Verkehrsstatistik 2015
8 Menschen sterben auf Solothurner Strassen – Fussgänger leben gefährlicher

Im Kanton Solothurn sind im vergangenen Jahr acht Menschen im Strassenverkehr ums Leben gekommen - eine Person mehr als 2014. Die Zahl der Verkehrsunfälle stieg erstmals seit sieben Jahren um 5,6 Prozent auf 1254 Unfälle.

Lucien Fluri
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Eine tödliche Kollision ereignete sich in Herbetswil. Eine 80-jährige Fussgängerin wurde von zwei Autos erfasst. (Archiv)

Eine tödliche Kollision ereignete sich in Herbetswil. Eine 80-jährige Fussgängerin wurde von zwei Autos erfasst. (Archiv)

Handout Kantonspolizei Solothurn

2015 ist die Zahl der Unfälle im Kanton – ganz gemäss dem Schweizer Trend – leicht gestiegen. Es gab 1254 Unfälle (Vorjahr: 1187). «Damit liegen wir nach wie vor auf einem sehr tiefen Niveau», sagt Yves Staub, Chef Verkehrstechnik der Kantonspolizei.

Es ist der zweittiefste Wert innerhalb der letzen 25 Jahre. Das Fazit von Kommandant Thomas Zuber: «Die Strassen sind nicht weniger sicherer geworden.»

Die meisten Verkehrsunfälle ereigneten sich 2015 gemäss der Statistik

  • in den Monaten März, Mai und August Freitags zwischen 16 und 18 Uhr bei trockenen Strassenverhältnissen und schönem Wetter
  • im Innerortsbereich
  • in Olten (96), Solothurn (87), Grenchen (78), Egerkingen (58), Biberist (53) und Zuchwil (47)

Erfreulich ist: Trotz leicht steigender Unfallzahlen ist die Zahl der verletzten Personen zurückgegangen, wenn auch minim: (789 statt 792). Dabei fällt auf: Es gab 2015 weniger Leichtverletzte, aber mehr Schwerverletzte (91 Personen).

Zunahme bei E-Bike-Unfällen

Yves Staub hebt dabei zwei Gruppen besonders hervor: Fussgänger und E-Bike-Fahrer. Sie waren 2015 in mehr Unfälle verwickelt als zuvor. Besonders angestiegen, nämlich um 55 Prozent, ist die Zahl verletzter Fussgänger. 70 waren es 2015, darunter 16 Schwerverletzte und 2 Verstorbene: (Vorjahr: 47 verletzte Fussgänger, darunter ein Verstorbener und 11 Schwerverletzte).

Staub betont aber: «Die Strasse an sich ist für Fussgänger nicht gefährlicher geworden.» Die Mehrzahl der Fussgänger-Unfälle geschah nämlich abseits der Strasse: Auf Parkplätzen etwa, wo Autofahrer beim Rückwärtsfahren Fussgänger übersehen können.

Die Fussgängerstreifen an sich sind relativ sicher. Kapo-Kommandant Thomas Zuber hält es deshalb für wenig sinnvoll, dass Bundesbern Bussen abschaffen will, wenn Fussgänger in der Nähe eines Streifens die Strasse überqueren.

Dass es mehr Unfälle mit dem E-Bike gab, erklärt die Polizei auch damit, dass schlicht mehr E-Bikes auf den Strassen verkehren. Oft verunfallen E-Bike-Fahrer zwischen 45 und 60. Das erklärt sich damit, dass dieses Alterssegment auch oft E-Bikes kauft.

562 Autofahrer hatten mehr als 0,5 Promille intus (Vorjahr 522). Im langjährigen Vergleich sind die Zahlen noch immer tief. Ob es mehr «Blaufahrer» gibt, hat nicht zuletzt auch mit dem Wetter zu tun: Thomas Zuber wies darauf hin, dass schönere Sommermonate in der Regel zu mehr Fällen von Alkohol am Steuer führen können.

289 Fahrer unter Drogeneinfluss hielt die Polizei an (Vorjahr 257). «Die steigenden Zahlen bedeuten nicht, dass mehr Autofahrer unter Drogeneinfluss unterwegs sind», so Yves Staub. Man habe in die Schulung der Polizisten investiert. «Sie erkennen heute besser, wenn jemand Drogen genommen hat.»

Acht Todesopfer

Acht Menschen verloren auf den Solothurner Strassen 2015 ihr Leben, darunter vier Autofahrer, ein Velofahrer und zwei Fussgänger. Ein Mann wurde zudem auf dem Unfallplatz von einem Auto überrollt.

Überraschend ist: Obwohl die Unfallzahlen seit zehn Jahren tendenziell stark sinken, blieb die Zahl der Verkehrstoten – mit wenigen statistischen Ausschlägen nach oben oder unten – in den vergangenen Jahren in etwa gleich hoch. «Die Zahl der tödlichen Unfälle befindet sich auf einem Niveau, wo auch mit gezielten Massnahmen und Kontrollen kaum mehr eine Senkung erreicht werden kann», so Zuber.
Vortritt wird oft missachtet

Zum Schluss noch etwas Statistik: Die meisten Unfälle geschahen innerorts (784). Ausserorts (237) und Autobahn (233) halten sich die Waage. Die höchsten Unfallzahlen weisen die Städte Olten (96), Solothurn (87) und Grenchen (78) aus; gefolgt von Gemeinden mit viel Verkehr und Autobahnanschluss wie Oensingen (73), Biberist (53), Egerkingen (58) oder Zuchwil (47).
Die Altersgruppe zwischen 20 und 24 ist tendenziell häufiger in Unfälle verwickelt. Unfallreichste Monate sind der März und der Mai (je 114), gefolgt von August (113) und November (112). 905 Unfälle geschahen bei trockenem Wetter. Nur gerade 46 bei Schneematsch, verschneiter oder vereister Fahrbahn.

Es gab 2015 im Kanton 391 Schleuder- oder Selbstunfälle, 55 Frontalkollisionen und 256 Auffahrunfälle. Hauptgrund bei Unfällen ist das Missachten des Vortritts (309 Fälle) gefolgt von «anderen Fahrbewegungen (176, dazu zählt etwa ein Schikanenstopp). An dritter stelle steht «Unaufmerksamkeit und Ablenkung» (166 Fälle). Gerade letzterer Grund zeigt Kapo-Kommandant Thomas Zuber, wie wichtig Prävention ist. So sind Unfälle aufgrund von Unaufmerksamkeit 2011/12 nach einer Kampagne stark gesunken. Deren Wirkung hat jetzt nachgelassen. «Es besteht wieder Handlungsbedarf», so Zuber.(sda/az)