«Es sind gleich drei Gründe, warum Anje Hutter seit dem 8. März bei mir ausstellt», sagt Galerist Rolf Imhof. «Erstens war es der Frauentag, zweitens ist Anje Hutter 88 Jahre alt und drittens führe ich meine Galerie seit 44 Jahren.» Sie sei etwas überrascht gewesen, den Anruf von Imhof zu erhalten, im März bei ihm auszustellen, sagt Anje Hutter, bei ihr zu Hause in der Altstadt von Solothurn. Sie sitzt vor einem Kamillentee. «Doch der Galerieraum ist ja nicht so gross; es sind sieben Bilder zu sehen. Das schaffte ich gerade noch», sagt sie und lacht tapfer. Denn eigentlich habe sie überall Schmerzen, die Polyarthrose plagt sie. «Die Bilder, die jetzt in der Freitagsgalerie zu sehen sind, sind in unterschiedlichen Jahren entstanden. Sie waren also im Grunde fertig, ich musste nur noch die eine oder andere kleinere Ergänzung machen», berichtet sie.

Sie arbeite ganz unterschiedlich an ihren Bildern schildert sie. «Entweder ist das Bild in einem Guss gemalt und fertig. Oder dann arbeite ich jahrelang daran.» Dann wird Malschicht um Malschicht aufgetragen, bis die Bilder eine fast plastische Dimension bekommen. «Das Längste sind 21 Jahre, die ich an einem Bild arbeitete.»

Ihre Arbeiten stechen durch die satten Farbaufträge heraus. «Es ist in mir drin», sagt sie, die während ihrer produktivsten Phase die meiste Zeit in der Süd-Toskana, in Castiglione della Pescaia, gelebt hatte. «Was auf die Leinwand kommt, ist intuitiv. Es sind eher Töne als Farben. Das Licht ist wichtig.»

Toskana und Solothurn

«Rund dreissig Jahre lang lebte ich hier und dort. Immer wieder kam ich nach Solothurn zurück, um hier auch Geld als Psychiatrieschwester zu verdienen. Dann wieder einige Monate im Süden, ganz alleine.» Ist alles im Leben Zufall? Wie findet man seinen Ort? «Zufälle sind möglich», sagt sie, «es könnte auch Bestimmung sein.» Ihre Bilder hat sie jeweils gut verkaufen können. «Offenbar haben sie auch andere Leute angesprochen», sie wundert sich noch immer. «Die Begeisterung der Besucher zu sehen, war schön. Auch an der vergangenen Vernissage in der Freitagsgalerie.» Heute malt sie nicht mehr jeden Tag. «Es geht halt alles langsamer. Ich habe noch viele Bilder, die ich fertigmachen muss», meint die gebürtige Görlitzerin und nimmt einen Schluck Kamillentee.