«Der Abstieg in die Höhle ist nicht ganz ohne. Man muss wissen, was man macht, sonst wird das Abenteuer zum Abenteuer.»

Marco Faggi weiss, was er macht. Der gebürtige Kriegstetter steigt für das perfekte Bild seit Jahren in Schluchten und Höhlen. Letztes Jahr veröffentlichte Faggi einen Dokfilm zum Nidlenloch. Und sein nächstes Projekt ist auch bereits fertig, wie «Tele M1» berichtete. Im Berner Jura, in der Nähe des Chasseral, stieg er im März in die Eishöhle Creux de Glace. «Im Internet bin ich auf Bilder aus dieser Höhle gestossen und habe mich entschlossen, auch dort zu fotografieren», erklärt Faggi. Bei einem ersten Anlauf traute er sich noch nicht, in die Höhle zu klettern. Beim zweiten mal war er zwar unten, jedoch zum falschen Zeitpunkt, er konnte nur kleine Eisskulpturen bewundern. Aller guten Dinge sind jedoch drei, und dieses Jahr sollte es endlich klappen.

Alleine in der Kälte

Nach einer zweistündigen Wanderung in Schneeschuhen, mit 20 Kilogramm Foto- und Kletterausrüstung auf dem Rücken, ist Faggi bei der Höhle angekommen. Als er sich schliesslich abgeseilt hatet, erwartete ihn ein eindrückliches Naturspektakel: Bis zu vier Meter hohe Eisstalagmiten und Eisskulpturen. «Im Winter sinkt die kalte Luft und bildet einen Kaltluftsee. Der ganze Raum wird zur Gefriertruhe. Im Frühling, wenn es taut, fliesst das Schmelzwasser durch die Felsspalten in die Hohlräume und gefriert. So entstehen die wunderbaren Gebilde», weiss Faggi das Phänomen zu erklären.

Selbst der erfahrene Abenteuerfotograf zeigt sich fasziniert und kommt ins Schwärmen beim Anblick der Skulpturen. «Bei der Schneeschmelze sind sie am schönsten. Dann gibt es Zapfen und Formen, fast wie Aliens sieht das dann aus.» Wie Alice im Wunderland sei er sich vorgekommen.

Die Höhle hatte er ganz für sich alleine. «Ich gehe alleine, weil ich den Leuten nicht zumuten möchte, zwei bis drei Stunden an der Kälte zu schlottern», so Faggi. Das birgt aber auch Risiken. Doch der 55-Jährige hat viel Erfahrung. Ausserdem sage er jeweils seiner Frau, wo er hingehe. «Das ist meine Rückversicherung.» Und seine Frau ist damit einverstanden? Faggi beschwichtigt: «Sie vertraut mir. Ausserdem weiss sie, dass ich vorsichtig bin.»

Quereinsteiger

Dass Faggi einmal Abenteuerfotograf werden würde, lag zu Beginn seiner Laufbahn nicht unbedingt auf der Hand. Die Lehre beim Wyss Gartenhaus in Zuchwil gemacht, ist er mittlerweile selbstständig in der Metallbranche tätig.

«Mit der Fotografie angefangen habe ich vor rund zehn Jahren», erzählt Faggi. Alles Wissen dazu hat er sich selber angeeignet. Wie das geht? «Viel ausprobieren.» Er habe dann so viel positives Feedback erhalten, dass er sich immer professioneller der Fotografie gewidmet hat. Dann sagte ihm einmal ein Kollege: «Die Bilder, die du machst, das kann ich mit meinem Handy auch.» Im Stolz verletzt, sagte er sich darauf: «Dann mache ich Bilder, die du so ganz sicher nicht mit einem Handy machen kannst.» Und er begann, durch Höhlen zu kriechen und sich in Schluchten abzuseilen, immer auf der Suche nach dem perfekten Bild.

Mit der Fotografie möchte sich Faggi ein zweites berufliches Standbein aufbauen. Über den Solothurner Jura hat er unter dem Titel «Dr Bärg» eine Multimediashow erstellt. Diese zeigt er an Vereinsanlässen und in Altersheimen. Und eine weitere Show, über die Alpen und Voralpen, sei auch bald fertig.

Nächstes Projekt: Schluchten

Nach ein paar Stunden kletterte Faggi schliesslich unfallfrei aus der Höhle heraus. Mit im Gepäck: Film- und Fotomaterial, welches das Gesehene festhält. Dieses hat er nun in einem weiteren kurzen Dokfilm veröffentlicht.

Und was bringt die Zukunft? Das nächste Projekt ist bereits geplant: Für einen längeren Film über den Jura, wie man ihn so nicht kennt, will Faggi in spektakuläre Schluchten steigen. 

Den ganzen Dok-Film und weitere Fotos finden sich auf der Website von Marco Faggi.