Cäsar Eberlin

Abtretender Chef des Amtes für Kultur: «Im Kanton fehlt die kulturpolitische Debatte»

43 Jahre stand Cäsar Eberlin im Dienst der kantonalen Kultur. Jetzt geht er in Pension. Ein Rückblick auf Sparmassnahmen, Leuchttürme, Lotteriefondsgelder und «grosse Brocken».

Cäsar Eberlin, nach 15 Jahren Leitung des Amtes für Kultur und Sport gehen Sie in Pension. Fällt da viel Ballast ab?

Cäsar Eberlin: Das ist nicht der richtige Begriff. Ich würde sagen: Erleichterung. Grosse Projekte sind zum Ende meiner Tätigkeit zum Abschluss gebracht worden, zum Beispiel die Sanierung des Museums Altes Zeughaus in Solothurn, das kantonale Museumskonzept, die Kunst am Bau der JVA Deitingen, der Bau des Neuen Theaters Dornach … Ich bin zufrieden.

Sie arbeiteten ganze 43 Jahre für die kantonale Kultur, ab 2001 gar als Amtschef. Erinnern Sie sich noch an Ihre Anfänge? Es war ja keine einfache Zeit für die Kultur damals.

Am schwierigsten waren die Jahre der So-plus-Massnahmen, die Ende der Neunzigerjahre begannen. Das hiess, Schliessung des Kulturzentrums im Palais Besenval in der Stadt und Einzug des Amtes ins Bedienstetenhaus auf Schloss Waldegg. Dieses musste aber noch restauriert werden.

Ich erinnere mich auch, dass die Wogen damals hochgingen.

Ich habe immer positiv gedacht. Die Konzentrierung des Amtes auf der Waldegg machte schon Sinn, obwohl viel diskutiert wurde. Doch von den Kulturschaffenden selbst war damals kein Widerstand zu vernehmen.

Sie arbeiteten ja unter diversen Departementschefs. Wie war die Zusammenarbeit mit den Einzelnen?

Ich habe über all die Jahre betrachtet, wirklich tolle Chefs gehabt, da möchte ich keinen herausstreichen. Alle hatten einen grossen Sinn für Kultur: Wyser, Schneider, Gisi, Fischer und jetzt Ankli. Da hab ich wirklich auch Glück gehabt. Ich möchte keinen missen.

Noch immer verteilt der Kanton Solothurn sein Kulturfördergeld aus dem Lotteriefondstopf. Ein Umstand, den Sie immer nur leise kritisierten. Und heute?

Es hat keinen Sinn, etwas zu fordern, wenn man in Kauf nehmen muss, dass kein politisches Verständnis da ist. Dann behält man lieber das, was man hat. Pro Jahr konnten rund 6 Mio. Franken aus dem Lotteriefonds verteilt werden. Doch heute sage ich, dass sich die Politik nun mal ernsthaft Gedanken machen sollte, insbesondere die Kulturpflege ins ordentliche Budget aufzunehmen. Das wird eine der künftigen Aufgaben sein. So fände im Parlament auch eine kulturpolitische Diskussion statt, welche es heute nicht gibt. Dennoch: dass man den Lotteriefonds neben der Kulturförderung auch für Dinge wie einen Auftritt am Sechseläuten oder an der Olma nutzt, finde ich richtig. Kulturpflege, wie eine Kantonsgeschichte, ein Flurnamenbuch oder das immaterielle Kulturerbe und die Ausgaben dafür sollten aber budgetrelevant sein.

Dabei gilt Solothurn doch als Kulturkanton?

Ja, aber dies ist den vielen privaten Kulturförderern und Institutionen oder auch einer Stadt wie Solothurn zu verdanken, die ja sehr viel für Kultur aufwendet.

Politisch diskutiert wird jetzt beispielsweise die Forderung nach einer Regelung zur Bewahrung von Kunst im öffentlichen Raum.

Ich finde die Diskussion über dieses Thema wichtig. Dennoch bin ich eigentlich der Ansicht, man sollte die Frage, ob ein Kunstwerk, das in der Öffentlichkeit steht, restauriert wird oder nicht, von Fall zu Fall entscheiden und nicht in einem Reglement festschreiben. Dass man beispielsweise Schang Hutters Skulptur vor der Kantonsschule Solothurn restaurierte, war immer unbestritten. Hingegen bin ich auch heute noch nicht glücklich darüber, dass man für die Robert-Müller-Plastik vor der Pädagogischen Hochschule Solothurn so viel Geld für die Renovation aufgewendet hat. Das Kunstwerk ist heute nicht mehr dasselbe. Gewisse Objekte haben nun einmal eine beschränkte Lebensdauer. Besser finde ich, neue Kunst zu fördern und da zu investieren.

Ist das Kuratorium für Kulturförderung das richtige Instrument? Sie haben in anderen Kantonen auch andere Instrumente kennen gelernt ...

Ich finde das Kuratorium immer noch eine sehr gute Sache. Ein kleines, eigentliches Kulturparlament, welches unabhängig und fachlich arbeitet. Klar, gibt es Diskussionen oder Meinungsverschiedenheiten; das soll auch so sein. Beweisen lässt sich aber die gute Arbeit des Kuratoriums mit der Zufriedenheitsmessung der Gesuchsteller. Zu 30 Prozent werden Gesuche um Finanzierung abgelehnt, und nur 2 Prozent davon wollen eine Wiedererwägung.

Was gefiel Ihnen eigentlich besonders gut an Ihrem Amt?

Dass ich viel Gestaltungsspielraum hatte. Die Idee, ein halbjähriges Atelier in Paris einzuführen oder sich für einen Neubau des Theaters Dornach einzusetzen – das sind Ideen, die auf meinem Mist gewachsen sind. Zusammen mit dem Departementsvorsteher kann man in diesem Amt strategisch mitbestimmen und Schwerpunkte setzen.

Welche grösseren Aufgaben kommen auf Ihre Nachfolgerin zu?

Die Erneuerung der Zentralbibliothek Solothurn ist ein grosser Brocken, der bald angegangen werden muss, denn die «Zenti» ist das wichtigste Kulturinstitut, das der Kanton zusammen mit den andern Trägern betreibt. Ich behaupte, sie ist auch die wichtigste nicht universitäre Bibliothek der Schweiz. Diese muss jetzt endlich infrastrukturell und finanziell so aufgegleist werden, damit sie auch in Zukunft ihre Aufgaben erfüllen kann.

In ihrer langen Tätigkeit gab es ja nicht immer nur Zustimmung. Wie sind Sie mit Kritik umgegangen?

Kritik kann man ja oft voraussehen, wenn man strategisch denkt. Und so konnte ich immer sehr gut damit umgehen. Getroffen hat es mich dann, wenn ich es nicht erwartete. Zum Beispiel bei der schweizweit geführten Diskussion um die Kunst am Bau in der JVA-Schachen. Da hat man mich auf dem linken Fuss erwischt. Doch jetzt wurde diese Kunst am Bau noch mit einem Architekturpreis ausgezeichnet. Was will man mehr.

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