Eigentlich hatte er es nur nebenbei gesagt, Robert Sutter, Präsident des Verwaltungsrats der Aare Seeland mobil (asm). Doch diese Aussage, dass die Generalversammlung dereinst auch in Balsthal stattfinden könnte, besitzt doch einige Brisanz. «Was das bedeutet, können Sie sich ausmalen», entgegnete Sutter den über 100 Aktionären und geladenen Gästen aus den Kantonen Solothurn und Bern.

Es bedeutet, dass die asm ihr Bahnangebot bis in den Jura ausdehnen und die Strecke Oensingen nach Balsthal von der OEBB übernehmen könnte. Zukunftsmusik. Noch. Denn solange von der öffentlichen Hand kein Auftrag vorliegt, sind diese Pläne für die asm kein Thema.

Logistische Herkulesaufgabe

Einer wurde dann doch konkreter: Ueli Steinmann, Projektleiter Bau, sagte, der Ausbau sei technisch absolut möglich. Obschon das Bipperlisi gegenüber der OEBB schmalspurig fährt. «Wir wissen, wie Dreischienengleise zu betreiben sind.» Zwischen Oberbipp und Niederbipp sind schon drei Schienen vorhanden - für den Güterverkehr.

Auch Markus Flury, Gemeindepräsident von Oensingen, zeigt sich gegenüber dem Vorhaben nicht abgeneigt: «Wir begrüssen das Bipperlisi.» Die Bahn werde von vielen Kantonsschülern und Einkäufern genützt. Und Balsthal? «Was nicht ist, kann ja noch werden.» Ein Streckenausbau, das scheint aber klar, dürfte für die asm zur logistischen Herkulesaufgabe werden. Denn schon heute besteht zwischen Solothurn und Langenthal arger Zeitdruck.

Kreuzungsstelle wird verlängert

Das Bipperlisi, das gestand auch Direktor Fredy Miller ein, war seit dem Fahrplanwechsel nicht immer pünktlich. Kostet die Weiterfahrt nach Oensingen also doch zu viel Zeit? «Daran liegt es nicht», sagte Miller. Schuld seien die Verspätungen der SBB. «Sind die Züge in Oensingen unpünktlich, fällt unser gesamtes Konzept zusammen.» Dann muss das eine Bipperlisi an der Kreuzungsstelle zwischen Flumenthal und Attiswil jeweils abwarten. Deshalb soll in einer zweiten Etappe diese neue Doppelspur um 500 Meter verlängert werden - zum Leidwesen der angrenzenden Bewohner, müssen sie doch Teile ihres Grundstückes hergeben.

Die Neubaustrecke, die seit vergangenem Dezember in Betrieb ist, bezeichnet die asm aber als Erfolg: 450 Personen steigen mittlerweile täglich in Oensingen ein. Das neue Angebot verschaffe dem ganzen Jurasüdfuss einen riesigen Standortvorteil, erreiche man doch etwa von Wiedlisbach aus in nur 56 Minuten Zürich. Die asm transportierte 2012 fast sechs Millionen Passagiere mit Bus und Bahn, was eine Zunahme von 2,9 Prozent bedeutet. Laut Miller hat sich gerade die Stadtbuslinie Langenthal «sehr gut entwickelt.»

Neues Buszentrum

Trotz rückläufigem Reisegeschäft ins Ausland hat die asm ihren Konzerngewinn mit 102 000 Franken gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Zu Verdanken hat sie dies unter anderem dem Güterverkehr, dessen Ertrag um 21 Prozent anstieg. Auch die Gelder der öffentlichen Hand nahmen um über 12 Prozent auf fast 143 Millionen Franken zu. Der Unternehmensgewinn wird in die laufende Rechnung übertragen.

Das ist auch notwendig, denn 2013 stehen wieder diverse Projekte an: Neben einem modernen Fahrgastinformationssystem, das die alten Bildschirme in den Bahnstationen ersetzen soll, wird in Herzogenbuchsee ein neues Buszentrum gebaut. Das Grundstück ist gekauft, das Architekturprojekt vergeben. Nun prüft die asm die Finanzierung. Doch Priorität geniesst der Ausbau der Ausweichstrecke. Damit die Pendler keine Probleme mehr haben werden, ihren Anschluss rechtzeitig zu erwischen.