Auf einen Kaffee mit
Abtretende Präsidentin des Landfrauen- und Bäuerinnenverbandes: «Ich bekam auch auf den Deckel»

Auf einen Kaffee mit... Rita Hänggi, abtretende Präsidentin des Landfrauen- und Bäuerinnenverbandes des Kantons Solothurn.

Rebekka Balzarini
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Rita Hänggi beim Gespräch im Café Knaus in Oensingen.

Rita Hänggi beim Gespräch im Café Knaus in Oensingen.

Hanspeter Bärtschi

Rita Hänggi hat viele Gesichter: Sie ist Bäuerin, Wirtin, Präsidentin des Landfrauen- und Bäuerinnenverbandes des Kantons Solothurn. Und bald auch Seglerin auf dem Mittelmeer. Im März gibt sie ihr Amt als Präsidentin der Solothurner Landfrauen und Bäuerinnen ab, und kurz darauf startet sie in ihr nächstes Abenteuer: Im Sommer segelt sie gemeinsam mit ihrem Mann der spanischen Küste entlang, im Winter um die Kanarischen Inseln herum. «Wir wollen einen neuen Schritt wagen und nur noch machen, was wir müssen. Und was uns gefällt», erzählt sie. Rita Hänggis Händedruck ist fest, ihre Augen hinter dem schwarzen Brillengestell wach. Seit Jahren steht sie immer wieder an der Spitze von Vereinen und Verbänden. Präsidentin des Landfrauen- und Bäuerinnenverbandes des Kantons Solothurn war sie für sechs Jahre, zuvor war sie sieben Jahre im Vorstand. «In dem Amt kann man viel bewegen», erzählt Hänggi, «aber es braucht auch viel Zeit.»

Zeit, die Rita Hänggi eigentlich gar nicht hatte. Denn fast gleichzeitig mit dem Amt als Präsidentin übernahm sie im Jahr 2014 auch die Pacht der Bergwirtschaft Erzberg auf dem Scheltenpass. Zuvor arbeitete sie viele Jahre auf dem Familienbetrieb in Nunningen. Zeit für Erholung blieb ihr deshalb zu Beginn ihrer Amtszeit nicht: «Der schöne Sonnenaufgang war meine Erholung», sagt sie. Und an ihren freien Tagen fuhr sie mit ihrem Mann mit dem Wohnmobil weg, um sich von dem Gewusel auf dem Berg zu erholen.

Trotzdem hat Rita Hänggi während ihrer Amtszeit als Präsidentin des Landfrauen- und Bäuerinnenverbandes des Kantons Solothurn einiges angepackt: Sie führte die klassischen Dienstleistungen wie den Landfrauendienst und den Haushaltsservice weiter, und während ihrer Amtszeit entstanden der Apéroservice «so-fein» und das Projekt «Tavolata», das gegen Isolation und Einsamkeit im Alter kämpft.

Frauenstreik und Frauenrechte

Ausserdem versuchte sie, die Landfrauen und Bäuerinnen für die Politik zu begeistern. Dazu gehört für Hänggi auch, sich für feministische Anliegen starkzumachen. Die Solothurner Bäuerinnen und Landfrauen unterstützten im letzten Jahr den Bäuerinnen-Appell, den Swissaid zusammen mit dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband lanciert hatte. Die Petition will auf einen Missstand auf vielen Schweizer Bauernhöfen aufmerksam machen: Dort arbeiten viele Frauen gratis, laut einer Studie aus dem Jahr 2015 erhält nur knapp ein Drittel einen Lohn. Das wird für die Frauen etwa nach einer Scheidung zum Problem, oder wenn ihr Partner stirbt und sie den Hof nicht alleine bewirtschaften kann.

Sollten die Landfrauen und Bäuerinnen mit ihrem Anliegen beim Bundesrat und Parlament Gehör finden, dann könnten sie laut Hänggi in der Schweiz eine Vorreiterrolle übernehmen: «Unser Anliegen betrifft ja alle Frauen, die nicht offizielle berufstätig sind. Also auch Hausfrauen oder Frauen, die in KMU mitarbeiten.» Dass Hänggi sich sehr für politisches Engagement der Frauen einsetzte kam nicht immer gut an. «Ich bekam manchmal auch auf den Deckel dafür», erzählt sie. In einer Partei war Rita Hänggi trotz ihrem grossen Interesse für Politik nie. «Die Landfrauen und Bäuerinnen machen Sachpolitik, keine Parteipolitik», betont sie. Ihr Interesse für die Politik und für die Anliegen der Frauen auf den Bauernhöfen wird sie wohl beibehalten – auch wenn sie es auf dem Segelboot im Mittelmeer etwas ruhiger angehen lässt.