Fenster runter, Dose raus, Fenster schliessen – eigentlich illegal, dennoch ist Littering ein weitverbreitetes Phänomen. Besonders viel Abfall sammelt sich dabei an den Strassenrändern, wobei die Autobahn offenbar die favorisierte Mülldeponie unter den Strassen ist. Sie muss laut Bundesamt für Strassen (Astra) pro Fahrkilometer jedes Jahr eine Tonne Abfall schlucken. Um dieser Tatsache entgegenzuwirken, finden an verschiedenen Raststätten in der Nordwestschweiz Anti-Littering-Aktionen statt.

Diese sollen die vorbeikommenden Autofahrer dazu ermuntern, ihren Abfall im Eimer und nicht auf der Strasse zu entsorgen. Organisiert werden die Aktionen, die auf verschiedenen Autobahn-Raststätten des Landes durchgeführt werden, von der Nationalstrassen Nordwestschweiz AG (NSNW AG) und der IG saubere Umwelt (IGSU).

Abfallsäckli-Box fürs Auto

Am Freitag und heute Samstag werben die Anti-Littering-Botschafter auf den beiden Raststätten in Deitingen für saubere Strassen und sagen damit dem Littering den Kampf an. Angeführt werden die beiden Teams – je eines auf jeder Raststätte – von Cédric Quebatté. Dieser erklärt: «Littering ist per Gesetz zwar illegal, aber es ist schwer, dieses Gesetz auch durchzusetzen. Die Schweiz gibt pro Jahr ungefähr 200 Millionen Franken aus, um Orte zu säubern, die ohne Littering gar nicht verschmutzt wären.»

Es sei wichtig, dass die Menschen endlich realisieren, dass sie durch Littering enorm viel zerstören. «Die Umwelt leidet, dadurch die Tiere und schliesslich auch wieder wir Menschen», erklärt Quebatté. «Die Aktion soll Menschen sensibilisieren und sie dazu bewegen, kein Littering mehr zu betreiben. Wir müssen uns bewusst werden, was Littering alles anrichtet.»

Auf der Raststätte steht ein grosses Plakat. Darauf können die Passanten unterschreiben oder einen Kommentar zum Thema Littering hinterlassen und sich so als Littering-Gegner bekennen. In verschiedensten Sprachen – von Französisch über Türkisch bis Holländisch – stehen Kommentare geschrieben, wie «I want a future» oder «Stopp Littering».

Eine Gruppe von jungen französischsprechenden Männern kommt vorbei. Quebatté erklärt ihnen die Anti-Littering-Aktion. Sie erzählen, dass sie gerade in Griechenland in den Ferien gewesen seien. «Dort ist der Abfall überall. Es hat auch keine Mülleimer, wir mussten unsere Zigarettenstummel jeweils in die Hosentaschen nehmen und hoffen, dass wir irgendwann auf einen Abfalleimer treffen.» Einer von ihnen schreibt einen Kommentar auf das Plakat, dann reist die Gruppe weiter in Richtung Westschweiz. Mit dabei haben sie nach ihrem Halt auf der Autobahnraststätte eine kleine Box, die Abfallsäckli enthält und sich besonders gut fürs Auto eignet. «Damit kann der Abfall im Fahrzeug entsorgt werden», erklärt Quebatté.

Das Problem der Anonymität

Als Nächstes kommt ein Vater mit seinen zwei Kindern vorbei. Vater Danilo Bertocchi hat auch in seinem Beruf mit dem Thema Umwelt zu tun und weiss wie schädlich Littering sein kann. «Ich erachte die Bekämpfung von Littering durch solche Aktionen, als sehr wichtig.» Er unterschreibt gemeinsam mit seinem Sohn auf dem Plakat der IGSU. «Mich stört am meisten, dass Littering sowohl die Umwelt wie auch die Natur enorm belastet.» Er selbst habe deshalb noch nie aus dem Auto gelittert, es sei ja schliesslich auch gesetzlich verboten. «Ich finde die Aktion super, gerade während dieser touristenreichen Zeit.» Auch die Familie Bertocchi bekommt eine Abfallsäckli-Box mit auf den Weg.

Auf den Mittag hin nimmt der Betrieb auf der Autobahnraststätte merklich zu. Quebatté und sein Team vermitteln weiter eifrig die Anti-Littering-Botschaft. Touristen aus den Niederlanden finden die Aktion super. Ine schreibt begeistert einen persönlichen Kommentar auf das Plakat und erklärt: «Solche Aktionen sind wichtig, ich hoffe, die Leute realisieren dann, was sie anrichten. Mich nervt, dass einige so faul sind und ihren Abfall einfach aus dem Auto werfen.» Das hat offenbar mit der Anonymität zu tun.

Thomas Leuzinger, Leiter Betrieb bei der NSNW AG, erklärt die Problematik in einer Medienmitteilung: «Die Anonymität auf Autobahnen führt dazu, dass viele ihren Abfall einfach auf der Strasse entsorgen.» Leider sei das Thema Littering nicht nur auf den Strassen ein Problem. «Die IGSU, die es seit 2007 offiziell gibt, ist auch in Städten aktiv», erklärt Quebatté. «Es braucht Zeit, bis die Leute realisieren, was sie anrichten, wenn sie littern.» Aber Quebatté und die Teams der IGSU – geben nicht auf.