Wer eine Spitzenfunktion in der Verwaltung innehat, gibt diese in der Regel nicht freiwillig ab – erst recht nicht, wenn er danach weniger verdient. Adriano Vella hat genau dies getan, wie diese Woche bekannt wurde. Ab September verzichtet der Departementssekretär und höchste Angestellte im Bildungsdepartement auf seinen Job. Bis zu seiner Pensionierung 2022 wird er «nur noch» als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeiten, zuerst zu 80, später zu 60 Prozent.

Diese Stelle ist im Lohnsystem der Verwaltung einige Lohnklassen tiefer eingereiht als in der bisherigen Stelle als Departementssekretär, die zu den höchstdotierten gehört.

Hat sich Vella – seit Jahren starke Kraft und graue Eminenz im Bildungsdepartement – mit seinem Chef, Regierungsrat Ankli überworfen? Überhaupt nicht, sagen auf Anfrage sowohl Vella als auch Ankli. Er habe gesehen, wie Leute zu lange auf ihrer Funktion geblieben seien, so Vella. Er wolle gehen, solange er beruflich «topfit» sei. Für Vella wurde dafür eine neue Stelle geschaffen. Vella wird seinen Chef in strategischen Themen, etwa in Sachen Digitalisierungsstrategie oder auf Ebene der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, unterstützen. Weiter wird er das Bauprojekt Rosengarten leiten und Ankli bei Reden Support leisten.

Zur ungewöhnlichen Personalie sagt Regierungsrat Remo Ankli, es sei der Versuch, «auch Topkader im Hinblick auf ihre Pensionierung einzusetzen.» Ankli konkret: «Kein Know-how-Verlust, kein Klammern an die einmal erreichte Kaderstufe, sondern rechtzeitige Nachfolgelösung.» Laufende und wichtige Projekte könnten so noch von der Person abgeschlossen werden, die von Anfang an dabei gewesen sei. «Die Nachfolge kann sich auf die Einarbeitung und neue Projekte konzentrieren.»

Dass ein Konfliktpotenzial zwischen dem Abtretenden und der neuen Departementssekretärin bestehe, dessen sei man sich bewusst, sagt Vella. So wird er künftig kein fixes Büro mehr haben, damit Mitarbeitende nicht in alter Gewohnheit zuerst zu ihm kommen.

Übrigens: Die grösste Zweiflerin sei seine Frau, sagt Vella freimütig. Sie glaube nicht, dass er künftig nur noch 80 Prozent arbeiten werde.