Nationalratsbeschluss
Abgeschaffter Hundekurs – Meinungen darüber gehen auseinander

Der obligatorische Hundekurs wird abgeschafft. Das hat der Nationalrat beschlossen. Bei den Betreibern der Hundeschulen im Kanton gehen die Meinungen zu diesem Entscheid auseinander.

Nadine Schmid
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Einen Hund kann man nicht in vier Stunden erziehen.Symbolbild/bar

Einen Hund kann man nicht in vier Stunden erziehen.Symbolbild/bar

hanspeter baertschi

«Der Theoriekurs bringt viel», findet Hundetrainerin Daniela Hug aus Niederbuchsiten, die die «Amigo Hundeausbildung» betreibt. «Er zeigt, welche Verantwortung ein Hund bedeutet.» So hätten sich etliche Personen danach gegen einen Hund entschieden, bis sich ihre Lage ändert.

Vielen sei gar nicht bewusst, was es heisst, einen Hund zu halten. Hug: «Beim praktischen Teil ist zu sagen, dass es einfach unmöglich ist, einen Hund in vier Stunden zu erziehen. Aber es ist auch kein Hundeerziehungskurs, sondern einer, der die Hundehalter sachlich kundig machen soll.»

Sie selbst hatte immer sehr positive Rückmeldungen von ihren Kunden; wer kam, der blieb dann auch. Durch den Kurs hatte man immerhin die Möglichkeit zu zeigen, worauf zu achten sei. «Jetzt werden die Hundehalter vermehrt erst kommen, wenn sie Probleme haben.»

Genau dieselben Punkte merkt auch Edi Bertschi, Betreiber von «Dog-Man-Balance» in Solothurn an. «Es ist eine verpasste Chance, die Menschen zu sensibilisieren. Das Argument, die Bissfälle hätten nicht abgenommen, stimmt so nicht ganz: Man muss auch sehen, dass es immer mehr Hunde gibt.

Wenn also die Anzahl an Bissfällen genau gleich geblieben ist, dann hat sich doch etwas verändert.» Den Praxiskurs hätte man jedoch anpassen müssen, sodass er mehr Spielraum geboten hätte – zum Beispiel durch die Möglichkeit, die Hundehalter daheim zu besuchen.

Dass die Abschaffung finanzielle Probleme im Geschäft nach sich zöge, glauben die Befragten nicht. In den meisten Schulen stellt der Kurs ohnehin nur einen kleinen Teil des Angebots dar. Grosser Wert wird beispielsweise auf das individuelle Hundetraining gelegt.

Hug ist hierbei noch einen Schritt weitergegangen und arbeitet auch bei den noch obligatorischen Kursen absichtlich in kleinen Gruppen, um so weit als möglich auf die spezifischen Bedürfnisse einzugehen.

Ein Hund soll ein Hund sein

Ein grosses Problem sehen viele Hundetrainer darin, dass Ansprüche an einen Hund gestellt werden, die dieser nicht erfüllen kann: Er soll vor Einbrecher schützen, sonst keinen Mucks von sich geben, überallhin mitkommen.

«Wenn der Schwerpunkt auf den Bedürfnissen des Hundes liegen würde, dann hätten wir viele Probleme nicht», ist Hundetrainer Edi Bertschi aus Solothurn überzeugt. Die Hunde würden dann etwa keine Menschen anspringen oder Gegenstände zerstören.
Der Hund wird nicht mehr als Hund betrachtet.

«Der Hund war vor noch nicht so langer Zeit ein Halbwildtier, das wird manchmal vergessen», schliesst sich Betreiberin der Hundeschule BARRY, Barbara Ryser, an. Der Hund werde nicht ernst genommen. «Goldene Futternäpfe, teures Futter, man nimmt sich einen Jagdhund und will ihm dann das Jagen abgewöhnen», nennt sie Beispiele.

Auch werde der Hund überall hin mitgenommen, dabei würden viele Hunde am liebsten einen grossen Teil des Tages vor sich hindösen. «Der Mensch denkt einfach zu kompliziert. Kein Hund ist böse, nur weil er mal aggressiv reagiert, und damit zeigt, dass ihm einfach alles zu viel geworden ist.» (ndg)

Individuelles Training

Dass es den Kurs nicht mehr geben soll, findet Hundetrainer Sacha Thommen aus Günsberg nicht tragisch. Seine Schule hat den Kurs nicht im Angebot. «Er bietet kaum Platz für das individuelle Training. Es ist sinnvoller, gerade von Anfang an gezielt auf die einzelnen Hunde und ihre Halter einzugehen.»

Auch Barbara Ryser aus Oberbipp ist einerlei, ob es ihn gibt oder nicht. «Er ist eigentlich nur ein Detail, das Problem geht viel tiefer» so die Betreiberin der Hundeschule BARRY. «Viele behandeln den Hund nicht wie einen Hund. Der Kurs war aber immerhin ein Versuch, etwas zu ändern.»

Kein Rückgang der Hundebisse

Ryser fügt dazu an, dass diejenigen, die den Kurs am nötigsten hätten, ihn ohnehin nicht besuchen würden. Tatsächlich wird vermutet, dass sich rund 28 Prozent der Hundehalter im Kanton davor drücken.

«Es ist unmöglich, flächendeckende Kontrollen durchzuführen, dafür gibt es viel zu viele Hundehalter», so Doris Bürgi vom Veterinärdienst. Es gibt gegebenenfalls Überprüfungen, sobald eine Meldung eingeht, dass mit einem Hund etwas nicht stimme.

Wenn jemand von einem Hund gebissen wird oder es zu anderen Vorfällen mit Hunden kommt, wird das zuständige Oberamt eingeschaltet. Laut der vom Bund lancierten Studie hätten die Bisse trotz des Hundekurses nicht abgenommen.

Bürgi: «Es ist sehr schwierig, Zahlen zu interpretieren, weswegen ich hierzu nichts sagen kann.» Zum Entscheid des Nationalrats möchte sie sich nicht äussern.

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