Hoffen auf den Bund

Ab 2022 will der Kanton den Solothurner Stadtmist ausmisten

Sondiergrabungen zeigen, was alles unter der Erde liegt.

Solothurner Stadtmist

Sondiergrabungen zeigen, was alles unter der Erde liegt.

Totalsanierung oder doch nur ein halbbatziges Flickwerk? Die Frage, wie der Solothurner Stadtmist saniert werden soll, ist immer noch unbeantwortet. Doch nun sieht das Baudepartement positive Signale dafür, dass das Bundesamt für Umwelt auf eine Totalsanierung einschwenkt.

Der Ball liegt derzeit beim Bundesamt für Umwelt (Bafu). Dort hat das kantonale Baudepartement Ende letzten Jahres die Beitragsgesuche für eine Totalsanierung eingereicht. «Die entsprechenden Verfügungen des Bafu sind noch ausstehend», nennt Gabriel Zenklusen auf Anfrage den Stand der Dinge. Doch der Chef im Amt für Umwelt (AfU) zeigt sich optimistisch, dass das Warten bald ein Ende haben wird: «Wir gehen aktuell davon aus, dass das Bafu dem Kanton den Entscheid nach den Sommerferien mitteilen wird.»

Und dann soll es laut Zenklusen Schlag auf Schlag vorwärtsgehen: Zuerst stehe die eigentliche Nutzungsplanung an, die anschliessend in eine Baubewilligung münden soll: «Falls alles rund läuft, könnten dann ab 2022 die eigentlichen Sanierungsarbeiten in Angriff genommen werden.» Bereits einig seien sich Bund und Kanton, dass zwei der drei Deponieflächen totalsaniert werden sollen. Beim dritten und grössten Deponiefeld, so Zenklusen, «zeichnet sich ab, dass auch für das Bafu ein Totalaushub die richtige Sanierungsvariante ist».

Altlasten der Vorväter haben ihren Preis

Damit würde eine Jahrzehnte alte Leidensgeschichte doch endlich einem guten Ende nähergebracht und die bis in die Siebzigerjahre begangenen Deponie-Sünden im Westen der Kantonshauptstadt könnten anständig aus der Welt geschafft werden.

Der Bund schätzte die Kosten einer totalen Sanierung ursprünglich auf 300 Millionen Franken. Deshalb wollte er lediglich zu einer Teilsanierung Hand bieten. Bei dieser Variante ist vorgesehen, dass unzählige Lanzen in die riesigen Deponieflächen versenkt werden müssten, über die Sauerstoff in den Untergrund eingebracht werden könnte. Auf diese Weise soll der Verrottungsprozess gefördert werden. Allerdings: Bei dieser Variante würden schwerabbaubare Stoffe und insbesondere Schwermetalle weiterhin im Boden verbleiben und entsprechend belastetes Sickerwasser weiter ins Grundwasser und die nahe Aare fliessen.

Anders bei der Totalsanierungsvariante des Kantons: Hier sollen die Deponien tatsächlich ausgehoben, das Material aufbereitet, sortiert, der Verbrennung oder einer sicheren Deponie zugeführt werden.
«Wir haben dem Bafu Ende 2019 weitere Unterlagen geliefert, die aufzeigen, dass die bisher vom Bund favorisierte Lösung wesentlich teurer ausfallen würde, als bisher angenommen», unterstreicht der AfU-Chef. Und: «Die Mehrkosten der Kantonsvariante werden daher immer kleiner.» Dies erst recht, seit die Solothurner den Bundesstellen nach einem Submissionsverfahren die Offerte einer Firma vorlegen konnten, die mit Kosten von unter 100 Millionen Franken rechnet. Die Kantonsvariante weise zudem auch bezüglich der Energie- und Klimabilanz wesentliche Vorzüge auf.

Kanton will ökologische Aufwertungen vornehmen

Darüber hinaus will der Kanton seine Lösung noch zusätzlich attraktivieren, wie Zenklusen darlegt: «Nach erfolgter Totalsanierung der Deponien sollen als Zusatznutzen auf zwei der drei früheren Deponiefeldern sowie entlang des Brunn- und Brühlgrabens ökologische Aufwertungsmassnahmen in Angriff genommen werden.» Bereits am 5. Mai habe in diesem Zusammenhang vor Ort eine Begehung mit Bafu-Vertretern stattgefunden und der Kanton werde den Bundesstellen noch vor den Sommerferien die möglichen Massnahmen zur Beurteilung einreichen.

Die Vorschläge der Solothurner sehen unter anderem die Schaffung temporärer Feuchtwiesen vor, die etwa Kiebitzen und Laubfröschen einen Lebensraum bieten können, weiter sollen entlang der Bachläufe Hecken angelegt und gewisse Flächen weniger intensiv genutzt werden.

Spezialfinanzierungen sollen es richten

Und wie gross ist die Gefahr, dass die Coronakrise, mit der die Bundes- und Kantonsfinanzen arg strapaziert werden, einer Totalsanierung zum Verhängnis werden könnte? Gabriel Zenklusen winkt ab: «Die Sanierungskosten werden nicht aus allgemeinen Mitteln von Bund und Kanton getragen, sondern über Spezialfinanzierungen.» So verfügt etwa der Kanton Solothurn für solche Aufgaben über einen Altlastenfonds.

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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