Solothurner Spitäler AG

Abgang von ärztlichem Direktor: «Per sofort bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses freigestellt»

Der ehemalige Ärztliche Direktor der Solothurner Spitäler AG: Volker Maier.

Der ehemalige Ärztliche Direktor der Solothurner Spitäler AG: Volker Maier.

Nun ist wenigstens in Ansätzen klar, weshalb der Ärztliche Direktor der Solothurner Spitäler AG ging.

Er kam ohne Vorankündigung und von einem Moment auf den andern: der Abgang von Volker Maier, seit Anfang 2020 Ärztlicher Direktor der Solothurner Spitäler AG (soH). Das war Ende April. Seither wurde eifrig spekuliert, weshalb Maier die soH Knall auf Fall verliess – und unter welchen Bedingungen der oberste Mediziner im Haus die Institution verliess.

Wenigstens ansatzweise etwas Licht ins Dunkel bringen die Antworten der Regierung auf eine Kleine Anfrage von Kantonsrätin Stephanie Ritschard. Allerdings öffnet die Exekutive die Tür nur einen Spaltbreit. Und zwar mit Verweis darauf, dass die soH als Aktiengesellschaft mit gemeinnützigem Zweck abschliessend für ihre Personalpolitik zuständig ist. Die Antworten auf den Vorstoss kommen denn auch von der soH selber. Und die äussert sich notorisch knapp.

Immerhin: Das Unternehmen weist darauf hin, dass der Ärztliche Direktor seine Funktion im Rahmen eines Teilpensums von 50 Prozent ausübte. Dies für sämtliche akutsomatischen Spitäler der soH, also auch für das Kantonsspital Olten und das Spital Dornach. Die andere Hälfte seines Pensums absolvierte er als Co-Chefarzt an der Klinik für Allgemeine Innere und Notfallmedizin des Bürgerspitals Solothurn (BSS).

Spannend ist dies: Wie die soH in der Vorstossbeantwortung via «Briefträger» Regierungsrat ausrichten lässt, lag der Grund für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses «einseitig beim Ärztlichen Direktor». Das ist aber auch schon alles, was die soH über den Abgang verlauten lässt. Und der Betroffene selber hüllte sich bisher in Schweigen.

Kein Wunder: Es wurde Stillschweigen zwischen den Parteien vereinbart. Was angesichts der Einseitigkeit der Trennung überrascht. Zudem: «Nein, es wurde keine Abgangsentschädigung ausgerichtet», führt die soH auf eine entsprechende Frage aus. Und, ja: «Der Ärztliche Direktor wurde per sofort bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses freigestellt.»

In diesem Zusammenhang räumt die soH ein, dass sich die Situation «sicherlich zu keinem günstigen Zeitpunkt» einstellte. Direkte Auswirkungen auf die Führung in der Coronakrise habe es aber nicht gegeben.

Und Aufgaben in Bezug auf den BSS-Neubau habe Maier nicht gehabt, da die Baute zum Zeitpunkt, da er seine Aufgabe antrat, «schon fast fertiggestellt war». Eine erstaunliche Aussage angesichts der Komplexität der neuen medizinischen Prozesse, die in der neuen Infrastruktur zu etablieren sind. Item: «Die Trennung hatte und hat keine Auswirkungen auf den Neubau», lässt die soH verlauten.

So weit die Antworten auf die Fragen in der Causa Maier – doch die Sache ist für die soH noch nicht ausgestanden. Keine Antworten gibt es bisher auf diese und weitere Fragen: Wie hoch ist die Fluktuation bei Kaderstellen innerhalb der soH? Wie ist das Nominationsprozedere bei Kaderstellen? Gibt es bei Neubesetzungen von Kaderstellen eine Personalkommission?

Erfolgt ein Assessment oder verantwortet nur eine Einzelperson den Einstellungsprozess? Welche Kostenfolgen hatten Freistellungen und vorzeitige Vertragsauflösungen von Chefärzten oder Leitenden Ärzten in den vergangenen acht Jahren? Wie hoch waren jeweils die Kosten für Abgangsentschädigungen, Vergleiche, Gerichtsverfahren und Haftungsfälle, welche die soH in den vergangenen fünf Jahren aufwenden musste?

Sie stammen von der FDP-Fraktion und wurden ebenfalls im Rahmen eines parlamentarischen Vorstosses aufgeworfen, der sich nach einem möglichen Führungsversagen der soH erkundigt. Auch in diesem Fall wird es mit Sicherheit so sein, dass der Regierungsrat ausrichten lassen wird, was die Solothurner Spitäler AG in der Sache preisgeben mag.

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