Betreiber nicht gleichzeitig auch der Eigentümer sein. Wir als soH brauchen ein Spital. Ob wir aber im Besitz der Immobilien sind, ist egal. Im Gegenteil: Dank dem, dass die soH Mieterin ist, sind wir sehr flexibel. Bei der Schliessung der Klinik Allerheiligenberg zum Beispiel war für uns die Angelegenheit nach der Kündigungsfrist abgeschlossen.

Die unternehmerische Freiheit bleibt aber doch immer etwas eingeschränkt, wenn die soH nicht im Besitz der Immobilien ist?

Die unternehmerische Freiheit der soH ist allein dadurch eingeschränkt, dass wir einen gesetzlichen Auftrag haben, nämlich die Spitalversorgung im Kanton Solothurn sicherzustellen. Damit können wir nicht zum Beispiel irgendwo im Kanton oder in der Schweiz Standorte aufbauen oder schliessen. Es braucht dafür eine gesellschaftliche Akzeptanz. Umgekehrt ist der Kanton aber auch daran interessiert, uns die nötige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, damit wir unseren Auftrag erfüllen können. Ich bin überzeugt, dass wir in diesem Rahmen über genügend unternehmerisch Freiheit verfügen.

Wie sieht Ihr persönlicher Alltag nach dem 30. November 2013 aus?

In den nächsten Wochen werde ich erst einmal eine Pause machen und Distanz gewinnen. Zu diesem Zweck fliege ich Mitte Dezember für ein paar Wochen nach Neuseeland. Ich verspüre grosse Lust, unsere Welt besser kennen zu lernen. Bis jetzt bin ich in meinem Leben relativ wenig gereist. Zudem möchte ich künftig auch viel mehr Zeit in der freien Natur verbringen. Weiter will ich mich gerne mit der Übernahme von Mandaten sowie im Rahmen von Freiwilligenarbeit für die Gesellschaft engagieren.