Weissenstein
Ab dem 9. Mai soll ein neuer Direktor dem Kurhaus wieder Leben einhauchen

Das Kurhaus auf dem Weissenstein erhält einen neuen Direktor. Felix Schwärzler wird mit 28 Jahren zum wohl jüngsten Direktor im Kurhaus und wird dem Traditionshaus ab dem 9. Mai wieder Leben einhauchen.

Lucien Fluri
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Ab dem 9. Mai wird das Kurhaus einen neuen Direktor haben: Felix Schwärzler

Ab dem 9. Mai wird das Kurhaus einen neuen Direktor haben: Felix Schwärzler

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Es geht wieder was am Weissenstein. Am 9. Mai, so steht nun fest, wird das Kurhaus seine Türen öffnen. Und wie diese Zeitung weiss, wird zu diesem Zeitpunkt etwas oesterreichische Gastfreundschaft auf dem Hausberg Einzug halten: Felix Schwärzler heisst der gebürtige Bregenzer, der ab Mai für Hotellerie und Restauration im Kurhaus verantwortlich ist. Unterstützen wird ihn die Bündnerin Nadja Labate als Betriebsassistentin, die derzeit noch bei den Bergbahnen Arosa arbeitet.

Samuel Kappeler heisst zwar der offizielle Pächter, der im Kurhaus die Fäden zieht. Doch in seinem Gastroimperium Hüttenzauber, das gut ein Dutzend Betriebe umfasst, «kann ich nicht überall sein», so Kappeler. Mit Schwärzler hat er einen Mann aus den eigenen Reihen engagiert.

Ortstermin in Solothurn: Schwarzes Hemd, schwarzumrandete Brille, kurze Haare und ein äusserst freundliches Auftreten mit gewinnendem Oesterreicher Dialekt: Am Mittwoch letzter Woche hat Schwärzler offiziell die Schlüssel fürs Kurhaus erhalten, Vorpächter Werner Käser hat ihn durchs Kurhaus geführt und die elektrischen Anlagen sind bereits geprüft.

«Alles einwandfrei», sagt Schwärzler. Koch und Kellner hat er gelernt, er hat sich in Oesterreich zum Food and Beverage-Manager weitergebildet und in der Schweiz den Geschäftsführer gemacht.

«Als Gastronom mit Leib und Seele» bezeichnet sich der Bregenzer, der aus einer Brauerfamilie stammt und nun Leben, Ganzjahresbetrieb und Hotelzimmer auf den Weissenstein zurückbringen soll.

«Meine Gelassenheit täuscht»

Erst seit vierzehn Tagen weiss Schwärzler, dass er in wenigen Wochen zum Kurhaus-Chef wird. Drei Mal war er inzwischen auf dem Berg, Details zum Haus spuckt er aus, als ob er schon länger dabei wäre.

Was wird der grösste Brocken in den nächsten Wochen werden, wenn er das Kurhaus wieder auf Vordermann bringen soll? - Der Warentransport auf den Berg, der Grossbetrieb, der aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden muss oder das Einarbeiten des neuen Mitarbeiterteams?

Manch einer könnte bei all den Aufgaben nervös werden. Doch Schwärzler sitzt ganz ruhig am Tisch und sagt nach längerem Nachdenken: «Es gibt keine Baustellen. Reinigen, aufsperren und Gäste willkommen heissen», sei nun das Wichtigste. Und ähnlich gelassen beantwortet er fast alle Fragen.

Ist alles also nur eine kleine Fingerübung? «Meine Gelassenheit täuscht», gesteht er dann doch. Je näher der Termin komme, umso nervöser werde er. «Ich bin mir bewusst, was der Weissenstein für die Solothurner Bevölkerung bedeutet.

Wir spüren, dass die Solothurner extrem am Warten sind.» Das merkt Schwärzler bereits bei den Anfragen: Seminarveranstalter und Hochzeitsgesellschaften hätten bereits um freie Termine angefragt. Doch nicht nur Grossanlässe soll es im Kurhaus geben. «Wir wollen für alle offen sein, vom Wanderer bis zum Biker».

Erfahrung im grossen Bergbetrieb

Mit einem 15-köpfigen Team wird er am 9. Mai starten. Regionale Spezialitäten sollen zum Angebot gehören, Genaueres dazu kann er aber noch nicht sagen. Es gehört zu seinen wichtigsten Aufgaben, in den nächsten Wochen die Speisekarte zusammenzustellen.

Unterstützen wird ihn dabei der Küchenchef, der ebenso wie das ganze Küchenteam bereits diesen Winter in einem Bergrestaurant gearbeitet hat. Wohnen wird rund die Hälfte des Personals wegen der schwierigen Anreise auf dem Berg.

Nicht zur Diskussion steht, zumindest in der ersten Saison, ein Selbstbedienungsrestaurant, auch wenn dies ganz oben auf der Wunschliste von Tourismusdirektor Jürgen Hofer steht.

Bevor man überhaupt solchen und anderen Denkanstössen nachgehen könne, müsse man die ersten Betriebserfahrungen einmal abwarten, sagt Schwärzler, dem bewusst ist, dass der Start in der ersten Sommersaison ohne Bahn etwas schwieriger wird.

Noch ist Felix Schwärzler für wenige Wochen «auf Saison» in der Lenzerheide, wo er Betriebsassistent in einem Restaurant von Samuel Kappelers Hüttenzauber-Kette ist. 1000 Plätze umfasst der Betrieb, bei Schlechtwetter hat es weniger Gäste, bei Sonnenschein hagelt es plötzlich Besucheranstürme. Wahrscheinlich eine gute Schule für den Weissenstein.

Bleibt noch die Altersfrage: 28 Jahre alt sind Schwärzler und seine Betriebsassistentin Nadja Labate. Ein Blick auf die Biographie von Pächter Samuel Kappeler erklärt vielleicht dessen Vertrauen: Als Zimmermann und Postbote hat er begonnen. Heute ist er 39 und führt knapp ein Dutzend Gastrobetriebe mit 160 Mitarbeitern.