Es war 2015 eine der wenigen Schlagzeilen rund um die Feuerwehr, bei der es um keinen Brand ging: Im Juli verlor der Grenchner Feuerwehrkommandant Bruno Bider sein Kommando, weil er mit Alkohol am Steuer erwischt worden war. Im September wurde er von der Stadt freigestellt. Doch jetzt zeigt sich: Bider ist nach wie vor Präsident des kantonalen Feuerwehrverbandes – und damit einer der höchsten Feuerwehr-Repräsentanten im Kanton.

Am vergangenen Samstag fand die Delegiertenversammlung des Verbandes in Hofstetten statt – mit Bider als Präsident. «Die Rolle von Bruno Bider war unter den Delegierten kein Thema. Sie sehen kein Problem», sagt Andreas Häfliger, Presseverantwortlicher des Verbandes.

Bider habe im Vorfeld offiziell kommuniziert, dass er sein Amt zur Verfügung stellt, wenn dies gewünscht wird und jemand anderes übernimmt. Bider ist inzwischen als Miliz-Offizier Mitglied einer neuen Feuerwehr und kann deshalb laut Statuten Präsident bleiben. «Ich habe klar kommuniziert, was gelaufen ist, und habe die Karten auf den Tisch gelegt», sagt Bruno Bider auf Anfrage. «Das wurde akzeptiert. Abgesehen von diesem Vorfall wurde akzeptiert, dass die Arbeit, die ich gemacht habe, nicht so schlecht war.» Zudem habe er schon vor zwei Jahren gesagt, dass er nur noch bis 2017 Präsident bleibe.

Auflösungserscheinung: Einzelne Sektionen überlegen Austritt

Der Verband leidet auch an strukturellen Problemen. Einzelne Sektionen wenden sich vom Kantonalverband ab. Eine der 87 Sektionen im Kanton gab 2015 den definitiven Austritt. Zwei weitere Sektionen haben dies beim Verband beantragt, der Antrag wurde nun aber bis Ende 2016 sistiert.

Und sogar der Bezirksverband Dorneck-Thierstein mit seinen 21 Sektionen hat kürzlich gerade über seine Auflösung abgestimmt, wartet nun aber nochmals ein Jahr, um die angedachte Neuorganisation abzuwarten: «Wir werden 2016 unsere Verbandsstruktur überprüfen und festlegen, wie es mit unseren Feuerwehrverbänden in den Bezirken und im Kanton weitergehen soll», meinte Präsident Bruno Bider. Er plädierte dafür, nicht voreilige Schlüsse zu ziehen und den eingeleiteten Wandel abzuwarten. So soll es etwa darum gehen, ob es noch die Bezirksverbände und den Kantonalverband braucht und welche Aufgaben diese künftig übernehmen.

Ein Grund für die Auflösungserscheinungen: Kurse, welche früher im Auftrag der Solothurnischen Gebäudeversicherung (SGV) durch die Verbände durchgeführt worden sind, seien in den letzten Jahren vermehrt direkt durch die SGV und mehrheitlich im Interkantonalen Feuerwehr Ausbildungszentrum (Ifa) in Balsthal durchgeführt worden. Dadurch sei den Verbänden eine wichtige Aufgabe abhandengekommen. Bider mahnte: Das Milizsystem brauche Feuerwehrverbände, um auf Behördenseite gehört zu werden. Nur so bestehe die Möglichkeit, sich allenfalls zu wehren und für die Feuerwehren das Beste herauszuholen.

Bider weist darauf hin, dass es bereits einzelne Auflösungserscheinungen gegeben habe, welche nicht nur auf die Sinnesfrage betreffend die Aufgaben zurückzuführen sei. Auch müssen die einzelnen Bezirksverbände durch einen Kapitän geführt werden, fehle dieser, würde bereits mit Auflösungsgedanken gespielt. Dies zeigte sich etwa im Wasseramt, wo durch den Präsidentenwechsel eine Auflösung verhindert wurde.

2015: Höchster Einzelschaden in der Geschichte

Die 109. Delegiertenversammlung des Verbandes fand am Samstag in Hofstetten statt. Bider konnte 199 Stimmberechtigte und rund 60 Gäste aus Politik oder von anderen Verbänden begrüssen. Besonders freute er sich über die Anwesenheit von Regierungsrätin Esther Gassler sowie des mit 78 Jahren ältesten anwesenden Ehrenmitglieds, dem ehemaligen Feuerwehrinspektor Marcel Heutschi (Balsthal).

2015 registrierte die Solothurnische Gebäudeversicherung den höchsten Einzelschaden in ihrer Geschichte. 8,1 Mio. Franken betrug die Schadenssumme beim Brand der Schreinerei «Rüti» in Balsthal. Berührt zeigte sich auch die anwesende Regierungsrätin Esther Gassler. Dieser Brandfall, bei dem die Feuerwehrleute in der Silvesternacht ausrücken musste, zeige, dass die heutige Ausbildung im Einsatz funktioniere, so Gassler. Feuerwehrinspektor Markus Grenacher verwies darauf, wie unkompliziert bei diesem Brand die benötigten Mittel auch über die Kantonsgrenzen hinweg aufgeboten wurden.

Manfred Tschumi (Riedholz) blickte auf den erfolgreichen Kurs 62 für «Fahrzeugverantwortliche» zurück. Rechnung 2015 und Budget 2016 wurden genehmigt. Kassier Samuel Meier (Flumenthal) demissionierte. Nachfolger wird Daniel Müller (Obergösgen). (mgt)