Gastautor
Abhängigkeiten von Konzernen und KMU

Daniel Probst
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Trotz orangem Fahnenmeer im ganzen Land ist die Konzernverantwortungsinitiative gescheitert. (Archivbild)

Trotz orangem Fahnenmeer im ganzen Land ist die Konzernverantwortungsinitiative gescheitert. (Archivbild)

Benjamin Manser

Der letzte Abstimmungssonntag hallt nach. Die Initianten der Konzernverantwortungs­initiative bezeichnen die Gegner weiterhin als Lügner und trauern dem scheinbar knappen Entscheid nach. Nüchtern betrachtet wurde das Volksbegehren mit 14,5 zu 8,5 Standesstimmen deutlich verworfen. Zwar resultierte am Ende ein äusserst knappes Volksmehr. Wäre jedoch nur schon eine Woche später abgestimmt worden, wäre die Initiative wahrscheinlich auch vom Volk abgelehnt worden. Die Erfahrung zeigt, dass Volksinitiativen an Zustimmung verlieren, je länger die Debatte dauert.

Sehr bedenklich im Abstimmungskampf war einmal mehr, wie versucht wurde, eine einfache Welt mit grossen, bösen Konzernen auf der einen – und kleinen, verantwortlich handelnden KMU auf der anderen Seite zu zeichnen. Die entsprechende Rhetorik kam dieses Mal hauptsächlich von links. Wenn es um andere Themen wie zum Beispiel die Zuwanderung geht, hört man es auch mal von rechts.

Dabei kann man es gar nicht genug betonen: die Konzerne sind die Treiber unseres Wohlstands. Gemessen an der Bevölkerung verfügt kein Land über mehr multinationale Unternehmen als die Schweiz. Dank attraktiven Rahmenbedingungen, tiefen Steuern, politischer Stabilität und hervorragend ausgebildeten Fachkräften.

Schweizweit zählten die multinationalen Unternehmen im Jahr 2018 rund 1,4 Millionen Beschäftigte, was einem Anteil von rund 27,2 Prozent aller Beschäftigen entspricht. Im Kanton Solothurn liegt der Anteil mit rund 43'000 Beschäftigten sogar überdurchschnittlich bei hohen 29,8 Prozent. Noch bedeutender sind die indirekten Effekte. Viele KMU profitieren als Zulieferer, Dienstleister oder durch gewerbliche Aufträge von den Grossunternehmen. Unter dem Strich geht rund die Hälfte der Beschäftigten auf die Konzerne zurück. Gleichzeitig profitieren die Multinationalen natürlich auch von den qualitativ hochwertigen Leistungen der heimischen Dienstleistungserbringer und Gewerbetreibenden.

Auch bei der Forschung und Entwicklung ist die Abhängigkeit von den multinationalen Unternehmen gross. Wir freuen uns regelmässig über die Spitzenplätze der Schweiz in internationalen Innovationsrankings. Natürlich tragen auch KMU dazu bei, wenn es um die Lancierung von neuartigen Produkten und Dienstleistungen geht. Ohne die enormen Anstrengungen der Konzerne jedoch, insbesondere der Pharma-Multis, würden wir als Schweiz jedoch unter ferner liefen figurieren.

Asymmetrisch zeigt sich die Verteilung auch bei den Steuererträgen. Im Kanton Solothurn bezahlen 8,2 Prozent der juristischen Personen 68,4 Prozent der gesamten Gewinnsteuern. In der Regel bezahlen Grossunternehmen auch höhere Löhne und tragen so einen wesentlichen Beitrag für ein im internationalen Vergleich hohes Pro-Kopf-Steueraufkommen bei – trotz markant tieferen Steuersätzen. Und schliesslich sind Schweizer Multis überall auf der Welt gern gesehene Investoren. Nicht selten nehmen Schweizer Konzerne insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern in Sachen Ausbildung, Infrastruktur und Umweltschutz weltweit beachtete Pionierrollen ein.

Damit wären wir wieder bei der abgelehnten Konzernverantwortungsinitiative. Wenn Sie bei der nächsten politischen Debatte wieder jemanden gegen die Konzerne unseres Landes wettern hören, dann erinnern Sie die Person daran, dass die Hälfte der Arbeitsplätze und Lehrstellen direkt und indirekt von diesen Firmen abhängt und dass der Steuertopf von wenigen Grossen gefüllt wird.

Die gegenseitigen Abhängigkeiten von Konzernen und KMU sind enorm. Nur wenn wir zu allen Unternehmen Sorge tragen, wird unser schweizerisches Erfolgsmodell auch künftig Bestand haben.

Daniel Probst, Direktor Solothurner Handelskammer

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